Die Feuerwerke, die am Abend des 1. August den Himmel erleuchteten, sind längst verglüht. Doch die Spuren der Raketen lassen sich noch immer nachzeichnen – etwa in den Daten der Geräte, die die Luftqualität messen.

So weisen die Feinstaub-Daten von Ostluft, der «Luftqualitätsüberwachung der Ostschweizer Kantone und des Fürstentums Liechtenstein», den Feuerwerks-Ausschlag auf, der jeweils für den Nationalfeiertag und den Jahreswechsel typisch ist. Und so nahm auch dieses Jahr am 1. August, in der Regel so ab 22 Uhr, als es langsam eindunkelte, die Konzentration der sogenannten «PM10»-Teile rasch und heftig zu.

An der Messstelle an der Stadtzürcher Schimmelstrasse etwa, wo tagsüber die dort üblichen rund 20 Mikrogramm pro Kubikmeter registriert worden waren, wurden 91 Mikrogramm festgestellt. In Winterthur (Veltheim) und Schlieren (Güterstrasse) wurden dieselben Spitzen erreicht (siehe Grafik). An exponierten Lagen, wie in der Nähe des bei Feuerwerkern beliebten Rapperswiler Hafenbeckens, wurden 115 Mikrogramm gemessen.

Lange hielt diese Feinstaubbelastung nicht an. Spätestens am Mittag des 2. August wurden an den Messstellen wieder die üblichen Werte registriert.

Der Grenzwert des Bundes, der maximal einmal im Jahr überschritten werden darf, liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter – dies allerdings als durchschnittlicher Tageswert. In früheren Jahren, und insbesondere an Silvester, wurde dieser Tagesgrenzwert wegen des Feuerwerks überschritten. An diesem 1. August war dies nicht der Fall. So weist beispielsweise die Messstelle in Schlieren für den 1. und 2. August Tageswerte von 18 und 17 Mikrogramm aus. Die Werte blieben damit weit von der Limite entfernt; im Vergleich zu den Vortagen, als weniger als 8 Mikrogramm verzeichnet wurden, hatten sie sich dennoch verdoppelt.

Der Staub verteilt sich schneller

Im Sommer sei die Feinstaub-Grundbelastung grundsätzlich tiefer als im Winter, sagt Peter Maly, Ostluft-Geschäftsleiter und Fachbereichsleiter des Interkantonalen Labors für Umweltschutz Kanton Schaffhausen. Es bräuchte im Sommer also mehr Feuerwerk als im Winter, um den Tagesgrenzwert zu erreichen. Zudem herrschten im Sommer auch günstigere Ausbreitungsbedingungen in der Luft vor – die Feinstaub-Konzentration dünne rascher aus, im Winter bleibe der Staub eher länger in der Luft liegen.

Feinstaub (PM10), Stundenwert, Mikrogramm pro Kubikmeter

Feinstaub (PM10), Stundenwert, Mikrogramm pro Kubikmeter

Im letzten Jahresbericht hatte Ostluft ein Feuerwerk, das für die höchste Feinstaubbelastung des Jahres gesorgt hatte, noch als «lufthygienischen Sündenfall» bezeichnet. Soweit mag Maly nach dem 1. August nicht gehen: «Feuerwerke führen zwar zu einer zusätzlichen, nicht zwingend notwendigen Belastung, da sie aber nur zweimal im Jahr vorkommen, sind sie so weit verkraftbar.»

Verbesserungen erzielt

Gerade auch, weil die Luft auch grundsätzlich besser geworden sei, sagt Maly. Und er verweist etwa auf die Ozonbelastung: «In diesem Sommer erreichen wir nicht mehr derartige Spitzenwerte, wie sie noch im Jahrhundertsommer 2003 vorgekommen sind.» Unter anderem dank technischen Fortschritten und verschärften Richtlinien bei Dieselmotoren sowie geringeren Lösemittelemissionen haben die Ozonspitzenwerte deutlich abgenommen. «Und dies nicht etwa wegen der vergangenen verregneten Sommer», sagt Maly. «Bei vergleichbar heissen Sommertagen ist die Ozonkonzentration heute 10 bis 20 Mikrogramm pro Kubikmeter tiefer als vor 10 Jahren.» Der nun heisse Sommer mit seinen vielen Sonnenstunden bestätige die Modellrechnungen.

Laut dem Bundesamt für Umwelt werden in der Schweiz jährlich am Silvester, am Nationalfeiertag sowie an Seenachts- und weiteren Festen rund 450 Tonnen «pyrotechnische Sätze» abgebrannt. Dabei dürften rund 200 bis 300 Tonnen Feinstaub entstehen. Durch Dieselmotoren, Holzheizungen und chemische Reaktionen entstehen landesweit jährlich rund 19 000 Tonnen. «Somit haben Feuerwerke daran einen Anteil von maximal zwei Prozent», hält das Bundesamt fest.

Hohe Feinstaubbelastungen können gesundheitsschädigend sein. Deshalb hat der Bund auch den Tagesgrenzwert festgelegt. Für kurzfristige PM10-Spitzen von einzelnen Stunden, wie sie bei Feuerwerken vorkommen, existieren keine Grenzwerte. Gemäss Bundesamt für Umwelt können aber auch diese für Personen mit Herzkreislauf- oder mit chronischen Atemwegserkrankungen problematisch sein. «Für gesunde Personen dürfte die Belastung mit Feuerwerksaerosolen hingegen keine oder vernachlässigbare Auswirkungen auf die Gesundheit haben.»

Auch das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft weist darauf hin, dass die Rauchbildung von Feuerwerk «örtlich und zeitlich begrenzt» sei und «nachhaltige Beeinträchtigungen nicht zu erwarten» wären. «Massgebend für die gesundheitlichen Risiken durch ungenügende Luftqualität sind nach wie vor die alltäglichen Emissionen aus Auspuffen und Kaminen.»