Davon waren 20'497 Steuerbetreibungen in einem Gesamtwert von rund 89,5 Millionen Franken. Überdurchschnittlich gestiegen ist die Zahl der Betreibungen vor allem in Zürich Nord und in den Kreisen 8 und 9, sagte Bruno Crestani, Stadtammann Kreis 4, am Montag vor den Medien.

Kleine Einkommen, höhere Schulden

Allerdings müsse man dabei die Zunahme der Wohnbevölkerung berücksichtigen. Pro Kopf am meisten Betreibungen gab es im Kreis 1, wo viele Geschäfte betroffen waren, und im Kreis 4, wo besonders viele Sozialhilfeempfänger wohnen. «Leute mit kleinem Einkommen haben mehr Schulden,» sagte Crestani. Wenig überraschend ist daher, dass die Quote im Kreis 7 am niedrigsten ausfällt.

Im Stadt-Land-Vergleich zeigt sich, dass es in der Stadt mehr Betreibungen gab als im Kanton. Allerdings haben sie im Kanton um 28 Prozent stärker zugenommen als in der Stadt, wo die Anzahl um 17 Prozent gestiegen ist.

Erfreulich sei, so Crestani, dass die Ämter die Hilfe der Polizei etwas weniger häufig in Anspruch nehmen mussten bei der Zustellung von Zahlungsbefehlen oder wenn Personen zur Pfändung nicht erschienen sind.

Die Zahl der ergebnislosen Pfändungen, bei denen nichts mehr zu holen war, hat leicht zugenommen auf 25'306. Insgesamt mussten die Gläubiger rund 69,5 Millionen Franken abschreiben. Um fast 8 Prozent auf 97'210 zugenommen haben die Auskünfte zur Zahlungsfähigkeit von Personen. «Neugier allein genügt jedoch nicht, um Auskunft zu bekommen,» sagte Crestani.

Schuldenprävention in Schulen
Mehr als 15 Prozent aller Betreibungen betreffen Personen im Alter zwischen 27 und 31 Jahren. In die Schuldenfalle tappen junge Leute vor allem wenn sie von zu Hause ausziehen. «Bitter nötig» sei daher die Schuldenprävention, sagte Crestani. Seit einigen Jahren bieten die Stadtammänner daher eine Beratung für Schülerinnen und Schüler der 3. Oberstufe.

Gut bestellt ist es dagegen um die Finanzen der Stadtammann- und Betreibungsämter selbst. Sie erreichten 2010 eine Eigendeckung von rund 91,6 Prozent.

Sozialpolitischer Sprengstoff

Die Zwangsräumung einer Wohnung erfolgt nach einem rechtskräftigen richterlichen Urteil. Der Mieter werde buchstäblich auf die Strasse gestellt, sagte Christian Müller, Stadtammann Kreis 7. Nur wenn Kinder von der Ausweisung betroffen sind, kümmert sich das Sozialamt um eine Unterkunft.

In der Regel ist die Zahlungsmoral jedoch gut. Obwohl die Betreibungsquote hoch ist, bezahlen die Mieterinnen und Mieter in der Regel den Zins für die Wohnung. Denn wer nicht zahlt, muss mit der Ausweisung rechnen und findet bei der derzeitigen Wohnungsknappheit nur schwer eine bezahlbare Wohnung, wie Müller sagte.


Sozialpolitischer Sprengstoff sei, dass es Liegenschaftserwerber gebe, die weniger als ein Prozent Hypothekarzins zahlen und bei Zinserhöhungen alle Kosten auf die Mieterinnen und Mieter abwälzen. Stadtammann- und Betreibungsämter wollen daher beobachten, wie sich die Entwicklung der Mietzinse auf die Zwangsräumungen auswirkt.