Schwups, da war er weg. Verschwunden in der Röhre, abgesaugt wie von einem Staubsauger. Ging da was schief? Wirbelt er jetzt im Windkanal umher? Natürlich nicht. Langsam gleitet der Instruktor in der Röhre wieder nach unten zurück ins Blickfeld. 17 Meter hatte er sich in die Höhe schiessen lassen. Die Luft bläst im neuen Kanal mit bis zu 280 Kilometern pro Stunde. Doch man wird weitgehend selbst zum Herr der Lüfte im Windwerk in Hegi. Zumindest dann, wenn man es schafft, die Technik zu verinnerlichen und in ein Gefühl zu übersetzen.

«Entspannt euch», rät der Instruktor den Medienleuten daher. «Mit euren Armen lenkt ihr ähnlich wie mit einem Steuerrad.» Nach vorne lehnen, um abzuheben, Arme und Beine etwas gestreckt lassen, den Kopf leicht anheben, so kommt man in der Luft in die Grundposition.

Danach wird es zum Spiel mit dem Luftwiderstand. Zieht man den Bauch leicht ein und streckt sich etwas mehr, wird man zum Fallschirm – und hebt ab. Zieht man Arme und Beine wieder leicht an, sinkt der Luftwiderstand und man fällt etwas. Die Drehung nach links und rechts lässt sich mit den Händen steuern.

«Unglaublich, wie viel die kleinste Bewegung schon auslöst», sagt Elias Ambühl, als er aus der Röhre steigt. Der Goldmedaillengewinner im Freeski wirbelt sonst mit Dreifachsalto samt dreifacher Schraube durch die Luft. Doch auch Anfänger schaffen es, den einminütigen freien Fall zu geniessen, selbst wenn es bei der Feinsteuerung noch etwas ruckelt.

Bevor man in Turbulenzen gerät, tippt uns der Instruktor wie tanzende Ballone wieder zurück in die Position und gibt Handzeichen. So schafften es die Macher von Windwerk vor der Eröffnung, dass ein Dutzend Journalistinnen und Journalisten abhoben und die Backen schlabbern liessen. Auch der Samichlaus hatte seinen Auftritt, wenn auch ohne Sack am Rücken. Die Obergrenze beim Gewicht liegt bei 120 Kilo.

Cool, fest auf dem Boden

Das Gründerteam um Tobias Oertle, Andri Steinemann und Reto Welti gibt an der offiziellen Premiere gelassen Auskunft. «Wir sind bereit und können wie geplant losgehen», sagt Oertle. Der 31-jährige Winterthurer hat nach dem KV eine Maurerlehre gemacht und später als Qualitätsmanager im Bauwesen gearbeitet. Erst wollte er das Windwerk als Projekt begleiten. «Doch je konkreter es wurde, desto mehr zog es mich rein.» Jetzt ist er als Geschäftsführer der Kopf der einzigen Indoor-Skydiving-Anlage in der Deutschschweiz. Eine Outdooranlage in Rümlang musste 2015 einem Baumarkt weichen.

Den Ausschlag für den Standort Winterthur (auch Embrach und Volketswil waren Optionen) gab letztlich der vergleichsweise günstige Landpreis. «Wir sind super happy hier. Das Windwerk passt zu Winterthur», sagt Oertle. Er und sein Team sind selbst professionelle und gut vernetzte Skydiver, was half, die 15 Mitarbeiter zu rekrutieren, auch in Österreich und in Deutschland. Von dort stammt auch das Herzstück der über zehn Millionen teuren Anlage, der 39 Meter hohe Windkanal. Rund die Hälfte davon ist unterirdisch.

Die Luft zirkuliert dabei in einem geschlossenen Kammersystem. Vier Carbonpropeller werden von insgesamt 1600 PS angetrieben und blasen dabei die Luft gegen den Boden, wo der Strom durch Siebe zweimal um die Ecke saust und dann wieder nach oben schiesst. Oertle und sein Team haben auch Hersteller in Belgien und Tschechien besucht.

«Die Technologie ‹Made in Germany› ist eindeutig die beste.» Der Luftstrom verlaufe gleichmässig, ohne Wirbel zu erzeugen. «Die Anlage muss auch den Anforderungen von Profis und ambitionierten Amateuren genügen.» Gerade am Anfang werden diese den Grossteil der Besucher ausmachen, schätzt Oertle.

Das Wallis ausgestochen

Auch eine Flugmannschaft der Armee soll hier trainieren, und im Frühling findet in Hegi die Schweizer Meisterschaft im Indoor-Skydiving statt – und nicht im Wallis. Dort steht in Sion mit Real Fly seit knapp fünf Jahren eine vergleichbare Anlage. Die Bilanz gemäss den Betreibern: «C’est positif!» Gegen 120 Eintritte verzeichne man am Wochenende und 30 wochentags, vor allem Einheimische, aber auch viele Touristen.

Mit 75 Franken für zwei einminütige Flüge hebt man dort etwas günstiger ab als in Hegi (regulär 89 Franken). Bei Windwerk ist man aber überzeugt, dass das Einzugsgebiet von Zürich bis St. Gallen gross genug ist, um langsam abzuheben, ohne hart zu landen.