Das Obergericht verschärfte damit das erstinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts vom September 2010, das nur 15 Monate bedingte Freiheitsstrafe verhängt hatte. Die Staatsanwaltschaft wollte dies jedoch nicht akzeptieren und zog den Fall weiter.

Aufgeflogen war der türkisch-schweizerische Doppelbürger im Juli 2007, als er im Lokalsender TeleZüri selbstbewusst verkündete, dass er beim Pokerspiel im Casino Baden pro Nacht 1000 Franken gewinnen würde. Eine aufmerksame Kantonspolizistin erkannte jedoch den arbeitslosen Kokainkonsumenten und gab so den Anstoss zur Strafuntersuchung.

Der Familienvater machte ab Februar 2001 angebliche Depressionen geltend und war deshalb zu 100 Prozent arbeitsunfähig. Insgesamt bezog der Angeklagte so über die Jahre rund 450'000 Franken. Dabei verschwieg er aber nicht nur seine nächtelangen Pokerrunden, sondern auch, dass er zwei Häuser in der Türkei besass.

Wer nächtelang pokern kann, kann auch arbeiten

Der zuständige Staatsanwalt führte am Montag vor Obergericht aus, dass der Angeklagte sehr wohl arbeitsfähig gewesen sei. So habe er schliesslich nächtelang durchgepokert und damit eine grosse Anstrengung an den Tag gelegt. Der Verteidiger wies die Vorwürfe zurück und forderte die Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils.

Die Oberrichter folgten jedoch grösstenteils der Staatsanwaltschaft. Es sei auszuschliessen, dass die ärztliche Diagnose auf Depressionen und sozialen Rückzug mit dem Pokerspiel des Angeklagten vereinbar sei, sagte der Vorsitzende.

Zum Schluss der Verhandlung richtete ein Oberrichter harte Worte an den Pokerspieler. So habe sich dieser aus purer Bequemlichkeit und Faulheit um eine geregelte Arbeit foutiert und so das Sozialversicherungssystem untergraben. Zudem habe er jene Leute diskreditiert, die Unterstützung wirklich nötig hätten. (sda)