Zwar hat die Zahl der Straffälle, welche die Jugendanwaltschaft zu bearbeiten hat, um sieben Prozent zugenommen, aber die Anzahl Gewaltdelikte hat wie in den Jahren zuvor abgenommen. Ausserdem sparte die Behörde laut Jahresbericht des Regierungsrats 5,2 Millionen Franken ein.

Die Jugendanwaltschaften des Kantons Zürich registrierten 2013 einen Anstieg der polizeilich erfassten Straftaten. In 8701 Fällen eröffnete die Jugendanwaltschaft eine Untersuchung. 2012 waren es 8129 Fälle. Von 2010 bis 2012 hatte sie jeweils einen Rückgang der Untersuchungen festgestellt.

Drogen und Schwarzfahren

Ein ähnliches Bild zeichnen die Polizeirapporte, die bei der Jugendanwaltschaft eingingen: von 7985 Rapporten im Jahr 2011 stieg die Zahl um über 14 Prozent an auf 9112 Rapporte im vergangenen Jahr. Bei den erfassten Straftatbeständen handelt es sich vor allem um Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz, um Pornografie, Sachbeschädigungen und Schwarzfahren. Hauptsächlich in diesen Bereichen wuchs die Anzahl Delikte um die sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Es wurden 2013 mehr Jugendliche schuldig gesprochen oder an die Jugendgerichte überwiesen. Letztes Jahr waren es 3807, im Jahr davor 390 weniger. Unverändert werden mehr junge Männer verurteilt oder überwiesen (2953; 2012: 2731) als junge Frauen (854; 2012: 686). Auch der Ausländeranteil unter den Verurteilten bleibt stabil bei rund 30 Prozent.

Während 2013 die Drogendelikte anstiegen (um 2,9 auf 21,2 Prozent aller Straftaten), nahmen Vermögensdelikte sowie Delikte gegen Leib und Leben ab. Gab es 2012 noch einen Anteil von 38,2 Prozent von Vermögensdelikten, waren es im Berichtsjahr noch 29,8 Prozent. Im Bereich Raufhandel, Tätlichkeit und Körperverletzung waren 2012 noch 6,6 Prozent aller jugendlichen Straftäter verurteilt worden – 2013 sank die Zahl auf
3,9 Prozent.

Für Marcel Riesen-Kupper, den Leitenden Oberjugendanwalt, ein erfreuliches Zeichen. Seit dem Jahr 2009, in dem 1151 Jugendliche wegen einer Gewaltstraftat verzeigt wurden, verzeichnet er bis 2013 einen Rückgang von fast 50 Prozent. 2013 wurden 609 Jugendliche wegen einer Gewaltstraftat polizeilich erfasst. «Für diese Entwicklung gibt es viele verschiedene Gründe», sagt Riesen-Kupper. In den vergangenen Jahren sei die Gesellschaft für das Problem der Jugendgewalt sensibilisiert worden. Man habe an verschiedenen Orten Massnahmen getroffen, zum Beispiel in den Schulen, bei der Polizei und auch bei weiteren Behörden.

Die Jugendstrafbehörde kann für das vergangene Jahr auch mehrere Millionen Franken ausweisen, die sie eingespart hat. Während sich die öffentliche Diskussion um hohe Kosten für Sondersettings drehte, blieb die Behörde alles in allem 5,2 Millionen Franken unter dem Budget. Man sparte 1,7 Millionen bei Personal und internen Verrechnungen. Den grossen Anteil machen jedoch die 4,3 Millionen Franken aus, welche die Jugendanwaltschaften für die Dienstleistung Dritter eingespart haben. Es handelt sich dabei vor allem um Ausgaben für Schutzmassnahmen, die weniger zahlreich angeordnet werden mussten.

Die Anzahl Jugendlicher, welche Schutzmassnahmen beanspruchten, reduzierte sich 2013. Am 31. Dezember befanden sich 60 (2012: 88) in einer stationären und 326 (395) Jugendliche in einer ambulanten Massnahme. «Wenn ein Jugendlicher Unterstützung braucht», sagt Riesen-Kupper, «ordnen wir die geeignete Schutzmassnahme an.» Die Massnahmen reichen von persönlicher Betreuung bis zu Unterbringung in einem Heim. Die Absicht dahinter ist erzieherisch oder therapeutisch. Das umstrittene Sondersetting für den jugendlichen Straftäter «Carlos» gehört auch in diesen Bereich.