Stau

Mit dem Elefantenbaby kam der Verkehr nach Zürich

An Spitzentagen wie am vergangenen Sonntag sind die Parkplätze nahe des Zooeingangs schnell besetzt. Eine Lösung des Verkehrsproblems ist nicht in Sicht.

An Spitzentagen wie am vergangenen Sonntag sind die Parkplätze nahe des Zooeingangs schnell besetzt. Eine Lösung des Verkehrsproblems ist nicht in Sicht.

Der Zoo unternehme zu wenig gegen den Suchverkehr im Flunternquartier – dies kritisiert der VCS.

Nach der Geburt des Elefantenkalbes war schnell klar: Am Wochenende muss der Zoo mit einem Ansturm rechnen. 8200 Eintritte zählte er alleine am Sonntag. An einem Durchschnittssonntag sind es 5500. Schon früh bildeten sich Schlangen vor den Kassen, bald waren sämtliche Parkplätze in der Nähe voll. Die Zufahrtsstrasse wurde mit einer Schranke blockiert. Wer Glück hatte, fand beim Fifa-Gebäude eine Lücke.

Der aus Dübendorf anrollende Verkehr wurde Richtung Dolder-Eisbahn geleitet. Von dort transportierte ein Shuttle die Besucher zum Zoo. Noch vor dem Mittag waren auch diese Abstellplätze und die weiter oben im Wald besetzt. So gelangten die Lenker zum Dolder Grand, wo der Zoo in Absprache mit dem Hotel an stark frequentierten Tagen maximal 100 Plätze nutzen darf – zum Stundentarif von 3 Franken. Der Preis für Parkhaus und Fussmarsch bis zum Eisbahn-Shuttle war aber manchen zu hoch.

Quartier ärgert sich

Viele Besucher fuhren deshalb am Dolder vorbei und suchten im Fluntern-Quartier nach einer Parkiermöglichkeit oder versuchten ihr Glück noch einmal beim Zoo. Der Suchverkehr und das hohe Aufkommen ärgert die Bewohner im Quartier seit längerem. Auf die Kritik angesprochen, verweist Zoodirektor Alex Rübel auf den Gestaltungsplan für den Zoo Zürich. Darauf basierend sei 2008 von der Stadt ein Verkehrskonzept erarbeitet worden. «Die Bevölkerung hatte darin ein Mitspracherecht», sagt Rübel. Zudem würden im Rahmen eines regelmässigen Controllings laufend Verbesserungen geprüft und vorgeschlagen.

Laut Erhebungen der Stadt Zürich aus dem Jahr 2008 reisen 35 Prozent der Besucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. «Im Vergleich mit anderen Freizeiteinrichtungen ist das hoch», sagt Rübel. «Gemäss unseren zoointernen Zählungen liegt der Anteil heute sogar bei etwa 50 Prozent.»

Zudem müsse man bedenken, dass die Parkplätze rund um den Zoo nicht nur von Zoobesuchern genutzt würden. Vor der Masoalahalle stehen 430 Abstellplätze zur Verfügung, zwischen Haupteingang und Tramhaltestelle 240, bei der Dreiwiesenstrasse 60 und bei der Dolder-Eisbahn 210.

An etwa 50 Tagen pro Jahr reicht dieses Angebot nicht aus. In solchen Fällen können nach der Schlittschuh-Saison weitere 200 Plätze auf der trockengelegten Fläche der Eisbahn genutzt werden. Dazu kommt es etwa sechs Mal pro Jahr. Diesen Sommer entfällt die Alternative jedoch, weil das Dolder seine Eisbahn umfassend saniert.

Mit einem Spitzentag wie am vergangenen Sonntag rechnet der Zoo etwa drei Mal pro Jahr. In solchen Fällen würden alle möglichen Massnahmen aktiviert. Dann bietet der Zoo Verkehrskadetten und Shuttlebusse auf, leitet den Verkehr um und lässt vereinzelte Strassen im Einbahnverkehr führen. Ein Flugblatt fordert dazu auf, das Auto im Parkhaus Hohe Promenade abzustellen und ab der Haltestelle Bellevue oder Kunsthaus das Tram Richtung Zoo zu besteigen. «Ausserdem avisieren wir über Via Suisse alle Lokalradios», sagt Rübel. «Sie setzen dann eine Verkehrsmeldung ab, dass alle Parkplätze beim Zoo besetzt sind.» Andere Möglichkeiten sieht der Zoodirektor derzeit nicht. «Mehr Parkplätze sind aus politischen Gründen undenkbar», sagt Rübel. «Wir setzen primär auf eine erhöhte Benutzung des öffentlichen Verkehrs.»

Dem Verkehrsclub der Schweiz reicht das nicht. Der Zoo müsse sich viel deutlicher zur ÖV-Nutzung bekennen, findet Markus Knauss, Geschäftsführer des VCS Zürich und Zürcher Gemeinderat der Grünen. «Er muss klarmachen, dass man immer mit dem ÖV anreisen soll, nicht nur an drei Tagen im Jahr.» Ein weiteres Problem sieht Knauss in der Distanz von der Tramhaltestelle zum Eingang. «Nach drei Stunden im Zoo wollen viele Eltern mit ihren Kindern nicht noch so weit laufen.» Knauss trauert der verlorenen Abstimmung für ein Zoo-Tram nach. Die Initiative «Mit dem Tram direkt zum Zoo» hätte die Schiene um 500 Meter bis zur Masoalahalle verlängert. Der Rahmenkredit von 14 Millionen Franken wurde 2008 deutlich abgelehnt. «Der Zoo hat das Projekt nicht unterstützt, weil er Parkplätze verloren hätte», sagt Knauss. Nun stehe man vor einem ungelösten Problem. Und die Stadt sehe tatenlos zu, wie das Quartier durch den Suchverkehr belastet werde.

Entlastung erhofft sich Alex Rübel mit der Zoo-Seilbahn. Einsprachen blockieren jedoch das Projekt. Markus Knauss gibt dem Vorhaben wenig Chancen. «Der Zoo sagt, dass in Dübendorf nicht viele Parkplätze nötig seien. Doch das glaubt niemand.» Er verstehe deshalb, dass die betroffenen Anwohner in Dübendorf die Seilbahn bekämpfen. «Die sagen sich zu Recht: Der Zoo muss das Verkehrsproblem bei sich oben lösen, nicht bei uns.»

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