Strassenprojekt
Mit Millionen gegen den Flaschenhals

Seit dem Ausbau der Weinland-Autobahn auf vier Spuren im Norden stauen sich die Autos nun im Süden – dieser neue Engpass war vorhersehbar.

Markus Brupbacher
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Seit dem Ausbau der Weinland-Autobahn auf vier Spuren im Norden stauen sich die Autos nun im Süden – dieser neue Engpass war vorhersehbar. (Symbolbild)

Seit dem Ausbau der Weinland-Autobahn auf vier Spuren im Norden stauen sich die Autos nun im Süden – dieser neue Engpass war vorhersehbar. (Symbolbild)

Keystone

Knapp neun Kilometer Strasse für 285 Millionen Franken – so viel Geld hat der Nationalrat im Juni 2014 für den Ausbau des südlichen Abschnitts der Weinlandautobahn bewilligt. So soll die A4 zwischen der Thurbrücke bei Kleinandelfingen und der Einmündung in die A1 bei Winterthur von zwei auf vier Fahrspuren samt Richtungstrennung ausgebaut werden. Die rund vier Jahre dauernden Bauarbeiten beginnen frühestens 2018.

Der Ausbau der Weinlandautobahn zwischen Winterthur und Schaffhausen auf vier Spuren erfolgt auf die typische Schweizer Art: Nichts wird durchgeboxt, nur das politisch Machbare wird gebaut – und dies wenn nötig in Etappen und in erträglichen Dosen.

So hatte der Bundesrat den Ausbau der Nord-Süd-Achse durchs Weinland auf vier Spuren eigentlich schon in den 1970er-Jahren genehmigt. Doch als es gegen den Autobahnbau Hunderte von Einsprachen hagelte und Weinländer Bürger eine Petition mit über 30 000 Unterschriften einreichten, traten die Verantwortlichen auf die Bremse: Statt vier wurden bloss zwei Fahrspuren gebaut, und zwar zuerst nur auf dem nördlichen Teilstück zwischen Flurlingen und Kleinandelfingen.

Der verlagerte Flaschenhals

Das südliche Teilstück zwischen Kleinandelfingen und Winterthur wurde erst später und wiederum in zwei Etappen gebaut. Die Bauarbeiten dauerten insgesamt rund neun Jahre und kosteten gut 240 Millionen Franken.

Die beiden Abschnitte dieses Teilstücks wurden im Jahr 1996 respektive 2000 eingeweiht – und sollen nun wie in den 1970er-Jahren ursprünglich geplant auf vier Spuren ausgebaut werden. Die Pläne und Berichte werden vom 1. Februar bis 1. März beim Kanton und bei den acht betroffenen Weinländer Gemeinden aufliegen.

Dass dieser Ausbau auf vier Spuren erfolgt, war absehbar. Denn nach der Eröffnung der vier Spuren im Norden zwischen Flurlingen und Kleinandelfingen im Herbst 2010 verlagerte sich der Engpass südwärts.

Dass dem eines Tages so sein würde, das war schon viel früher allgemein bekannt. So hiess es in einem NZZ-Leserbrief vom August 1999: «Der zweispurige Südabschnitt Andelfingen–Winterthur ist schon heute ein Flaschenhals. Er weist rund 30 Prozent mehr Verkehr als die Gotthardautobahn auf und dürfte in den nächsten Jahren chronisch überlastet sein.»

So gesehen sei es geradezu fahrlässig, auf dem nördlichen Abschnitt Kleinandelfingen–Flurlingen mit zwei weiteren Spuren zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Langjährige Erfahrungen und Untersuchungen würden zeigen, so der Leserbriefschreiber weiter, dass damit die Nachfrage gesteigert und Staus im Raum Andelfingen zum Alltag würden. «Eine Verlagerung auf das Regionalstrassennetz wäre unausweichlich.»

Gotthard-Problem im Weinland

Und genau dies ist geschehen – und damit der Druck gestiegen, auch das südliche Teilstück der Weinlandautobahn auf vier Spuren auszubauen. Am nördlichen Teil wurde gebaut, weil er sanierungsbedürftig war. Um die Strasse aber nicht vollständig sperren und den Autoverkehr durch die Dörfer umleiten zu müssen, wurde sie gleich von zwei auf vier Fahrspuren ausgebaut.

Bei der Eröffnung eines Strassenabschnitts südlich der Thur im Herbst 2000 sagte Regierungsrätin Dorothée Fierz etwas, was sehr an die aktuelle Diskussion um die zweite Gotthardröhre erinnert: «Ich weiss aber auch, dass die Meinungen darüber geteilt sind, ob nach dem Ausbau nur zwei oder alle vier Spuren für den Verkehr geöffnet werden sollen.» Heute rollen die Autos auf allen vier Spuren – und stauen sich beim Flaschenhals in Kleinandelfingen.

Die Verengung von vier auf zwei Spuren auf der A4 bei Kleinandelfingen bezeichnete Bundesrätin Doris Leuthard in der Nationalratsdebatte im Juni 2014 als «verkehrspolitisch unsinnig». Grundsätzlich anderer Meinung war der Zürcher Nationalrat Thomas Maier (GLP). Auch wenn der Engpass auf der A1 um Winterthur behoben werde, verschiebe sich dieser bloss weiter Richtung Brüttiseller Kreuz und Nordring.