Weil er in 23 Konkursverfahren Geld für sich selber abzweigte, muss ein ehemaliger Notar-Stellvertreter aus Zürich Oerlikon ins Gefängnis. Das Bezirksgericht Zürich hat ihn gestern zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Zudem muss er dem Kanton Zürich rund zwei Millionen Franken zurückzahlen.

Der 32-jährige Schweizer wurde wegen mehrfacher Veruntreuung, mehrfacher ungetreuer Amtsführung und mehrfacher Urkundenfälschung im Amt verurteilt. Der Beschuldigte war geständig, sodass der Prozess im abgekürzten Verfahren durchgeführt werden konnte. Von den drei Jahren Freiheitsstrafe muss er eines absitzen. Weil er bereits über fünf Monate Untersuchungshaft hinter sich hat, wird er nun also noch rund sechs Monate hinter Gittern verbringen. Strafen unter 12 Monaten können in der Regel in Halbgefangenschaft verbüsst werden – so auch in diesem Fall. Tagsüber will sich der Jungunternehmer in dieser Zeit um seine neu gegründete Beratungsfirma kümmern. Für die restlichen zwei Jahre Freiheitsstrafe und eine ebenfalls verhängte Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 80 Franken ist der Vollzug bedingt, bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Das Nachsehen hatten die Gläubiger

Als einer von drei Notar-Stellvertretern hatte er beim Notariat, Grundbuch- und Konkursamt in Zürich Oerlikon sämtliche Berechtigungen. Diese nutzte er zwischen Februar 2013 und September 2014 vor allem für seine eigenen Zwecke. In 23 Konkursverfahren wies er das Personal oder die Banken an, fiktive Guthaben an ihm bekannte Personen auszuzahlen. Diese Bekannten leiteten die Gelder dann – gegen ein kleines Entgelt – an ihn selber weiter. Der Notar zahlte auch Geld an seine damalige Beratungs-Firma, die er nur zu diesem Zweck gegründet hatte.

In einem Fall wies er die Verantwortlichen einer konkursiten Firma sogar an, ihm Bargeld zu übergeben. Damit wolle er ausstehende Zahlungen decken. Er steckte das Geld aber in die eigene Tasche. Bis zu seiner Verhaftung im September 2014 schaffte er es, insgesamt über 2 Millionen Franken abzuzweigen. Das Nachsehen hatten jeweils die Gläubiger der konkursiten Firmen, weil der Betrug die Konkursmasse schmälerte.

Verdächtige Transaktionen

Besonders grosszügig bediente er sich beim Konkurs der Music Network AG, die einst Radio105 betrieb und 2014 bankrott ging. 1,2 Millionen Franken zweigte er dort ab. Mit dem Geld kaufte er unter anderem Autos, Kleider, Schmuck und Immobilien in Wetzikon und Hamburg.

Im September 2014 klickten die Handschellen. Mitarbeitende des Notariats hatten verdächtige Transaktionen beobachtet und den Amtsvorsteher darauf aufmerksam gemacht. Der Notar-Stellvertreter kam in Untersuchungshaft und wurde per sofort freigestellt. Auf den Beschuldigten wartet nun nicht nur ein Gefängnisaufenthalt, sondern auch eine gesalzene Rechnung: Der Kanton Zürich musste den Gläubigern die Millionen ersetzen – und fordert nun Geld zurück. Der 32-Jährige wird wohl einige Jahre benötigen, um die zwei Millionen abzuzahlen. Er plant, ab sofort jeden Monat zehn Prozent seines Nettolohnes an den Staat zurückzugeben.