Fussball
Mit dem Schuhwerk von Christian Vieri begann seine Sammelleidenschaft

Fussballschuhe sind für viele Spieler mehr als nur Teil der Ausrüstung – das zeigt ein Blick in die wohl grösste Sammlung.

Heinz Zürcher
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Mario Götzes Weltmeister-Schuh.
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«Jesus in first place» steht auf Kakas Schuhwerk.
Die Treter von Lionel Messi.
Mats Hummels erinnert, dass er seinen ersten Treffer gegen die Schweiz erzielt hat.
fussball schuhe
Aus David Beckhams erstem Jahr bei Real Madrid.
Zlatan Ibrahimovic verewigte den Namen seines Sohnes auf Leder.
Granit Xhaka zeigt Flagge für die Schweiz - und Albanien.

Mario Götzes Weltmeister-Schuh.

pd / mrs-boots.com

Fussballer lieben es, sich in Szene zu setzen. Nicht nur mit Dribblings und Jubelposen suchen sie das Scheinwerferlicht. Auch mit Tätowierungen und ausgefallenen Frisuren wollen sie sich von der Konkurrenz abheben. Schliesslich taugt ihre Ausrüstung nicht zur Individualisierung: Trikot, Hose und Stulpen sind zwangsläufig uniform und unterscheiden sich bloss durch Grösse, Spielername und Rückennummer. Eine Ausnahme bilden die Schuhe, die eigentlichen Werkzeuge der Fussballer.

Traten die Kicker früher meistens in schwarzen Einheitsstiefeln gegen den Ball, tragen sie heute bunte Massanfertigungen an ihren Füssen. Die Nahaufnahmen an der Fussball-EM in Frankreich bieten reichlich Anschauungsmaterial.

Zu den ersten Profis, die den Fussballschuh als Stilmittel und Fläche für Personalisierung und Widmungen entdeckten, gehörte David Beckham. Auf sein Modell aus dem Jahr 2003 liess er die Namen seiner Kinder sowie Spielernummer und Kürzel sticken. Der Schuh zählt zu den wertvollsten Stücken in Fabio Lagomarsinis Privatbesitz. Dem 37-jährigen Zürcher gehören über 500 von Fussballprofis getragene Schuhe. Er hat damit nach eigenen Angaben die grösste Sammlung der Welt.

«Sie sind bezahlbar»

Gepackt hatte es Lagomarsini, als er einen Funktionär seines Lieblingsclubs Inter Mailand kennen lernte. Er fragte ihn nach dem Schuhwerk seines Lieblingsspielers Christian Vieri – und erhielt es prompt. Es war der Beginn einer Leidenschaft. Bald hatte Lagomarsini die erste Vitrine voll. Es folgte eine Ausstellung in Bülach, erste Medienberichte. Heute ist seine Sammlung so gross und wertvoll, dass er seinen neuen Wohnort lieber verschweigt und nur noch Vertraute an seine ledernen Schätze heranlässt. Interviews überlässt er seiner Partnerin Priscilla Schmid. Die Höhe des Werts und Kaufpreises behält der Informatiker für sich. «Sie sind bezahlbar», sagt Priscilla Schmid auf Nachhaken und betont: «Wir sind jedenfalls keine Millionäre.»

Kahns Handschuhe

An Schuhe von Messi, Ronaldo oder Götze kommt das Paar meist über Management und wohltätige Stiftungen der Spieler heran – oder über Kontakte in der Sportwelt, die sie sich über die Jahre erarbeitet haben. «Vereinzelt haben wir Schuhe schon geschenkt bekommen. Zum Beispiel ein Paar des FCZ-Spielers Marco Schönbächler», sagt Schmid, die auch das Ausleihen zu Ausstellungszwecken organisiert.

Derzeit sind Exponate im Shoppi Tivoli in Spreitenbach, im Schaufenster des Bülacher Goldschmieds Walter Schumacher oder im Fifa-Museum in Zürich zu sehen. Letzteres zeigt – ebenfalls aus dem Fundus von Fabio Lagomarsini – die Handschuhe von Oliver Kahn. Diese hatte der ehemalige Torhüter der deutschen Nationalmannschaft im Endspiel der WM 2002 getragen: In jenem Match, in dem der sonst überragende Schlussmann einen Schuss Rivaldos abprallen liess und letztlich die Niederlage gegen Brasilien mitverschuldete.

Nebst Handschuhen besitzen Fabio Lagomarsini und Priscilla Schmid auch Tennisschuhe und -schläger von Rafael Nadal, Novak Djokovic und Roger Federer. Am beeindruckendsten ist aber ihre Fussballschuh-Sammlung. Auf ihrer Website mrs-boots.com sind die unverkäuflichen Treter der Stars aus allen Perspektiven abgebildet, angereichert mit Informationen über die jeweiligen Spieler und die Besonderheit des Schuhs.