Alarmrufe von Hochschulen und Wirtschaft hatten die Neuorientierung angestossen. Es gebe zu wenig Studierende beziehungsweise zu wenig Fachkräfte in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik (NaTech). Ein Bericht des Bundesrates bestätigte diesen Mangel.

Naturwissenschaft und Technik (NaTech) auf allen Stufen der Volks- und Mittelschulen zu fördern, sei ein Ziel der laufenden Legislatur 2011-2015, sagte Bildungsdirektorin Regine Aeppli. Am wirksamsten sei diese Förderung, wenn man dort ansetze, wo «die Hebelwirkung am grössten» sei : bei der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften, bei geeigneten Lehrmitteln und beim kind- und jugendgerechten Unterricht.

Die Pädagogische Hochschule (PHZH) gibt den Naturwissenschaftsfächern in der Primarlehrerausbildung ab diesem Schuljahr einen höheren Stellenwert. Vorgesehen ist eine Aufwertung auch für Sekundarlehrkräfte. Für schon amtierende Lehrkräfte gibt es Einstiegs- und Weiterbildungsveranstaltungen.

Die Lehrmittelverlage von Zürich, Bern und Aargau überarbeiten die Lehrmittel für die Volksschule im naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Gegebenenfalls entwickeln sie neue.

In den ersten drei Jahren des Langzeitgymnasiums, die in die obligatorische Schulzeit fallen, wird die Anzahl NaTechLektionen aufgestockt. Für Biologie, Physik und Chemie müssen durchgehend insgesamt sechs Jahreslektionen, also sechs Lektionen pro Woche, zur Verfügung stehen. Für die Aufteilung gibt es keine Vorgaben, mindestens eine Jahreslektion muss aber jedes Fach erhalten.

Massnahmen auf verschiedenen Ebenen

Ein eigens aufgebautes Zentrum für Didaktik der Naturwissenschaften an der PHZH widmet sich der auf Naturwissenschaften abgestimmten Didaktik. Es befasst sich so mit Förderung und Weiterentwicklung des naturwissenschaftlichen Unterrichts an der Volksschule.

Die Universität Zürich plant ein Science Lab. Dort können Gymi-Lehrkräfte Weiterbildungen besuchen. Ganzen Schulklassen steht es zum Lernen und Forschen zur Verfügung. Spezielle Förderung gibt es für besonders begabte Jugendliche.

Und schliesslich gibt es das Projekt SWISE (Swiss Science Education). Zurzeit nehmen 61 Schulen der Deutschschweiz daran teil, 12 davon aus dem Kanton Zürich. Die SWISE-Ziele werden mit bestehenden Schulentwicklungsprojekten verknüpft und der NaTech-Unterricht auf die jeweiligen lokalen Bedürfnisse zugeschnitten.

Hinter dem Projekt stehen mehrere Pädagogische Hochschulen und Bildungsdirektionen sowie das Technorama Winterthur. Eine bis zwei Lehrkräfte pro teilnehmender Schule nehmen an Weiterbildungen und Netzwerktreffen teil. Sie wirken schulintern als Multiplikatoren für die NaTech-Förderung.

Lehrerverband zufrieden, aber...

In einer ersten Reaktion äusserte sich der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV) grundsätzlich positiv, äusserte aber auch Skepsis. Erfreulich sei, dass den NaTech-Fächern ein höherer Stellenwert zugemessen werde. Damit mache die Bildungsdirektion einen «Schritt in die richtige Richtung».

Unklar sei aber die Gewichtung der einzelnen Fächer. Zudem fehle ein Konzept für die geeignete Vorbereitung von Kindergarten- und Primarschulkindern auf die Sekundarstufe. Nötig sei auch, dass auf verschiedenen Ebenen ausreichend Ressourcen zur Verfügung stünden. und schliesslich bräuchten die Lehrkräfte für den Besuch der Weiterbildungen günstige Rahmenbedingungen.