Automatisch
Mit diesem Roboter verbrennen garantiert keine Würste mehr

Vier Studenten der ZHAW haben als Bachelorarbeit einen Roboter entwickelt, der Würste braten kann. Dass dieser bald menschliche Grillmeister ersetzen wird, ist aber unwahrscheinlich.

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Der sogenannte P-Rob zeigt sein Können. Neben Bratwürsten kann er auch Cervelats bräteln.

Der sogenannte P-Rob zeigt sein Können. Neben Bratwürsten kann er auch Cervelats bräteln.

Moritz Hager

Die Greifzange packt die Bratwurst, hebt sie hoch und legt sie auf den Grill. Packt sie erneut und schiebt sie vorsichtig ein wenig weiter nach rechts, damit sie perfekt platziert ist. Genau vier Minuten später wird die Wurst erneut aufgehoben und gedreht. Schlussendlich platziert der Roboter die makellos gebräunte Wurst auf ein Brettchen.

Der grillierende Roboter ist die Bachelor-Arbeit von vier Studenten der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). Florian Mühlethaler und Oliver Heiniger studieren Systemtechnik, Bruno Zimmermann und Michael Suter Informatik. Der Investmentclub Sonneck ermöglichte die Arbeit. Die vier Unternehmer kauften der Firma F&P Robotics ein Modell eines persönlichen Roboters der ersten Generation ab.

Die zwei Systemtechniker rüsteten diesen mit selbstentwickelten Bratzangen aus, programmierten ihn und tüftelten am perfekten Wurstwendeprozess. Die Augen gaben ihm die Informatiker in Form einer externen Kamera. Mit einem Kontrollsystem lehrten sie ihm zudem, wann er eine neue Wurst auf den Grill legen muss oder wann diese gut ist. Anfänglich sollte die Maschine dies mit der Erkennung des Brauntons ermitteln, nun sticht sie aber in die Wurst ein und misst so deren Kerntemperatur.

Technologie der Zukunft

Entwickelt wurde der sogenannte P-Rob von der Firma mit Hauptsitz im Kanton Zürich selber. Die sechsgliedrigen Roboter sind darauf ausgerichtet, Menschen im Alltag zu helfen. Es ist Technologie der Zukunft, den für Private ist der Preis um die rund 30 000 Franken noch zu hoch. Um die 50 Roboter hat die Firma in den letzten zwei Jahren verkauft. Geschäftsführer Hansruedi Früh will mit seinen Robotern aber bald noch einen Schritt weiter gehen. Diese sollen direkt den Menschen dienen, «personal roboter assistant» heisst das in der Fachsprache.

Beim grillierenden Roboter würde dies bedeuten, dass wir per App eine Wurst bestellen, die uns dann vor Einkaufszentren oder am Bahnhöfen von einem Roboter völlig selbstständig grilliert und serviert wird. Noch ist es aber nicht soweit. Obwohl, «wenn noch weiter intensiv daran gearbeitet würde, könnte es in zwei Jahren möglich sein», schätzt Früh.

Aber: «Ein Mensch ist viel effizienter beim grillieren, und wird es wohl immer bleiben», sagt Mühlethaler. Der P-Rob grilliert im Moment maximal 50 Würste pro Stunde. Dem Menschen hilft hier, dass er Entscheidungen wie etwa die Temperatur zu erhöhen, selber trifft. Dinge, die man einem Roboter beibringen, das heisst programmieren, muss. «Hier kommt die künstliche Intelligenz ins Spiel», sagt Früh. Diese stecke noch mitten in der Entwicklung, verbessere sich aber rasant.

Winti-Wurst muss warten

Wenn es nur um Effizienz gehen würde, dann müsste man sowieso einen Automat bauen, sagt Früh weiter. Dann bekäme der Kunde vom Prozess nichts als die fertige Wurst mit. «Für Kunden ist das aber eine völlig andere Wahrnehmung als wenn sie einen Roboter sehen, der grilliert wie ein Mensch». Eine der Vorgaben der Bachelorarbeit war daher auch, den Würstchenbratroboter möglichst menschlich wirken zu lassen.

«Ich könnte mir gut vorstellen, als Hobby weiter am Grillroboter zu arbeiten», sagt Mühlethaler. Ausgerichtet ist der Roboter momentan auf St. Galler Olmabratwürste, aber auch Cervelats kann er verarbeiten. Winti-Würste müssen erst mal warten. Aus welchem Kanton Mühlethaler stammt, ist wohl nicht schwer zu erraten. Senf zu den Würsten wird trotzdem serviert, etwa heute Abend, wenn der Würstchenbratroboter an der Nacht der Technik der ZHAW School of Engineering im Innenhof zu sehen sein wird - Kostproben inklusive.