Bezirksgericht Zürich
Mitbewohner erstochen - milde Strafe wegen psychischer Störungen

Eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten wegen vorsätzlicher Tötung: Dieses Urteil verhängte das Zürcher Bezirksgericht am Mittwoch gegen einen 22-jährigen Mann. Er hatte vor zwei Jahren seinen Mitbewohner gewürgt und dann erstochen.

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Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten. (Symbolbild)

Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten. (Symbolbild)

Keystone

Die Freiheitsstrafe wird aufgeschoben zu Gunsten einer stationären Massnahme zu Behandlung der psychischen Störungen des Schweizers. Der Staatsanwalt hatte eine 8-jährige Freiheitsstrafe verlangt, war aber auch für Aufschub und Einweisung in eine Klinik.

Die Verteidigung hatte vergeblich einen Freispruch verlangt. Ihr Mandant machte für die Messerstiche eine Erinnerungslücke geltend. Dies nutzte die Verteidigung für die These, das als suzidgefährdet bekannte Opfer könnte sich selbst mit Messerstichen in den Hals getötet haben.

Diese Variante war zu Beginn von den Gutachtern nicht ganz ausgeschlossen worden. Ermittlungen und Spurenauswertungen ergaben dann aber, dass ein Suizid nicht in Frage kam.

Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit

Das relativ milde Strafmass begründete das Gericht mit der gutachterlich attestierten hochgradigen Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit des Messerstechers. Dieser leidet unter Wahnvorstellungen. So sei er damals überzeugt gewesen, sein Mitbewohner habe seine Mutter entführt.

Am 13. November 2010 hatte der Beschuldigte in der Wohnung im siebten Stock eines Hauses nicht weit vom Stadion Letzigrund den noch im Bett liegenden Mitbewohner gewürgt und mit mehreren Messerstichen in den Hals getötet.

Den Toten fand man auf der Strasse liegend. Ob der Messerstecher sein Opfer vom Balkon geworfen hatte oder ob der Schwerverletzte in Panik übers Geländer geklettert war, konnte nie geklärt werden.