Blutspende
Momentan wird weniger Spenderblut benötigt

Weil seit Jahren zumeist genügend Blut vorhanden ist, schliesst das Spital Bülach sein Spendezentrum – andere Entnahmestellen reduzieren die Öffnungszeiten. Der Bedarf an Blut wird aber bald wieder steigen, aufgrund der Überalterung der Bevölkerung.

Heinz Zürcher
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Die Blutspendezentren reduzieren ihre Öffnungszeiten – derzeit ist genügend Blut vorhanden. Doch schon im Sommer könnte der Bestand wieder knapp werden.

Die Blutspendezentren reduzieren ihre Öffnungszeiten – derzeit ist genügend Blut vorhanden. Doch schon im Sommer könnte der Bestand wieder knapp werden.

KEYSTONE

Spitäler operieren zwar häufiger, doch sie brauchen derzeit auch weniger Blut. Moderne Operationsmethoden führen zu geringeren Blutverlusten. Zudem werden die Patienten besser auf die Eingriffe vorbereitet und Transfusionen generell zurückhaltender eingesetzt. Diese Faktoren führten zu einem Überschuss an Blutreserven.

Das wiederum widerspricht dem Grundsatz des Zürcher Blutspendedienstes. Er will den Spendern nur so viel Blut entnehmen, wie zur Deckung des Bedarfs notwendig ist. Denn Blut kann nicht beliebig lange aufbewahrt werden. Je nach Blutprodukt variiert die Haltbarkeit zwischen ein paar Tagen und mehreren Monaten.

Die gemeinnützige Stiftung, die das Spenderblut entgegennimmt, aufbereitet, lagert und für die Spitäler sicherstellt, hat deshalb den Blutspendezentren per Anfang 2014 die Auflage erteilt, die Liefermengen um 40 Prozent zu reduzieren. In der Folge hatte das Spital Bülach die Öffnungszeiten seines Blutspendezentrums von vier auf drei Tage reduziert und den Betrieb während der Ferien ganz geschlossen.

Die Zahl seiner Spenden ging danach markant zurück: von jährlich 1200 auf 805. «Doch der administrative Aufwand blieb aufgrund der gleichbleibenden Qualitätsanforderungen in etwa derselbe», sagt Renate Good, Mediensprecherin des Spitals Bülach. Die Spitalleitung beschloss deshalb, das Zentrum per 20. Mai dieses Jahres zu schliessen – auf den Zeitpunkt der Pensionierung jener Laborantin, die sich in den vergangenen Jahren hauptsächlich um die Spender in der Region Bülach gekümmert hat.

Spendenaktionen im Trend

Die Auflage hat sich auch auf die Zentren in Schlieren, Uster, Winterthur und Zürich ausgewirkt. In diesen Entnahmestellen wurden Personalbestände oder Öffnungszeiten reduziert. Schliessungen sind aber keine geplant. Das Spital Bülach informierte seine Spender über die Möglichkeit, auf andere Zentren auszuweichen oder die lokalen Spendenaktionen in der Region zu nutzen. Am 8. Juli wird zusammen mit dem Samariterverein Bülach und Blutspende Zürich ein Spendetag organisiert.

Gemäss Beat M. Frey, seit 2002 Direktor von Blutspende Zürich, geht der Trend ohnehin in Richtung dezentrale und mobile Aktionen. Diese besorgen heute gut zwei Drittel aller Spenden, die Zentren einen Drittel. «Früher war das Verhältnis genau umgekehrt», sagt Frey. «Die meisten Leute haben es lieber, wenn sie nach Feierabend in ihrem Dorf zur Blutentnahme gehen können.» Solche Angebote können reduziert oder erweitert werden, je nach Bedarf – und der dürfte schon bald wieder steigen.

Zwar ist der Bedarf an Blutspenden in den letzten zwei bis drei Jahren um 20 bis 25 Prozent gesunken. «Doch das geht nicht so weiter, die Talsohle wird in den nächsten Jahren erreicht sein», sagt Transfusionsspezialist Frey.

Trotz der medizinischen Verbesserungen werde die Nachfrage wieder steigen. Grund sei die Überalterung der Bevölkerung. «60 bis 70 Prozent des Spenderbluts geht an über-65-Jährige. Und diese Bevölkerungsgruppe wird weiter wachsen.»

Umso wichtiger ist es, trotz des momentanen Überschusses mit den fleissigen Spendern in Kontakt zu bleiben und neue dazu zu gewinnen: vor allem für die seltenen Blutgruppen, wie jene mit rhesus-negativ. «Bei diesen kann es schnell zu Engpässen kommen», sagt Frey.

Reserven wegen Grippewelle

Der Bedarf könnte zwischenzeitlich bereits in diesem Frühjahr wieder steigen, aufgrund der lang anhaltenden Grippewelle, in der viele Spender aus gesundheitlichen Gründen kein Blut abgeben durften. Erfahrungsgemäss sinkt auch während der Ferienzeit die Menge an Spenderblut.

Im vergangenen Juli, während der Fussball-Weltmeisterschaft, fiel der Bestand unters Soll. Die Blutspendeorganisationen richteten sich mit einem dringenden Aufruf an die Bevölkerung. Beat M. Frey sagt: «Auch in diesem Sommer dürfte der Bestand wieder knapp werden.»

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