Restaurants, Bäckereien, Cafés, Hotels und Supermärkte kämpfen alle mit dem gleichen Problem: Nach Ladenschluss landen täglich überschüssige, aber noch essbare Lebensmittel im Abfall.

Die Köpfe hinter der kostenlosen App «Too good to go» nehmen sich diesem Problem an. Auf der gleichnamigen Plattform bringt der Zürcher Ableger eines ursprünglich dänischen Start-ups Betriebe und Hungrige zusammen.

Das Essen gibt es über die App zu einem reduzierten Preis, da es sonst bei Betriebsschluss sowieso im Kübel landen würde.

«Unser Ziel ist es, diese Lebensmittel zu einem Drittel des Vollwertpreises zu vertreiben», sagt André Kälin, Marketingmanager von «Too good to go» in Zürich.

Die Jungfirma selber erhält von Essensanbietern eine Vermittlungskommission. Wie hoch dieser Betrag ist, will Kälin nicht beziffern. «Es geht nicht ums Geld verdienen. Jedes Essen, das gerettet werden kann, zählt», so Kälin weiter.

Es gehe darum, für alle eine Win-win-win-Situation zu schaffen. Kälin verweist auf die drei Vorteile: «Die Konsumenten erhalten günstige aber essbare Lebensmittel, die Gastronomiebetriebe müssen weniger wegwerfen und können über die App sogar neue Kunden gewinnen. Zudem wird damit die Umwelt geschont und Food Waste eingedämmt.»

Diese Vorteile überzeugen. Neben der Bäckerei Hug, die in Zürich drei Standorte hat, bietet auch die Restaurantkette Dean & David wie auch die Fredy Wiesner Gastronomie, zu denen die Nooch- und Negishi-Ketten gehören, ihre überschüssig produzierten Lebensmittel über die App an.

Wie Kälin sagt, verfügt die App bereits über 400 Gastropartner: «Derzeit befinden wir uns mit Migros, Coop und Manor in einer Pilotphase», sagt Kälin weiter.

Pro Tag kämen etwa zehn neue Anbieter hinzu. So konnten seit Beginn der App-Lancierung diesen Sommer bereits 80'000 Mahlzeiten gerettet respektive 160'000 Kilogramm C02 eingespart werden. Durchschnittlich werden laut Kälin pro Tag 500 Mahlzeiten vom Wegwerfen verschont.

Kein Halt vor Landesgrenzen

Wer über die Plattform günstiges Essen bestellen möchte, muss im Besitz einer Debit- oder Kreditkarte sein.

Das Netzwerk vermittelt lediglich den Kaufvertrag zwischen dem Kunden und dem Restaurant, der Bäckerei oder dem Café. Die Lebensmittelanbieter sind selbstständig für die Aufbereitung ihrer Angebote und der Lebensmittelinformationen auf der App verantwortlich.

Kommt ein Auftrag zustande, erhält der Kunde eine Bestätigung, die Angaben zur Bestellung, Preis, Zahlungsbedingungen, Zeitpunkt und Ort der Abholung beinhaltet.

Gehen die Lebensmittel aus, ist der Shop dafür zuständig, dem Kunden bis eine Stunde vor der vereinbarten Abholung, die Bestellung zu stornieren. Das geschieht via E-Mail oder SMS – je nach dem, welche Kontaktdaten in der App hinterlegt wurden.

Der Käufer seinerseits kann bis drei Stunden vor der vereinbarten Abholung von seiner Bestellung zurücktreten.

Mit einem festen Team bestehend aus sieben Leuten arbeitet die Firma in Zürich. Dies erst seit diesem Sommer. Die Idee existierte aber schon seit 2016 und startete damals in Dänemark.

Europaweit engagieren sich mittlerweile 190 Mitarbeitende. Essen zu einem reduzierten Preis kann auch in Deutschland, Frankreich, Norwegen, Grossbritannien, Belgien und Spanien bestellt werden. «Bislang wurden europaweit schon sieben Millionen Mahlzeiten gerettet. Dadurch konnten 12'000 Tonnen CO2 eingespart werden», sagt Kälin.

Das Vorhaben, unnötige Lebensmittelverschwendung einzudämmen, fasst offenbar langsam Fuss. Mittlerweile gibt es das Angebot über Zürich hinaus in der gesamten Deutschschweiz sowie in der Romandie. Die Köpfe hinter «Too good to go» in Zürich sind nun daran, das Netzwerk noch weiter auszubauen und die möglichen Zahlungsmittel um die Twint-Funktion zu erweitern.