Zürich
Milliarden an Gebühren für Wasser und Abwasser kommen auf Zürich zu

Investitionsbedarf: Die Wasser- und Abwassergebühren im Kanton Zürich werden bis in zehn Jahren deutlich ansteigen. Davon geht das kantonale Amt für Wasser, Energie und Luft (Awel) in der neusten Ausgabe der «Zürcher Umweltpraxis» aus.

Patrick Gut
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Wie viel Schaden sanierungsbedürftige Wasserleitungen verursachen können, mussten im vergangenen März die Bewohner dieser Wohnhäuser in Zürich Wiedikon nach einem Rohrbruch spüren. KEY

Wie viel Schaden sanierungsbedürftige Wasserleitungen verursachen können, mussten im vergangenen März die Bewohner dieser Wohnhäuser in Zürich Wiedikon nach einem Rohrbruch spüren. KEY

Sie schlummern unsichtbar und kaum beachtet im Untergrund. Für Ärger und Aufregung sorgen sie in der Regel nur, wenn sie bersten: die Wasser- und Abwasserleitungen. Müsste man sie auf einen Schlag ersetzen, würde das im Kanton Zürich rund 20 Milliarden Franken kosten. Das sind rund 15 000 Franken pro Einwohner. Und darin liegt ein weiterer Grund für drohendes Ungemach.

Das (Awel) geht in der neusten Ausgabe der «Zürcher Umweltpraxis» davon aus, dass die Gebühren für Wasser und Abwasser in den nächsten zehn Jahren deutlich steigen werden. Das ist ein Ergebnis des Zahlenmaterials, das das Awel seit 2006 in 43 Gemeinden und Städten des Kantons erhebt und analysiert.

Die Fachleute gehen davon aus, dass die Wasser- und Abwasserleitungen eine Lebensdauer von 80 Jahren aufweisen. Das Wasser- und Abwasserwesen – man spricht auch von Siedlungswasserwirtschaft – wird nicht mit Steuergeldern, sondern via separate Gebühren finanziert. Diese setzen sich zumeist aus drei Teilen zusammen: Erstens fällt beim Bau einer Liegenschaft einmalig eine Anschlussgebühr an. Sie ist in zahlreichen Gemeinden des Kantons Zürich an den Versicherungswert der Bauten gekoppelt. Steigt der Versicherungswert in späteren Jahren aufgrund von Investitionen, fordert die Gemeinde auf der Differenz erneut eine Anschlussgebühr. Zweitens erheben die Gemeindewerke jährlich eine Grundgebühr und drittens die mengenabhängige Verbrauchsgebühr.

Investitionsbedarf steigt

Die Awel-Studie bescheinigt den Gemeinden, dass sich die Anlagen in einem guten Zustand befinden. «Die meisten Gemeinden investieren aktuell weniger als der jährliche Wertverzehr der Anlage beträgt», so die Studie. Das Awel bewertet dies nicht negativ. Wegen der Langlebigkeit der Anlagen bestehe heute noch gar kein Bedarf nach höheren Investitionen, hält das Amt vielmehr fest.

In den nächsten zehn bis dreissig Jahren – wenn die Leitungen in die Jahre kommen – werde sich das aber ändern. «Es wird mit deutlich steigenden Investitionen zu rechnen sein», schreibt das Awel. Dies werde sich auf die Gebühren auswirken. Dieser wird nicht allein für höhere Gebühren sorgen. Der Trend wird dadurch verstärkt, dass gleichzeitig eine Einnahmequelle weggefallen und eine andere am Versiegen ist. Seit 2004 werden die Anlagen nämlich nicht mehr aus dem Finanzausgleichstopf subventioniert. Davor erhielten finanzschwache Gemeinden bis zu 45 Prozent der Investitionskosten in Form von Subventionen vergütet. Zudem schwinden die Anschlussgebühren in Gemeinden mit sinkender Neubautätigkeit. Die Bandbreite ist allerdings gross. Während die einen Gemeinden nach wie vor boomen, sind andere mehr oder weniger gebaut.

Bezogen auf die 43 untersuchten Gemeinden prognostiziert das Awel, dass knapp die Hälfte ihre Wasser- und Abwassergebühren bis 2024 um mehr als 50 Prozent erhöhen müssen. Bei weiteren 15 Gemeinden droht ein Mehrpreis von bis zu 50 Prozent. Lediglich fünf der untersuchten Gemeinden können demnach ihre Gebühren bis 2024 stabil halten oder gar senken. Für einen 3-Personen-Haushalt in einer 4-Zimmer-Wohnung bedeutet eine 50-prozentige Gebührenerhöhung rasch einen Aufpreis von 300 Franken pro Jahr (siehe Kontext).