Zürich
Mit dreijähriger Verspätung weihnachtet es jetzt auf dem Münsterhof — Böögg trifft auf Markt

Am Donnerstag eröffnete auf dem Münsterhof der neuste Weihnachtsmarkt der Stadt. Eigentlich hätte die Weihnachtsmarkt-Premiere auf dem Münsterhof schon 2016 stattfinden sollen. Die Stadt brach den Versuch jedoch ab, da keines der eingereichten Konzepte ihren Ansprüchen genügte.

Matthias Scharrer
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Böögg trifft auf Weihnachtsmarkt

Böögg trifft auf Weihnachtsmarkt

Matthias Scharrer

Es weihnachtet jetzt noch mehr in Zürich als in früheren Jahren: Am Donnerstag eröffnete auf dem Münsterhof der neuste Weihnachtsmarkt der Stadt – der fünfte oder sechste im Stadtzentrum, je nachdem, was man alles mitzählt. Nach dem Niederdorf, Hauptbahnhof, Sechseläutenplatz, Werdmühleplatz und Teilen der Bahnhofstrasse ist nun also auch der Münsterhof weihnachtsmarktwirtschaftlich gesegnet. Endlich, ist man versucht zu sagen. Denn lange hats gedauert.

Eigentlich hätte die Weihnachtsmarkt-Premiere auf dem Münsterhof schon 2016 stattfinden sollen. Die Stadt brach den Versuch jedoch ab, da keines der eingereichten Konzepte ihren Ansprüchen genügte. Zwei Jahre später wurde wieder nichts daraus. Zwar hatte nun die Vereinigung Zürcher Spezialgeschäfte mit ihrem Konzept den Zuschlag erhalten. Doch es erwies sich als so anspruchsvoll, dass es sich 2018 nicht mehr realisieren liess. «Und an eine externe Agentur wollten wir den Auftrag nicht vergeben», sagt Andreas Zimmerli, der federführend war bei der Umsetzung. Die Vereinigung Zürcher Spezialgeschäfte verschob den Start auf 2019.

Und jetzt? Auf den ersten Blick sieht der neue Weihnachtsmarkt aus wie ein typischer Zürcher Weihnachtsmarkt: 38 genormte Holzhäuschen, speziell für den Münsterhof-Markt angefertigt, sind blockweise auf dem mittelalterlichen Platz vor dem Fraumünster angeordnet. In der Mitte stechen zwei runde Iglu-Zeltdächer ins Auge.

Eines davon ist das Kulturzelt. Hier finden bis Weihnachten insgesamt zwölf Lesungen und Konzerte statt. So liest der Zürcher Autor und Fotograf Bruno Schlatter Adventsgeschichten aus seinem Buch «Die himmelblaue Weihnachtstasse». Zudem konzertieren Musikerinnen und Musiker der Musikschule Konservatorium Zürich. Ausserdem stehen Workshops mit Zürcher Machern auf dem Programm.

Deren Realisierung erwies sich aber ebenfalls als schwieriger als ursprünglich angenommen, wie beim Marktbummel zu hören ist. So gibt es nun lediglich zwei Siebdruck-Workshops für Weihnachtskarten, zudem historische Führungen über den Münsterhof.

Tsüri Balls mit Tsüri Sauce und Züri Stumpen

Zürcher Macher sind trotzdem prägend auf diesem Markt: «Alle Anbieter stammen aus Zürich und Umgebung», sagt Zimmerli. Die Stände sind wochenweise zu mieten – und laut Zimmerli fast ausgebucht.

Ihr Angebot entspricht in weiten Teilen dem, was man auch andernorts finden kann: Da gibts Austern, Handyhüllen, Schokoküsse, frische toskanische Trüffel, Adventskränze, Malkästen, Ledertaschen, Schreibwaren und Trottinette.

Das kulinarische Angebot hat besonders namentlich einen zürcherischen Einschlag: Statt Landjäger sind Stadtjäger zu haben, die Hackfleischbällchen heissen Tsüri Balls, am Stand daneben ist Tsüri Sauce erhältlich und am Grill eines Hotels Zürcher Zunftbratwurst, Wiediker Rostbratwurst – und Züri Stumpen.

Das grosse Iglu-Zelt in der Mitte des Markts beherbergt eine gediegene Hotelbar. Überhaupt: Gediegen ist der Gesamteindruck des Marktes. «Die Idee war, etwas Urbanes zu machen und nicht die Berge nach Zürich zu holen», sagt Zimmerli. Beizen im Chalet-Stil wie im Wienachtsdorf auf dem Sechse­läutenplatz trifft man hier nicht an. Dafür ist auch ein alter Zürcher Bekannter da: der Böögg. Der Stoffschneemann steht in einem riesigen, mit hunderten Lichtern geschmückten Schlitten unter dem grossen Weihnachtsbaum – und wird sogleich zum beliebtesten Fotosujet bei den Münsterhof-Marktbummlern. Typisch Zürich eben.