Autonome Schule Zürich

Mit einer Menschenkette gegen «willkürliche Polizeikontrollen»

Am Mittwochnachmittag demonstrierten rund 300 Aktivistinnen und Aktivisten gegen Polizeikontrollen in unmittelbarer Nähe der Autonomen Schule Zürich. Die Demonstranten bildeten eine Menschenkette.

Eine immer grössere Menschentraube bildet sich gestern Nachmittag vor dem Gebäude der Autonomen Schule Zürich (ASZ). Die ASZ, in der Flüchtlinge, Sans-Papiers und andere Migranten gratis Deutsch lernen können, hat dazu aufgerufen, eine Menschenkette zu bilden — als Zeichen des Protests gegen Polizeikontrollen. Laut ASZ führte die Polizei in den letzten Monaten beinahe täglich Kontrollen im Umfeld der Schule in Zürich Altstetten durch.

«Die Polizeikontrollen im Tram sind demütigend», sagt Micha Brutschin, der an der ASZ Deutsch unterrichtet, am Rande der Kundgebung. «Und wenn die Betroffenen Fragen stellen, eskaliert es.» Die Eskalation reiche von rassistischen Bemerkungen der Polizei bis hin zu Nackt- und Analkontrollen auf dem Polizeiposten. Viele ASZ-Schüler hätten daher Angst, weiterhin in die Schule zu gehen.

Dem Demo-Aufruf folgen laut ASZ-Angaben rund 200 Personen. Unter ihnen ist auch Nationalrat Balthasar Glättli (Grüne), Ehrenpräsident der Sans-Papiers-Anlaufstelle Zürich. «In der ASZ wird geleistet, was die SVP immer fordert: Dass sich Migranten selbst um ihre Integration kümmern», sagt Glättli. Und: «In einer Stadt wie Zürich mit einer linken Regierung und AL-Polizeivorsteher Richard Wolff sollte es möglich sein, dass sie zur Schule gehen, ohne Angst haben zu müssen.»

Die Menschenkette erstreckt sich vom ASZ-Gebäude an der Bachmattstrasse bis zum Lindenplatz. Als ein Polizeiauto vorbeifährt, erschallt der Sprechchor der Demonstranten: «Stopp, stopp, stopp, Polizeikontrollen stopp.» Die Polizei bleibt ansonsten unsichtbar. Aus einem offenen Autofenster schimpft ein Herr im Anzug über «die, die da von unseren Steuergeldern leben» — und fährt ab.

Auf dem Lindenplatz bildet die Menschenkette einen Kreis. ASZ-Aktivist Abed Azizi ruft ins Mikrofon: «Lasst die Schule in Ruhe, damit wir in Ruhe Deutsch lernen können.» Eine zweite Rednerin verliest einen Brief der ASZ: «Sie kontrollieren uns, wie wenn wir Mörder wären. Sie denken, nur Ausländer könnten Heroin haben. Das nennt man Rassismus.» Brutschin als dritter Redner erinnert daran, dass schon vor vier Jahren der damalige Polizeivorsteher Daniel Leupi (Grüne) zugesichert habe, den «demütigenden Polizeikontrollen» ein Ende zu setzen. In den letzten Monaten hätten sie jedoch stark zugenommen. «Warum, ist uns ein Rätsel.»

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