Am Sonntag wird in der SRF-Sendung «Reporter Crime» ein Mordfall aus dem Zürcher Unterland behandelt. Im Film treffen die Frau des Opfers und die Frau des inzwischen ebenfalls verstorbenen Täters aufeinander. Der Familienvater soll seine Tat bereut haben.

Ein Täter, ein Opfer, zwei Witwen. Zweieinhalb Jahre sind seit dem Mord an Gino Bornhauser aus Eglisau vergangen. Nun ging für Witwe Petra Bornhauser ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Bei den Dreharbeiten zur Sendung «Reporter Crime» von SRF traf sie auf Andrea Rodrigues, die Frau des Mörders. Endlich konnte Bornhauser die Frage stellen, ob Luiz Rodrigues seine Tat bereute. Die Antwort der dreifachen Mutter: «Ganz bestimmt. Aber er konnte es nicht mehr rückgängig machen.» Er habe ihr oft geschrieben, dass er damals nicht überlegt habe, was er tat.

Ob die Worte von Luiz Rodrigues wirklich ernst gemeint waren, wird Petra Bornhauser nie herausfinden. Denn der Brasilianer, der im vergangenen Jahr des Mordes angeklagt wurde, starb noch, bevor der Prozess am Bezirksgericht Bülach stattgefunden hätte. Warum er im Gefängnis gestorben ist, bleibt bis heute ungeklärt. Laut dem Gutachten kommen «Unfall und Suizid» als Todesart infrage. Die Obduktion ergab lediglich, dass eine Morphiumvergiftung zum Tod des Brasilianers führte. Von wem er die Drogen erhalten hat, ist ebenfalls nicht bekannt.

Der «Tages-Anzeiger» berichtet, dass Rodrigues am Abend noch mit einem Zellennachbarn Schach gespielt und danach einen Brief an seine Frau geschrieben habe. Am Morgen lag der Brasilianer tot in seinem Bett. Die Polizei fand im WC und im Abfallkorb leere Medikamentenkapseln. Der Brief an seine Frau wurde nicht gefunden. In der SRF-Sendung äussert sich seine Witwe mit Tränen in den Augen: «Ich kann das nicht verstehen. Mein Mann schrieb mir Dutzende Briefe aus dem Gefängnis. Er würde sich niemals verabschieden, ohne eine Nachricht zu hinterlassen.»

Die Leiche ist unauffindbar

Nach der Tat hat Luiz Rodrigues die Leiche von Gino Bornhauser an einem unbekannten Ort im Wald abgelegt. Wo genau, wusste er aber nicht mehr. Auch gross angelegte Suchaktionen der Polizei verliefen ohne Erfolg. Der Körper des Rentners aus Eglisau bleibt bis heute verschwunden. Kurios: Die Polizei konnte alle Kleidungsstücke sicherstellen, die Bornhauser am Tag seines Verschwindens getragen hatte, bis auf sein Hemd. Die Witwe fragt sich: «Wieso hat der Mörder meinen Mann entblösst und die Kleider einfach so weggeschmissen? Und warum fehlt genau das Hemd?» Auch darauf wird sie wohl nie eine Antwort erhalten. Immerhin: Der Brasilianer wollte, dass die Leiche doch noch gefunden wird, und erstellte einige Zeichnungen. Die Skizzen zeigen Wälder, Bauernhöfe, Felder und folgende Anmerkungen: «Hügel», «Leiche 10 Meter», «Zaun», «G. Bornhauser». Doch auch diese Zeichnungen führten die Polizei nicht zur Leiche des vermissten Opfers.

Die Wege von Luiz Rodrigues und Gino Bornhauser kreuzten sich am 22. April 2016 in Rafz. Die Begegnung endete in einer Katastrophe. Nach einer verbalen Auseinandersetzung schlug der Brasilianer den Rentner zusammen, hievte ihn anschliessend in dessen Auto und fuhr weg. An einem nahegelegenen Waldrand zog Rodrigues sein Opfer aus dem Wagen und überrollte es mehrmals.

Inzwischen wurde der vermisste Rentner vom Bezirksgericht Bülach für tot erklärt. Für die Angehörigen dürften sich dadurch immerhin einige finanzielle Ansprüche klären. «Bisher war alles mit Kosten verbunden», sagt die Witwe.

«Reporter Crime»: Ein Mord, zwei Witwen – Der mysteriöse Fall Bornhauser, Sonntag, 28. Oktober, um 21.40 Uhr auf SRF 1.