Es war ein höchst seltenes Bild, das sich in einem Hörsaal des Universitätsspitals Zürich am Montag bot: Regierende von Stadt und Kanton Zürich sowie die Spitzen von Universität, ETH und Universitätsspital Zürich sassen Schulter an Schulter. Mit erwartungsvollen Mienen unterzeichneten sie den revidierten Masterplan für die Entwicklung des Zürcher Hochschulquartiers – ein Projekt, für das in den nächsten 30 Jahren rund sechs Milliarden Franken einkalkuliert sind.

Die wohl anspruchsvollste Aufgabe bei diesem Projekt hat der Mann mit dem sorgfältig nach hinten gekämmten welligen Haar, der das Dokument als Letzter unterzeichnete: Peter E. Bodmer. Er soll das Projekt strategisch führen und koordinieren. Ziel ist es, primär dem Universitätsspital, aber auch der Uni und der ETH Zürich mit diversen Neubauten insgesamt 40 Prozent mehr Platz zu verschaffen. Doch wer ist der Chefstratege dieses Milliardenprojekts?

«Ein Externer ist unabhängig»

Im bestimmten Tonfall eines routinierten Managers skizzierte er am Rande der Medienkonferenz mit knappen Worten seinen Werdegang: Bodmer stammt aus der Maschinenindustrie, gehörte während Jahren der Konzernleitung des Bauunternehmens Implenia an und arbeitet nun als selbstständiger Berater. Seine Beratungsfirma hat ihren Sitz in Küsnacht und ist auch bei der Entwicklung eines Kultur- und Kongresszentrums für 3000 Personen beim Bahnhof Stettbach federführend. Zudem hat Bodmer mehrere Verwaltungsratsmandate bei Firmen aus der Baubranche inne.

Sein Pensum als Chefstratege bei der Entwicklung des Hochschulquartiers bewegt sich nach Angaben der Baudirektion zwischen 30 und 70 Prozent, je nach Projektphase. Zum Projektteam gehört als operativer, vollamtlicher Leiter auch der frühere Schaffhauser Kantonsbaumeister Roman Bächtold. Insgesamt umfasst das vollamtliche Projektteam vier Personen. Der Regierungsrat hat für die Projektorganisation 8,4 Millionen Franken bewilligt.

Bodmer betonte, er sei von seinem Werdegang her mit keiner der am Projekt Hochschulquartier-Entwicklung beteiligten Institutionen verbandelt: weder mit den Hochschulen noch mit dem Unispital oder den Regierungen von Stadt und Kanton Zürich. Diese Unabhängigkeit sei mit entscheidend dafür, dass er seine Aufgabe wahrnehmen könne. Die Zürcher Baudirektion bekräftigte dazu gestern auf Anfrage: «Ein Externer ist unabhängig und deshalb nur dem Projekt verpflichtet. Dies ist aufgrund der zahlreichen Schnittstellen und Abhängigkeiten zwischen Kanton, Stadt und den Institutionen eine wichtige Voraussetzung.»

Tatsächlich ist die Einigkeit, die die fünf grossen Player der Hochschulquartier-Entwicklung im Hörsaal des Unispitals demonstrierten, alles andere als selbstverständlich. Vor allem zwischen Stadt und Kanton Zürich gab es in den letzten Jahren Meinungsverschiedenheiten punkto Stadtentwicklung. Offensichtlich wurde dies zuletzt, als die Stadt einen provisorischen fünfstöckigen Modulbau im denkmalgeschützten Park des Unispitals nicht bewilligen wollte. Der Kanton focht den Entscheid an und bekam Recht.

Dass derlei Streitereien nun der Vergangenheit angehören oder zumindest nicht mehr bis vor Gericht ausgetragen werden, zählt nicht unwesentlich zu Bodmers Aufgaben. Allerdings machte der kantonale Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger bei der Präsentation des Masterplans fürs Hochschulquartier auch deutlich, dass wohl weiterhin um Lösungen gerungen wird: «Wir haben eine Kultur der Zusammenarbeit, aber auch der harten, sachlichen Auseinandersetzung erarbeitet», sagte Heiniger. Und Bodmer erwiderte auf eine entsprechende Journalistenfrage sinngemäss, er habe bei der Übernahme seines Mandats fürs Hochschulquartier keineswegs einen zerstrittenen Haufen vorgefunden, aber auch keine einfache Aufgabe. Um die Hochschulquartier-Entwicklung zum Ziel zu führen, brauche es Eigenschaften, wie sie auch der Gründer des ersten Zürcher Spitals, Herzog Berthold, im Mittelalter gehabt habe: Mut, visionäres Denken und Gestaltungswillen.