Zürich
Millimetergenaue Arbeit und etliche Schweissperlen: Die Bank Cler erhält ein Aquarium - Ohne Giftfische

Urs Landis liefert den Aquarium-Prototypen für die Bank-Cler-Geschäftsstelle in Zürich. Der Auftrag ist in vielerlei Hinsicht auch für den Oetwiler Aquaristik-Fachmann alles andere als alltäglich.

Lina Giusto
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Am Freitag wurde die Coop Bank zur Bank Cler umgetauft.
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Das Aquarium in der neuen Filiale der Bank Cler kommt aus Oetwil
In vielerlei Hinsicht eine Herausforderung: Dei Treppe steht noch nicht und die Wand ist abgeschrägt.
Nach der Anlieferung des Glaskastens ging es ziemlich schnell: Landis selbst hievt den Behälter aus dem Lastwagen.
Kisten mit Sand und Salz werden von Landis Helfern in die Filiale getragen.
Insgesamt fasst das Salzwasser-Aquarium 1000 Liter.
Stillstand auf der Baustelle: Die Holzbodenplatte des trapetzförmigen Aquariums passt nicht. Noch vor Ort schleift der Schreiner die Platte in die passenden Masse.
In der Filiale: Auf der Baustelle von Leiter Walter Meier aus Geroldswil sind viele Limmattaler Gesichter zu sehen.
Dann ist es soweit: Landis hievt das mehrere 100 Kilo schwere Gefäss auf den Stahlsockel.
Nach wenigen Minuten ist es dort, wo es hingehört. Nun kann das Aquarium mit seinem Innenleben ausgestattet werden.
Das Aquarium ist nun mit Wasser und einem Innenleben ausgestattet - Die Fische können kommen.

Am Freitag wurde die Coop Bank zur Bank Cler umgetauft.

Lina Giusto

1000 Liter Salzwasser fasst der Glaskasten. Im trapezförmigen Aquarium schwimmen weisse Clownfische, gelbe Hawaii-Doktoren, silberne Juwelen-Felshüpfer. Zwischen den roten Blasenanemonen krabbeln ein Riffhummer, kleine Einsiedlerkrebse, Garnelen und sogar eine Turbo-Schnecke umher.

Das farbenprächtige Innenleben des Aquariums in der gestern eröffneten Geschäftsstelle der Bank Cler (ehemals Bank Coop) an der Uraniastrasse hat Urs Landis, Aquaristik-Fachmann aus Oetwil, geliefert. Dass weder Gross- noch Giftfische im Wasser sichtbar sind, erklärt Landis folgendermassen: «Ich rate all meinen Kunden von solchen Tieren ab. Ich bin kein Fan davon.» Bis der Behälter für die Wassertiere an seinem Platz im Zürcher Kreis 1 bezugsbereit war, investierte Landis viel Planung, haufenweise Telefonate, millimetergenaue Arbeit und etliche Schweissperlen.

Erst vor zwei Wochen konnte der Oetwiler mit seinem Team von der Aqula GmbH vor Ort die Masse nehmen. Das Salzwasser-Aquarium sollte auf Wunsch des Kunden zwischen Treppe und abgeschrägter Wand seinen Platz finden. «Alleine die Ausmessung dauerte mehrere Stunden», so Landis.

Wenn es 12 Uhr schlägt

Nicht nur dafür brauchte er viel Geduld und Konzentration. Zwischen der Anlieferung und dem Einpferchen des mehreren 100 Kilo schweren Kastens dauerte es gute drei Stunden. Sobald das Aquarium vergangenen Dienstag an der Uraniastrasse angeliefert worden war, ging es zügig vorwärts. Landis selbst hievte den Glaskasten mit dem Gabelstapler aus dem Lastwagen des Dietiker Logistikunternehmens Salzdepot. Helfende Hände trugen währenddessen Kisten mit Sand, Salz und Zubehör in die Bank.

Drinnen wurden Glaswände zur Seite geschoben, Kisten aus dem Weg geräumt und der Sockel des Aquariums an seinem Standort positioniert. Zügig wurden Kabelbinder durchgeschnitten, Schweissperlen abgetropft und Hemdärmel hochgerollt. Auf der Baustelle sind einige im Limmattal bekannte Gesichter zu sehen. Dabei handelt es sich nicht um einen Zufall. Bauleiter Walter Meier aus Geroldswil bemühte sich, lokale Handwerker – wie das Bauunternehmen Brunner aus Dietikon oder das Malergeschäft Kneubühler-Nielsen – für das Projekt verpflichten zu können.

Nach der ersten Hektik wird es ruhig auf der Baustelle. Nicht nur weil es gerade 12 Uhr geschlagen hat. Sondern, wie sich zeigt, weil die Holzbodenplatte des Aquariums an jeder Kante des trapezförmigen Grundrisses Überhang hat. Die Abweichung beträgt einen Millimeter. Für den Schreiner heisst das Abschleifen, die restlichen Anwesenden müssen vorerst warten. Landis nimmt es gelassen: «Rechteckig können alle. Das ist nicht spannend.»

Der Auftrag ist für ihn in vielerlei Hinsicht einer der besonderen Art: «Die Lieferung ist äusserst terminkritisch, weil die Fertigstellung an die Geschäftsstelleneröffnung gebunden ist.» Besonders kritisch deshalb, weil Landis den offiziellen Auftrag erst kurzfristig erhalten hat. Zum anderen erfordert der Standort des Aquariums eine Spezialanfertigung – vom Glaskasten über den Boden bis hin zum Stahlsockel. Landis Aquarium im Gesamtwert von 25 000 Franken ist neben der Kinderspielecke und dem Gastrobereich ein Blickfang der Geschäftsstelle der Bank Cler. Die Einrichtung an der Uraniastrasse ist ein Pilotversuch, auf dessen Basis die Bank ein Ausstattungskonzept für die weiteren Geschäftsstellen in der Schweiz entwickeln wird.

Das Wasser fliesst

Zeit für Träume bleibt aber vorerst keine. Da nun der Boden in den Sockel eingelegt werden kann, geht es schnell. Doppelseitiges Klebeband wird aufgetragen, der Schutzstreifen abgezogen und die Schaumstoffmatte aufgelegt. Mittlerweile haben die Helfer im Hintergrund einen «roten Teppich» aus Karton ausgelegt. Der neue Holzboden soll vom schweren Gewicht des noch ungefüllten Wasserbehälters keinen Schaden nehmen.

Sechs Saugnapfhalter werden an den Glaswänden angebracht. Beim Zuschauen bleibt lediglich die Hoffnung, dass diese halten. Was sie tun. Wiederholtes Anheben, gefolgt von Seitwärtsschieben des Aquariums, wandelt Schweissperlen für kurze Zeit zu Bächen. Schliesslich ist alles an seinem Platz. Es folgen Sandboden, Steindekoration und 1000 Liter Wasser. Erst dann dürften die Fische und Korallen endlich einziehen. Das Ergebnis kann zu den Öffnungszeiten in der BankGeschäftsstelle betrachtet werden.