Ein 14-Jähriger fotografiert seinen Penis und verschickt das Bild an gleichaltrige Mädchen. Er wird wegen Pornografie verurteilt. Ein 15-Jähriger veröffentlicht Gewalt- und Pornovideos im Klassenchat. Er wird wegen Gewaltdarstellungen und Pornografie verurteilt. Ein 14-Jähriger droht einem Kollegen per Sprachnachricht, ihn aufzuschlitzen, und beschimpft ihn massiv. Er wird wegen Beschimpfung und Drohung verurteilt.

Drei Fälle, die zeigen, wie sich Jugendliche im digitalen Raum strafbar machen. Die zunehmende Verbreitung von Smartphones unter Jugendlichen führt vermehrt zu Straftaten, in denen das Handy oder das Internet eine Rolle spielt. Dies schreibt die Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich in einer gestern veröffentlichten Medienmitteilung.

Manche liessen sich bei Schlägereien filmen

Im vergangenen Jahr haben demnach verbotene Gewaltdarstellungen deutlich zugenommen. So wurden im Jahr 2016 kantonsweit noch 18 Jugendliche wegen Gewaltdarstellungen verzeigt; ein Jahr später waren es 43. Im Jahr 2018 wurden bereits gegen 56 minderjährige Personen entsprechende Strafverfahren eröffnet. Verbreitet seien dabei vor allem Videos, die massive Gewaltanwendungen wie die Tötung von Menschen und Tieren zeigen. Vermehrt liessen sich Jugendliche auch bei Schlägereien filmen, um die Aufnahmen dann teilweise weiterzuleiten. Laut Gesetz sind grausame, die elementare Würde eines Menschen in schwerer Weise verletzende Gewaltdarstellungen verboten; ebenso solche, die grausame Gewalttätigkeiten gegen Tiere eindringlich darstellen.

Ein weiteres Problem sind Pornos. Wer pornografische Erzeugnisse Kindern unter 16 Jahren zugänglich macht, verstösst ebenfalls gegen das Gesetz – auch, wenn es unter Gleichaltrigen geschieht. Aus diesem Grund wurden im vergangenen Jahr 84 Jugendliche im Kanton Zürich verzeigt. Das sind drei Personen mehr als im Vorjahr. In jedem dritten Fall spielte dabei selber hergestelltes pornografisches Material eine Rolle, wie die Oberjugendanwaltschaft weiter festhält. Während es früher primär Mädchen gewesen seien, die sich nackt fotografierten, würden sich nun vermehrt auch männliche Jugendliche bei sexuellen Handlungen filmen. Wenn sie unter 16 Jahre alt sind, handelt es sich dabei um verbotene Kinderpornografie.

«Sex und Gewalt sind im Internet omnipräsent», sagt Patrik Killer, leitender Jugendanwalt in der Stadt Zürich. Oft führe Gedankenlosigkeit dazu, dass sich Jugendliche damit strafbar machen: «Man bekommt etwas, speichert es ab und leitet es weiter, ohne sich zu überlegen, ob das strafrechtlich problematisch ist.» Dabei müsse man bedenken: «Wenn ich das Nackt-Selfie weiterleite, kann das bedeuten, dass es morgen die ganze Schule gesehen hat.» Es drohen nicht nur strafrechtliche Konsequenzen. Auch psychische Schädigungen sowie persönliche Nachteile, etwa bei der Lehrstellensuche, können die Folge sein, betont die Oberjugendanwaltschaft.

Zum Teil seien die Jugenddelikte im digitalen Raum aber auch rückläufig. Für Ehrverletzungen, Drohungen und Nötigungen griffen Jugendliche im Jahr 2018 gemäss Mitteilung prozentual weniger auf Onlinekanäle zurück als im Vorjahr. Die Hintergründe sind unklar. «Es kann sein, dass die Prävention wirkt», sagt Jugendanwalt Killer.

Insgesamt seien die Zahlen zur Jugendkriminalität im digitalen Raum nicht alarmierend. Es gelte aber weiterhin, Eltern und Jugendliche zu sensibilisieren. Zumal immer wieder neue technische Möglichkeiten auftauchen.

So stellte die Zürcher Oberjugendanwaltschaft bei ihrer jährlichen Analyse fest, dass Ehrverletzungen neu vermehrt durchs Erstellen eigener Homepages mit entsprechenden Inhalten stattfanden. Ein weiteres Internet-Phänomen, das bei der Verbreitung von Pornografie unter Jugendlichen zunehmend eine Rolle spielen könnte, sind laut Killer animierte Bilder wie Sticker, Gifs und Memes. Sie wurden in der jüngsten Statistik aber noch nicht eigens erfasst.