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Mieter riskieren eine Kündigung wegen Airbnb

2000 Airbnb-Angebote gibt es allein in der Stadt Zürich. Wer als Mieter partizipieren will, muss sich an Regeln halten. Gewinn machen, darf er nicht.

2000 Airbnb-Angebote gibt es allein in der Stadt Zürich. Wer als Mieter partizipieren will, muss sich an Regeln halten. Gewinn machen, darf er nicht.

Mieter wollen mitprofitieren vom Airbnb-Boom. Die wenigsten scheinen aber bei den Vermietern um Erlaubnis zu fragen. Die meisten Verwaltungen belassen es bei Stichproben. Die Kornhaus Verwaltungs AG schlägt nun eine härtere Gangart an.

Airbnb liegt im Trend. 2800 Angebote gab es 2016 im Kanton Zürich – 2000 davon allein in der Stadt Zürich. Die Tendenz ist steigend. Gewisse Anbieter betreiben Airbnb kommerziell. In anderen Fällen sind es Mieter, die ein einzelnes Zimmer auf Airbnb – oder ähnlichen Plattformen – ausschreiben. Was aber die Anteile an Mietern und Eigentümern angeht, kann man nur Mutmassungen anstellen. Bietet jemand gleich mehrere Liegenschaften auf Airbnb an, wird das Geschäft vermutlich kommerziell betrieben. Stimmen die Adresse des Anbieters und des Objektes überein, ist es eher nicht kommerziell. Ob ein Eigentümer oder Mieter dahintersteckt, erschliesst sich daraus nicht.

Eine Umfrage bei verschiedenen grösseren Liegenschaftenverwaltungen zeigt: Mieter fragen kaum nach, wenn sie via Airbnb ein Zimmer untervermieten wollen. Ob Wincasa, Verit, Schaeppi Grundstücke oder Allreal: Alle Verwaltungen sagen übereinstimmend, sie würden von Mietern «kaum» oder «selten» Anfragen betreffend Airbnb erhalten. Livit, mit rund 50 000 Mietobjekten im Kanton Zürich einer der grössten Anbieter, kann zu dieser Frage keine Angaben machen. Alle diese Liegenschaftenverwaltungen haben bis anhin darauf verzichtet, ihren Mieterinnen und Mietern ein Merkblatt betreffend Airbnb zuzustellen. Cornel Tanno, Leiter des Rechtsdienstes des Hauseigentümerverbandes Zürich sagt dazu: «Wir versenden kein flächendeckendes Schreiben an die Mieter, da nur ganz wenige ein Angebot auf Airbnb aufschalten.»

Eine Verwaltung prescht vor

Einen anderen Weg geht die Kornhaus Verwaltungs AG. Sie hat kürzlich sämtliche ihrer Mieterinnen und Mieter angeschrieben. In dem Brief macht die Verwaltung darauf aufmerksam, dass «jede Untervermietung vorgängig der schriftlichen Zustimmung der Vermieterschaft bedarf».

Ausserdem müssten die Konditionen der Untervermietung offengelegt werden. Sie überwache die Insertion von Wohnungen auf den entsprechenden Plattformen systematisch, schreibt die Kornhaus Verwaltungs AG weiter. Und: «Sollte festgestellt werden, dass Wohnungen anschliessend ohne Zustimmung der Vermieterschaft untervermietet werden, werden Kündigungen der Mietverhältnisse der fehlbaren Mieter konsequent durchgesetzt.»

Walter Angst, Leiter Kommunikation beim Mieterverband Zürich, kritisiert das Schreiben der Kornhaus Verwaltungs AG: «Das Schreiben schüchtert Mieter ein», sagt Angst. Die Kündigungsandrohung für den Fall, dass ein Mieter ein Zimmer auf Airbnb anbiete, sei unzulässig. Cornel Tanno sagt, man könnte das Schreiben als Drohung verstehen und: «Der Hauseigentümerverband Zürich würde sich selber um einen moderateren Ton bemühen.»
«Wir sehen unser Schreiben nicht als Kündigungsandrohung», sagt demgegenüber Christian Müller, Leiter Bewirtschaftung der Kornhaus Verwaltungs AG. Auch die Mieterschaft, das schliesse er aus verschiedenen Rückmeldungen, habe das nicht so aufgefasst. Airbnb sei in den letzten Jahren zunehmend zu einem Thema geworden, sagt Müller. Es sei der Kornhaus Verwaltungs AG lediglich darum gegangen, die Mieterinnen und Mieter auf die rechtliche Situation aufmerksam zu machen und die Haltung der Verwaltung bezüglich der Thematik aufzuzeigen. Die Kornhaus Verwaltungs AG hatte laut Müller in der Vergangenheit rund zwei Dutzend nicht abgesprochene Vermietungen via Airbnb, die zu Kündigungsandrohungen geführt hätten. Bisher wurde allerdings keine Kündigung ausgesprochen.

Keine der angefragten Verwaltungen scheint einen ähnlichen Aufwand wie die Kornhaus Verwaltungs AG zu betreiben, um Mietern auf die Schliche zu kommen, die ohne Rücksprache Zimmer auf Airbnb anbieten. Die meisten führen unregelmässige Stichproben durch. Oder aber sie reagieren auf Reklamationen von Nachbarn, die sich etwa beklagen, weil die Gäste die Hausregeln nicht einhalten würden. Die Zahl der Reklamationen scheint sich aber auf tiefem Niveau zu bewegen.

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