Gesellschaft
Mit Nummernzettel anstehen für einen der weltberühmten Amma-«Hugs»

Seit 1987 reist die 60-jährige Inderin Amma regelmässig durch die Welt. Laut Medienunterlagen hat sie bisher «33 Millionen Menschen an ihr Herz gedrückt». Noch bis am Donnerstag umarmt Amma in der Eulachhalle in Winterthur.

Elisabeth Hausmann
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Amma umarmt in der Winterthurer Eulachhalle noch bis Donnerstag
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Amma umarmt in der Winterthurer Eulachhalle noch bis Donnerstag

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Aus den Eulachhallen in Winterthur dringt monotone Musik. Eine ältere Inderin im traditionellen Sari huscht über den Vorplatz, ein grauhaariger Mann, eine orange Sicherheitsweste über dem langen Gewand, kurvt auf einem Trottinett über den Parkplatz. Amma ist hier. Die Umarmerin aus Indien.

Über der riesigen Halle hängt der Duft von Räucherstäbchen. Indische Mönchsgesänge tönen aus Lautsprechern. Amma wird hier bis Donnerstag ihre weltberühmten «Hugs» (Umarmungen) verteilen und Vorträge halten.

Ungeachtet der Tageszeit – es ist Dienstag über Mittag – ist der Andrang gross. Mehrere Hundert Menschen sitzen in den Reihen – die Frauen sind deutlich in der Mehrheit, aber auch viele Männer sind gekommen. Alle Altersgruppen sind vertreten. Jeans und T-Shirts neben wallenden Gewändern, Turnschuhe neben offenen Sandalen.

In gedämpftem Ton unterhalten sich einige der Anwesenden. Andere beobachten schweigend, was vorgeht. Manche sind mit geschlossenen Augen in sich selbst versunken. Es herrscht eine ruhige friedliche Stimmung. Mithilfe von Nummernzetteln wird das Warten organisiert.

Reihen von Verkaufsständen

Den Wänden entlang und im hinteren Teil der Halle reiht sich Verkaufsstand an Verkaufsstand. Kleider, Schmuck, ayurwedische Gesundheits- und Kosmetikprodukte, aber auch DVDs, CDs kann man hier kaufen. Und Fotos von Amma – in allen Grössen und Aufmachungen. An einem Stand kann man gegen eine Spende Rosen und andere kleine Geschenke für Amma erstehen.

Die Aufmerksamkeit der Anwesenden ist auf das Podest ganz vorne in der Halle gerichtet. Auch dort sind viele Menschen. Sie sitzen im Schneidersitz oder knien auf einem grossen, bunt gemusterten Teppich. Die meisten haben die Schuhe ausgezogen. In der Mitte ein hölzerner Sessel, über den ein gelbes Tuch drapiert ist. Darauf sitzt sie: Amma. Die Umarmerin. Die Heilige. Neben ihr mehrere Helferinnen. Sie weisen die geduldig Wartenden im richtigen Moment zu ihr, nehmen ihr die Blumen und Geschenke ab, zupfen immer wieder ihr Schultertuch zurecht.

Hilfe durch den Alltag

Dann knien die Menschen vor Amma, lassen sich umarmen, den Kopf an Ammas Schulter gedrückt, in sich gekehrt. Manchmal murmelt sie einem ein paar Worte ins Ohr. Keine Minute dauert eine Umarmung – die Reihe der Wartenden ist lang. Mit leuchtenden Gesichtern lösen sich die Umarmten.

Sie komme schon zum dritten Mal, sagt eine Frau. «Es hilft mir durch den Alltag – tut mir gut im Herzen», sagt sie. Auch andere versichern, sie kämen schon zum wiederholten Mal. Schon nur die Atmosphäre sei wunderschön, sagt jemand.

Für einen Mann ist es einfach das Umarmen als solches, das ihn fasziniert: «Wir alle könnten das tun, aber wir tun es eben nicht. Amma umarmt alle – ungeachtet Herkunft, Religion, Alter oder Geschlecht.» Deshalb gehe er jedes Jahr hin – «aber ich fliege nicht fort nach einer Umarmung».

33 Millionen Menschen umarmt

Amma, geborene Mata Amritanandamayi, die am 27. September 60 Jahre alt geworden ist, hat die Schweiz schon mehrmals besucht. Seit 1987 reist sie regelmässig durch die Welt. Laut Medienunterlagen hat sie bisher «33 Millionen Menschen an ihr Herz gedrückt». Mit einem Tross von rund 240 Mitarbeitenden reist sie derzeit wieder durch Europa. Sie führen zahlreiche Lastwagen mit sich, ein riesiger Schiffscontainer ist zur Grossküche umgebaut worden, wo täglich Tausende Menüs für die Besuchenden gekocht werden.

In jedem Land arbeiten Hunderte von Freiwilligen für Amma. Der Erlös aus Verkäufen, Konzerten, Vorträgen, Restaurant und dergleichen fliesst in ihr Hilfswerk Embracing the World (ETW). Die Besuche werden von Amma-Vereinen organisiert, in der Schweiz von der Amrita Vereinigung (Schweiz) mit Sitz in Steinmaur ZH.