Zürich

Mitten im Kreis vier steht ein gefährliches Geisterhaus

Das Geisterhaus an der Langstrasse

Das Geisterhaus an der Langstrasse

Mitten im Zürcher Kreis 4 steht an der Langstrasse ein Geisterhaus. Es steht seit vielen Jahren leer und die Fassade droht, zur Gefahr für Passanten zu werden. Doch wem gehört dieses ominöse Haus überhaupt? Und wann kommt wieder Leben rein?

Mieter stehen Schlange, um eine Wohnung im Kreis vier zu bekommen. Umso mehr sorgt ein leerstehendes Haus in der Langstrasse für Kopfschütteln. Auf der Höhe des Piazza Cella, zwischen dem Kebabstand Aladin und dem Club Bagatelle steht es, das Geisterhaus der Langstrasse. Graffiti zieren die Fassade, das Ladenlokal im Erdgeschoss ist verrammelt. Über einem verwaisten Balkon erinnern Hammer und Sichel an eine illegale Party, welche vor knapp sieben Jahren dort stattgefunden hat. Danach machten Bauarbeiter das Innere des Hauses unbewohnbar, sodass sich nicht einmal mehr Hausbesetzer finden, die sich der verlassenen Immobilie annehmen.

Baukontrolle intervenierte

Das Haus ist in einem derart schlechten Zustand, dass es droht, eine Gefahr für Passanten zu werden. Die Baukontrolle hat beim Eigentümer interveniert. Dies schreibt Matthias Wyssmann, Sprecher des Hochbaudepartements, auf Anfrage in einer E-Mail. «Wir gehen davon aus, dass die Eigentümerschaft die Fassade in den nächsten zwei Monaten sichert», schreibt er weiter. Gegen den Leerstand kann die Stadt nichts machen. Niemand ist verpflichtet, sein Haus zu vermieten – auch nicht, wenn der Wohnraum knapp ist. Im Kreis vier standen im Jahr 2016 lediglich 0,43 Prozent der Wohnungen leer.

Koni Frei ist Teilhaber der Long-street-Bar, die sich direkt auf der anderen Strassenseite befindet. Er kann nicht verstehen, warum das Haus leer steht. «Es tut mir weh im Herzen, wenn ich das sehe», sagt er. Frei ist ein Urgestein des Kreises vier, verwaltet die Kanzleiturnhalle und ist an zahlreichen Bars und Kaffees beteiligt. «Ich habe dem Besitzer vorgeschlagen, die Wohnungen zu vermieten, solange nicht klar ist, was mit dem Haus geschieht. Ich wäre auch bereit gewesen, sofort wieder raus zu gehen, wenn der Besitzer das Haus für einen anderen Zweck bräuchte», sagt Frei. Doch auf sein Angebot wurde nicht eingegangen.

Reich dank Sex-Shops

Der Eigentümer ist Fredy Schönholzer. Er kaufte das Haus Ende 2011, wie das Grundbuchamt Aussersihl auf Anfrage offenlegt. Schönholzer ist kein Unbekannter. In den Siebzigerjahren soll er mit Sex-Shops reich geworden sein, wie «Das Magazin» berichtete. Nun handelt er mit Immobilien. Sein letzter grosser Coup war der Verkauf des Labitzke-Areals in Zürich Altstetten.

Seinen Wohnsitz hat Schönholzer in Hergiswil im Kanton Nidwalden. Gemäss Handelsregister hat er verschiedene Immobilienfirmen inne. Schönholzer könnte das Haus heute mit einem Millionengewinn verkaufen. Der Druck auf ihn ist aber gering. Der Wert des Grundstücks steigt mit jedem Tag.

In letzter Zeit scheint sich aber etwas zu tun im Haus. Im April 2016 wurde eine Baubewilligung erteilt. «Soviel wir wissen, wird am Haus gearbeitet», sagt Hochbauamtssprecher Wyssmann. Schönhauser wollte sich auf wiederholte Anfrage nicht zu seinen Plänen äussern. Somit bleibt unklar, ob er sein Versprechen wahr macht, im Haus zehn Wohnungen zu schaffen. Entsprechende Pläne hatte er Ende April 2015 im «Tagblatt der Stadt Zürich» geäussert. Demnach plante er, Zweizimmerwohnungen zu 1300 Franken und Dreizimmerwohnungen zu 1800 Franken zu vermieten.

Kommt ein Hotel?

Schönholzer ist nun dabei, ins Hotelerie-Geschäft einzusteigen. Im November des letzten Jahres gründete er gemäss Handelsregister die «Smart Motel Group AG». Sie verfolgt den Zweck, Hotels zu handeln und umzubauen. Ob das Haus in der Langstrasse 95/97 zum Hotel umgebaut werden soll, bleibt offen. Von einem entsprechenden Baugesuch ist nichts bekannt. Das Geisterhaus ist nicht die einzige Immobilie, die Schönholzer in der Langstrasse leer stehen lässt. Seit längerem gelingt es ihm nicht, einen Mieter für das Ladenlokal im Haus Nummer 83 zu finden. Für die rund 109 Quadratmeter will er monatlich über 10 000 Franken. Wer ein Restaurant aufziehen will, muss gar 12 000 Franken hinblättern. Das sind Preise, für die auch in der Langstrasse, niemand Schlange steht.

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