Zürich
Mehr als Suche nach der guten Form

An der Designmeile öffnen sich verschiedene Firmen einem interessierten Publikum. Ein Beispiel sind hochwertige Holzschalen und Hocker von einem Produzenten aus dem Muotathal.

Alfred Borter
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Am Ende der Arbeit des Designers steht hier ein Produkt und dessen Vermarktung: Michael Krohn von Formpol mit einer Deckelschale. abr.

Am Ende der Arbeit des Designers steht hier ein Produkt und dessen Vermarktung: Michael Krohn von Formpol mit einer Deckelschale. abr.

Limmattaler Zeitung

Vor zehn Jahren ist die Idee entstanden, der interessierten Bevölkerung zu zeigen, was im Bereich Design tätige Firmen tun. Initiant der Designmeile war Michael Krohn von Formpol, einer Firma, die sich in einer ehemaligen Druckerei an der Heinrichstrasse im Industriequartier eingerichtet hat.

Krohn ist mit den letzten Vorbereitungen für den am 19. November erwarteten Besucheransturm beschäftigt. Seine Firma mit insgesamt einem halben Dutzend Beschäftigten kann dabei am Beispiel der neu geschaffenen Marke von Rickenbach zeigen, was alles dazugehört, bis aus einer Idee ein verkaufsfertiges Produkt wird. Ein Holzproduzent aus dem Muotathal, so berichtet er, habe davon wegkommen wollen, bloss für verschiedene Möbelfirmen einzelne Holzteile zu fertigen, wobei er nie sicher sein konnte, ob er einen Auftrag erhielt oder nicht. Jetzt stellt er selber hochwertige Holzschalen und Hocker aus heimischen Hölzern her. Die ersten drei Produkte kamen sehr gut an, jetzt wagt man sich an eine grössere Kollektion.

Nicht alles ist sichtbar

Für Krohn, der an der Zürcher Hochschule der Künste den Masterstudiengang in Design leitet, ist Design viel mehr als eine gestalterische Herausforderung. Mit zu berücksichtigen sind der Alltagsnutzen und die Ökonomie, denn ein Produkt muss sich auch rechnen. Zürich sei ein guter Boden für Design, findet er, er bedauert bloss, dass immer mehr Produktionsbetriebe ins Ausland abwandern.

Formpol arbeitet nicht nur für andere Firmen im Auftragsverhältnis gute Ideen aus, die Firma betreibt auch selber Forschung, etwa zur Frage, was denn Senioren am besten dient. Zunächst hat man sich der Küche angenommen, jetzt befasst man sich mit dem für Senioren am besten geeigneten Bad. Design heisst übrigens nicht in jedem Fall, dass ein Gegenstand gut aussehen muss: Manchmal befasst sich ein Designer mit Dingen, die man gar nicht sieht, etwa weil sie unter Verputz zu liegen kommen. Dann besteht die Herausforderung darin, sie so zu gestalten, dass sie einfach zu handhaben sind. Dabei arbeitet Krohns Team eng mit Technikern zusammen, um das bestmögliche Resultat zu erzielen.

Veloanhänger als Blickfang

Die Firma Tribecraft, die sich ebenfalls an der Designmeile beteiligt, vereint nach den Worten von Daniel Irànyi unter ihren 15 Mitarbeitern sowohl Designer wie auch Maschineningenieure. Sie befassen sich mit so verschiedenen Utensilien wie Spülkasten, Verpackungen von Dentalimplantaten, Abfallsystemen, Velos, Anzündballen, Sportausrüstungen oder Brennstoffzellenfahrzeuge.

Ein Blickfang in den Räumlichkeiten von Tribecraft, die als Spinoff aus der ETH Zürich hervorgegangen ist, ist ein für ein oder zwei Kinder geeigneter Veloanhänger der Marke Leggero, der gemäss den Vorgaben ihres Auftraggebers, des Vereins Brüggli, so zusammenlegbar ist, dass er, für den Vertrieb übers Internet, in einer Schachtel Platz hat.

Für Irànyi gilt, dass ein Produkt mindestens drei Eigenschaften haben muss: Es muss einfach sein, sicher und nachhaltig. Und natürlich geht es auch darum, ein Produkt so günstig herstellen zu können, dass es Käufer findet.

Marken unverwechselbar machen

In einem andern Bereich ist das 30-köpfige Team von Metadesign im Zürcher Seefeld tätig. Branding ist ihr Business, also die Entwicklung für Strategien für einen profilierten Auftritt einer Marke im Markt. Dabei arbeitet man sowohl für KMUs wie auch für Weltfirmen, und Büros in Berlin, dem Ursprung von Metadesign, in Peking, San Francisco und Düsseldorf weisen auf die weltweite Tätigkeit hin; insgesamt beschäftigt Metadesign 250 Mitarbeiter.

Die Aufgaben sind sehr weit gefächert. Werden beispielsweise zwei Firmen fusioniert, geht es darum, eine neue gemeinsame Unternehmenskultur zu entwickeln. Auch die Ablösung einer Firmengeneration durch die nächste kann der Auslöser dafür sein, dass man sich Gedanken macht über eine Marke und ihren Auftritt. Oder ein Unternehmen stellt fest, dass es an Marktanteil verliert, und möchte wissen, welche Strategie es fahren soll, um wieder auf die Gewinnstrasse zu kommen.

Designmeile soll Junge anlocken

«Am Ende sieht man zwar auch ein Resultat unserer Arbeit», erwähnen André Stauffer und Bruno Schmidt, aber mindestens die Hälfte des Aufwands bestehe aus Vorarbeiten und Prozessarbeit. Man müsse in besonderem Mass strategisch denken und kreativ an eine Aufgabe herangehen, betont Stauffer. Aber dann steht die Marke, jeder im Betrieb kennt das Ziel, und bis zum einzelnen Formular ist dafür gesorgt, dass nicht Beliebigkeit herrscht, sondern dass alles aufeinander abgestimmt ist. «Jedes Unternehmen ist etwas Besonderes», hält Schmidt fest. Dieses Besondere gelte es herauszuarbeiten.

Ein Anliegen der Designmeile ist übrigens auch, junge Leute anzulocken, die sich für eine Berufslaufbahn im Bereich Design interessieren. Es sei nämlich nicht einfach, genügend geeignete Mitarbeiter zu finden, sagt Schmidt.