Obergericht Zürich
Mit gestohlener Diplomarbeit Kollegin genötigt

Zürcher Obergericht Zehn Monate bedingt für Drogenhändler aus Schlieren.

Attila Szenogrady
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Auf dem geklauten Laptop war die Diplomarbeit der Geschädigten gespeichert. (Archiv).

Auf dem geklauten Laptop war die Diplomarbeit der Geschädigten gespeichert. (Archiv).

Keystone

Um sie zum Kokainhandel zu zwingen, hat ein afrikanischer Drogendealer aus Schlieren seiner Kollegin die wichtige Diplomarbeit zur Lehrabschlussprüfung gestohlen. Nun wurde der nicht geständige Mann zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt.

Die Vorwürfe gegen den heute 31-jährigen Westafrikaner aus Schlieren gingen auf den Frühling 2012 zurück. Damals verkaufte der arbeitslose Beschuldigte Kokain und wollte eine Schweizer Drogenkonsumentin in den Drogenhandel zwingen. Als sich die Frau weigerte, verlegte sich der Ex-Student auf perfide Methoden.

Diplomarbeit als Druckmittel

Laut Staatsanwaltschaft entwendete er ihr absichtlich ihren Laptop, auf welchem sie ihre aufwendig erstellte Diplomarbeit für einen Lehrabschluss gespeichert hatte. Da sie keine Sicherungskopie erstellt hatte, musste sie den Anweisungen des Erpressers folgen. So hatte dieser angekündigt, dass er die Arbeit erst dann zurückgeben würde, wenn sie seine Anweisungen befolgen werde.

Die Geschädigte gab nach und setzte über mehrere Wochen hinweg rund 200 Gramm Kokain für ihren Chef ab. Den Gewinn musste sie abliefern.

Im Mai 2012 hatte die Geschädigte genug und schaltete die Polizei ein. Worauf der Beschuldigte bei ihr mit einer Flasche mit giftiger Säure auftauchte und ihr in Aussicht stellte, das Gesicht zu verätzen. Doch so weit kam es nicht mehr, da die Polizei den Afrikaner festnahm und er für mehrere Wochen in Untersuchungshaft verschwand.

Alles bestritten

Gestern Montag stand der Westafrikaner vor dem Zürcher Obergericht und stritt alle Vorwürfe ab. Er sprach von einer Racheaktion der Privatklägerin, die ihn zusammen mit ihrem Partner zu Unrecht belastet habe. Auch der Verteidiger forderte einen vollen Freispruch und stufte die Geschädigte als nicht glaubhafte Person ein. So würde sie heute noch behaupten, dass sie den Laptop nicht mehr zurückerhalten habe. Was aber nicht stimmen könne, da der Beschuldigte inzwischen ihren Computer zurückgegeben haben soll.

Schuldspruch bestätigt

Das Obergericht sah es anders und bestätigte im Wesentlichen ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Zürich. Demnach wurde der Angeklagte wegen Kokainhandels sowie Nötigung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Die Kosten des Berufungsverfahrens wurden dem Beschuldigten auferlegt. Die Oberrichter stützten sich auf die plausiblen Aussagen der Geschädigten und ihres Freundes ab.