Leichtathletik-EM Gehen
Mit Rätschen und Stadionhupen zum Sieg

Das Zürcher Publikum trotzte dem Regen und unterstütze die Geher des 20km-Rennens lautstark. Der Spanier Angel Lopez ging als Sieger hervor.

Carla Stampfli
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Leichtathletik-EM Gehen
24 Bilder
Während des 20km-Gehen-Rennen liess der Regen nur teilweise nach
Volunteer Ruedi Oehninger war begeisterter Gelände- und Strasseläufer
Ursina Tratar und Moorish Tratar verfolgen aus Neugier das 20km-Gehen-Rennen der Männer
Sepp Schürmann und Schwester Marie-Therese Frommenwiler sind am Streckenrand dabei
Tramgleise mit Bananenblättern gefüllt
Obwohl es nicht zum Sieg gereicht hat, sind die italienischen Fans gut gelaunt
Noch fehlen wenige Kilometer ins Ziel
Nach dem Zieleinlauf mussten auch Tränen getrocknet werden
Mit Kuhglockengebimmel zum Sieg
Mit Fahnen, Käppi und Rassel lautstark am Streckenrand dabei
Marcel Caspers mit Rahel fanden das Rennen spannend
Französische Fans entlang der Rennstrecke
Die Verpflegungsstände der Athleten
Die spanischen Fans haben Grund zum Jubeln
Die deutschen Fans fiebern mit den Athleten am Streckenrand mit
Die Athleten werden auch mit Kuhglocken angefeuert
Der Zieleinlauf ist rege besucht
Der Sieger Miguel Angel Lopez mit dem Russen Alexander Ivanov
Der Spanier Miguel Angel Lopez feiert seinen Sieg
Das Zürcher Publikum unterstützt die Athletenwährend des 20km-Gehen-Rennens
An den Verpflegungsständen kommen die Athleten wieder zu Kräften
Das Spitzenquartett gibt den Ton an
Am Wendepunkt beim Rathaus

Leichtathletik-EM Gehen

Carla Stampfli

«Come on, focus!», «vamos, vamos!», «vai, vai!», ertönt es entlang des Zürcher Limmatquais. Mit schmerzverzehrten Gesichtern nehmen die Athleten des 20-km-Gehen-Rennens die letzte der insgesamt 20 Runden in Angriff. Das Zürcher Publikum feuert die Geher mit Kuhglocken, Rätschen und Stadionhupen lautstark an — dass der Regen auf die Köpfe niederprasselt, scheint hier niemandem was auszumachen. In die Landesflaggen gehüllt, mit bunten Regenschirmen bestückt und mit dem richtigen Schuhwerk gilt die volle Aufmerksamkeit den Sportlern.

Ein Quartett liegt an der Spitze und schlägt auf dem letzten Kilometer ein hohes Tempo ein. Am Wendepunkt beim Rathaus mobilisieren sie zum letzten Mal die Kräfte. Mit jedem Schritt, den sie gehen, wird es lauter. Nur wenige Meter vor dem Zielbogen beim Restaurant Terrasse zieht der Spanier Miguel Angel Lopez am Russen Alexander Iwanow vorbei — und wird mit einer Sekunde Vorsprung Europameister.

Die spanischen Fans sind aus dem Häuschen, Lopez hüllt sich in die rotgelbe Landesflagge und lässt sich vom Publikum feiern. Nach und nach treffen die Geher am Limmatquai ein. Manche sacken hinter der Ziellinie ein, manche lassen sich von ihren Trainern und Angehörigen umarmen. Einige Athleten jubeln herzhaft, andere können vor Enttäuschung ihre Tränen kaum mehr zurückhalten. Knapp zwölf Minuten hinter dem spanischen Sieger trifft auch der letzte der insgesamt 34 gestarteten Athleten ein. Ein warmer Applaus ist ihm an diesem Morgen gebührt.

Seit Stunden auf den Beinen

Kaum ist er im Ziel, geht es Ruck-Zuck: Zivilschützer trennen die Absperrbänder durch, entfernen die Werbeplakate und die Schräggitter vom Strassenrand. Kaum zu glauben, dass hier vor wenigen Minuten die besten Geher Europas um den Sieg gekämpft haben. Mitten in den Aufräumarbeiten gibt der Abteilungsleiter «Start und Ziel» des Zivilschutzes Weinland Anweisungen. Seit halb fünf Uhr in der Früh ist der 24-Jährige auf den Beinen. Mithilfe seiner Gruppe und weiteren «Zivi»-Sektionen hat er die 1 Kilometer lange Strecke mit der nötigen Infrastruktur ausgerüstet.

«Während des Rennens haben wir die Durchgänge gesichert», sagt er. Alles in allem ist der Abteilungsleiter zufrieden: «Die Leichtathleten sind ein friedliches Volk.» Obwohl er hauptsächlich mit dem Auf- und Abbau beschäftigt ist, hat der Weinländer das Rennen verfolgen können. Gepackt habe es ihn aber nicht. «Aber es gibt genug andere, die sich dafür interessieren», sagt der «Zivi». Während am Limmatquai langsam wieder Normalität einkehrt, machen sich die drei Schnellsten im Hintergrund mit einem Blumenbouquet davon.