Umfrage
Mehr Vertrauen und bessere Noten für Leitung des Unispitals

Zwei Jahre nach einer beunruhigenden Umfrage, nach der nur 12 Prozent der Kaderärzte der Spitalleitung vertrauen, zeigt eine zweite nun, dass Kaderärzte wieder mehr Vertrauen haben – aber auch 30 Prozent sind noch nicht genug.

Thomas Schraner
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Vor zwei Jahren gaben in einer Befragung nur 12 Prozent der Kaderärzte am Unispital Zürich an, der Spitalleitung zu vertrauen. Juri Junkov/Archiv

Vor zwei Jahren gaben in einer Befragung nur 12 Prozent der Kaderärzte am Unispital Zürich an, der Spitalleitung zu vertrauen. Juri Junkov/Archiv

Das Ergebnis vor zwei Jahren war überraschend für alle und niederschmetternd für die Spitalleitung. Nur gerade 12 Prozent der Kaderärzte am Unispital Zürich (USZ) gaben in einer Befragung an, der Crew um Spitaldirektorin Rita Ziegler zu vertrauen. Ökonomie und Administration hätten einen höheren Stellenwert als Medizin und Forschung, lautete ein Kritikpunkt, der im Nachgang zur Verselbstständigung des Unispitals laut geworden war. Durchgeführt hatte die Umfrage Theo Wehner vom Zentrum für Organisations- und Arbeitswissenschaften der ETH Zürich, und zwar im Auftrag der Chefärztegesellschaft der Universitätsklinken des Kantons Zürich (CUK). Wehner schrieb damals 239 Kaderärzte an, 154 beantworteten den Fragebogen.

Besser, aber noch nicht genug

Heute, zwei Jahre später, scheint sich die Lage am Unispital beruhigt zu haben. Dies jedenfalls lassen die Ergebnisse der zweiten Befragung vermuten, die gestern Abend an der ETH veröffentlicht worden sind. Erneut war es die CUK, welche die Umfrage von Wehner durchführen liess. Von den 264 angeschriebenen Kaderärzten füllten diesmal 154 den Fragebogen (anonym) aus. Die Befragten stammen aus fünf universitären Häusern: Nebst dem USZ sind dies die Klinik Balgrist, das Kinderspital, die psychiatrische Uniklinik sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst. Der Grossteil der Antworten, etwas über 100, stammt aus dem USZ.

Laut Michael Fried, Präsident der CUK, ist das Vertrauen der Kaderärzte in die USZ-Spitalleitung von 12 auf knapp 30 Prozent gestiegen. «Das ist massiv höher», interpretiert er das Ergebnis. «Aber es ist noch nicht genug», betont er. In den andern befragten Institutionen lägen die entsprechenden Werte bei 50 Prozent. Allerdings werde ein so grosses Haus wie das USZ mit rund 8000 Mitarbeitenden solche Vertrauenswerte kaum je erreichen. Kleinere Institutionen, wo man sich im Treppenhaus persönlich begegne, seien hier deutlich im Vorteil. Vergleiche mit grossen Häusern wie dem Inselspital Bern fehlten.

Fried führt das gestiegene Vertrauen in die USZ-Spitalleitung auf eine Reihe von Gegenmassnahmen zurück, die im Nachgang zur ersten Befragung von der Spitaldirektion eingeleitet worden waren. Man habe Hierarchien abgebaut und administrative Belastungen reduziert. Medizinische Fragen hätten in der Spitalleitung wieder einen höheren Stellenwert. Gewährleistet werde dies vor allem auch dadurch, dass in der Spitalleitung unterdessen vier Ärzte sässen.

Noch stärker als bei den leitenden Ärzten sei das Vertrauen bei den Klinikdirektoren gewachsen. Das habe damit zu tun, dass die Direktoren engeren Kontakt mit der Spitalleitung pflegten als die leitenden Ärzte, sagt Fried. Zudem haben die Klinikleiter mehr Entscheidungsfreiheit erhalten.

Zufriedenere Ärzte

Der Reformprozess sei noch nicht abgeschlossen, sondern werde noch ein bis zwei Jahre weitergehen müssen, sagt Fried. «Das Ziel muss weiterhin heissen: weniger Bürokratie und weniger Administration.» Gestiegen sei nebst dem Vertrauen auch die Arbeitszufriedenheit am Unispital. Sie lag schon bei der ersten Befragung relativ hoch und sei nun nochmals gestiegen. 80 Prozent gaben an, sich gut oder sehr gut bei der Arbeit zu fühlen. Laut Fried haben auch die Spitalpatienten etwas davon, wenn es den Ärzten besser geht: «Zufriedenheit und Vertrauen haben sicher einen positiven Einfluss auf die Arbeitsqualität.» Seinen Angaben zufolge ist die Spitalleitung bereits in Kenntnis von den neuen Umfrageergebnissen gesetzt worden. Fried geht davon aus, dass die CUK -– eine vom Kanton unabhängige Organisation – in ein paar Jahren erneut eine Befragung durchführen lässt.

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