Eine Reise nach Paris sollte das Leben von Philipp und Gordon Tommasi gehörig umkrempeln. Eigentlich wollten beide an der Seine dem Traum vom eigenen Café nachgehen, bis der süsse Duft eines Gebäcks sie anlockte. Da war es um sie geschehen: Angeboten wurden Lütticher Waffeln, eine Spezialität aus Belgien. Mit süssen Ambitionen im Gepäck kehrten beide nach Zürich zurück. Heute, drei Jahre später, nennen sie sich unbescheiden «Die Waffelkönige» und verkaufen selbst gemachte Lütticher Waffeln an vielen Märkten und Festivals. Ab heute sind sie am Street Food Festival in Zürich anzutreffen.

«Wir wussten sofort, dass wir mit den Lütticher Waffeln hierzulande eine Nische gefunden haben», sagt Philipp Tommasi. Obwohl beide keine Bäcker-Ausbildung haben, setzten sie alles auf eine Karte. Für Philipp Tommasi, einem gelernten Restaurantfachmann, war früh klar, dass er in der Gastronomie Karriere machen wollte. Gordon Tommasi bezeichnet sich hingegen als Allrounder, der im Dienstleistungsbereich tätig war. Nun folgt er ebenfalls dem Ruf der Waffel: «Zudem hatte ich Lust, mit Philipp ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen.»

Feuertaufe am Weihnachtsmarkt

Lütticher Waffeln unterscheiden sich von herkömmlichen Waffeln im Handel. Zunächst ist ihre Form nie rechteckig und wegen ihres Teigs mit Perlzucker, der bei 180 Grad karamellisiert, sind sie relativ dick und entsprechend süss. Ideal für einen Weihnachtsmarkt, dachten sich Philipp und Gordon Tommasi; ideal, um das Geschäft zu testen. Prompt ergatterten sie vor zwei Jahren eines der Häuschen am Zürcher Markt. «Die Leute rannten uns die Bude ein», sagt Gordon Tommasi.

Das freute das Paar – sorgte aber entsprechend für wenig Schlaf. «Damals haben wir den Teig noch selbst gemacht. Wir kamen also gegen Mitternacht nach Hause und standen noch für Stunden in der Küche, damit wir am Morgen wieder frische Waffeln zubereiten konnten.»
Eine Lösung musste her. «Wir waren erleichtert, als wir die Möglichkeit gefunden haben, den Teig aus Belgien zu importieren», sagt Philipp Tommasi. Beide legten sich kurz darauf einen Wagen zu, in welchem sie ihre Waffeln überall zubereiten können, und kreierten ihren Auftritt als Waffelkönige. Mit dabei sind jeweils Waffeln mit Nutella, mit Früchten oder Frozen Yogurt – ihr Angebot ist beachtlich. Daneben verkaufen die beiden auch Schoko-Pflaumen, die sie Sweet Hot Dumplings nennen.

Es sei bis heute harte Arbeit, aber die Begeisterung überwiege, sagt Gordon Tommasi. Die Waffelkönige haben seither zweimal die Woche bei der ETH-Hönggerberg einen festen Platz und reisen in der übrigen Zeit mit ihrem Wagen im ganzen Land umher. Vor zwei Wochen waren sie an der Badenfahrt vertreten und verkauften ihre Waffeln bis tief in die Nacht. Nun ist das Zürcher Street Food Festival auf der Hardturmbrache für die nächsten zweieinhalb Wochen ihr temporärer Arbeitsort.

Der Traum von Australien

Als Paar kleben die beiden wegen der Arbeit buchstäblich wie Teig aneinander. «Wir sind Tag und Nacht zusammen, da kommt es manchmal schon zu Reibereien», gesteht Philipp Tommasi. Jedoch würde keiner von ihnen sich ein anderes Leben wünschen, wie sie sagen. Den Ausgleich schaffen sie sich mit Reisen rund um die Welt. Eine davon führte sie vor zwei Jahren auf die Ruinenstadt Machu Picchu in Peru. «Nachdem wir den Aufstieg geschafft haben, war ich so glücklich, dass ich Philipp einen Heiratsantrag machte», erzählt Gordon Tommasi. Das Ja kam sofort.

Als mittlerweile verpartnerte Männer besuchten sie jüngst auch Australien, ein Land, das beide fasziniert. «In Sydney spielten wir mit dem Gedanken, ein Lokal zu eröffnen und die Waffeln anzubieten», sagt Philipp Tommasi. Die gesetzlichen Hürden wären allerdings zu hoch gewesen, um tatsächlich die nötigen Schritte einzuleiten. Daher bleibt der Plan vorerst Zukunftsmusik. Im Heimatland gibt es für die Waffelkönige genug zu tun.