Universitätsspital Zürich
Medikamentenstudien: Kantonsratskommission sieht Handlungsbedarf

In Medikamentenstudien an der dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich (USZ) sollen die Zuständigen sich mehr Zeit für Gespräche mit den Patienten nehmen.

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Universitätsspital Zürich (Themenbild).

Universitätsspital Zürich (Themenbild).

Keystone

Die ABG hat die an der Dermatologischen USZ-Klinik durchgeführten Medikamentenstudien unter die Lupe genommen. In verschiedenen Bereichen seien Verbesserungen "nötig und möglich", heisst es in dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Kommission.

Auslöser für die Abklärungen waren Medienberichte des "Tages-Anzeigers" über einen Teilnehmer. Der Krebspatient habe im Juni 2012 während einer Zulassungsstudie für ein Krebsmedikament eine halbseitige Gesichtslähmung erlitten, hiess es.

Die Kantonale Ethikkommission untersuchte den Fall. Sie stellte verschiedene Mängel fest und forderte die Spitalleitung auf, das Studienmanagement einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Es kam zu einer externen Adminstrativuntersuchung. Aufgrund der Medienberichte im Juli 2013 beschloss zudem die ABG, ihrerseits tätig zu werden. Sie setzte eine Subkommission ein.

Umgang mit Patienten vereinheitlichen

Anfang Januar verlangte die Direktion Forschung und Lehre des USZ dann von der Studienleitung, verschiedene Massnahmen zur Verbesserung der Studienführung und im Umgang mit Patienten zu ergreifen. So soll etwa der Umgang mit Patienten in schwierigen Situationen vereinheitlicht werden. Zudem ist die Supervision der Studienärzte und die Betreuung der Patienten zu verbessern.

Des weiteren sollen in der Dermatologischen Klinik die interne Kontrolle verbessert und Protokollverletzungen dokumentiert werden. Für die ABG "gehen diese Massnahmen in die richtige Richtung".

Zwischenzeitlich seien die Mängel, welche die Aufsichtskommission in ihren Gesprächen mit den beteiligten Personen und Institutionen festgestellt habe, "teilweise behoben" worden, heisst es im Bericht. Die Umsetzung der Massnahmen und deren Wirksamkeit will die ABG aber weiterhin überprüfen.

Mehr Transparenz nötig

Nötig sind nach Ansicht der ABG Verbesserungen bei der Kommunikation. Sie empfiehlt, dem Gespräch mit den Patienten "mehr Beachtung zu schenken und sich dafür mehr Zeit zu nehmen".

Ein weiterer Punkt betrifft die Schnittstelle zwischen medizinischer Forschung und Lehre, welche die ABG schon vor zwei Jahren als ungenügend bezeichnete. Mit dem Projekt Universitäre Medizin UMZH gehe die Regierung dieses Problem nun an. Noch sei aber nicht ersichtlich, wie die Verbesserung aussehen werde. Die Kommission erwartet daher bis im Sommer 2015 "entsprechende neue Konzepte".

Ferner kritisiert die Kommission, dass die Direktion Forschung und Lehre heute keinen Überblick über Zahl, Art und Stand der am USZ durchgeführten Medikamentenstudien habe. Nur mit der nötigen Transparenz und der vollständigen Übersicht sei es jedoch möglich, die Qualität zu kontrollieren und die "immer wieder gleichen Fehler" zu verhindern.

Es brauche darum eine zentrale Stelle, die über die Projekte ein Register führe. Dazu biete sich das Clinical Trials Center (CTC) des Zentrums für Klinische Forschung an. Die ABG kündigte an, ein entsprechendes Postulat einzureichen.

Ethikkommission entlasten

Angesichts der hohen Zahl laufender Studien an der Dermatologischen Klinik - derzeit sind es deren 41 - soll schliesslich die Kantonale Ethikkommission entlastet werden.

So sollen Klinische Studien jeweils zunächst vom CTC auf formale Vollständigkeit und Gesetzeskonformität geprüft werden, ehe sie der Ethikkommission zur Genehmigung vorgelegt werden. Die auf Frühling 2015 geplante Entlastungsstelle sei deshalb zu begrüssen.

Die Aufsichtskommission Bildung und Gesundheit hat unter anderem die Oberaufsicht über das USZ und die Universität Zürich. Sie kann Feststellungen machen oder Empfehlungen abgeben. Weisungsbefugnisse besitzt sie allerdings nicht. Der von ihr verabschiedete Bericht geht jetzt zur Kenntnisnahme an den Kantonsrat.