Bezirksgericht Zürich
Mauer mit FCZ-Slogan besprayt: Peinlicher Fehler verhindert Verurteilung

Am Dienstag standen zwei mutmassliche FCZ-Fans vor Gericht, welche einen Sachschaden in Höhe von 5500 Franken verursachten. Doch verurteilt wurden sie aufgrund eines fehlenden Strafantrages nicht.

Patrick Gut
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"Südkurve FCZ" sprayten die mutmasslichen FCZ-Fans auf eine Stützmauer in Zürich.

"Südkurve FCZ" sprayten die mutmasslichen FCZ-Fans auf eine Stützmauer in Zürich.

KEYSTONE

Drei junge Männer – allesamt mutmasslich FCZ-Fans – sollen in einer Nacht Ende März 2017 auf einer Stützmauer an der Zürichbergstrasse «Südkurve FCZ» aufgesprüht haben. An der Krähbühlstrasse hinterliessen sie angeblich bloss ein «F». Es handelt sich um sogenannte Tags. Man kennt Tags etwa als Signatur unter gesprühten Bildern. Häufig findet man sie – wie in diesem Fall – als territoriale Markierung.

Gestern nun hatten sich zwei der drei Männer wegen Sachbeschädigung vor dem Bezirksgericht Zürich zu verantworten. Durch die Sprayereien ist an der Stützmauer ein Sachschaden von 5500 Franken entstanden.

Die Beschuldigten erschienen in Begleitung ihrer Verteidiger. Zu ihrem Werdegang gaben die beiden Handwerker noch bereitwillig Auskunft. Als die Sprache auf die mutmassliche Tat kam, wurden sie aber einsilbig und verweigerten die Aussage. Das ist ihr gutes Recht.

Mauer gehört Privaten

Aus der Befragung war immerhin zu erfahren, dass ein Nachbar in der fraglichen Nacht die Polizei alarmiert hatte. Er hatte zwei Personen beobachtet, die aus einem Auto ausstiegen und sich in einen Hinterhof schlichen. Beide hätten Sturmhauben getragen. Die ausgerückte Polizei nahm dann vor Ort den einen Beschuldigten fest. Den anderen griff sie etwas später in einem Klublokal des FCZ auf.

Das Gericht musste sich gestern gar nicht materiell mit dem Fall auseinandersetzen. Die Staatsanwaltschaft scheiterte an einer Peinlichkeit. Es lag nämlich kein gültiger Strafantrag vor, wie die Verteidiger monierten. Sachbeschädigung ist ein Antragsdelikt. Sie wird also nicht schon von Amtes wegen verfolgt. In diesem Fall hat zwar ein Mitarbeiter des Stadtzürcher Tiefbauamtes einen Strafantrag unterzeichnet. Wie der eine Verteidiger aber ausführte, gehört die besprühte Mauer gar nicht der Stadt Zürich, sondern Privatpersonen. Und diese Eigentümer sind es, die den Strafantrag hätten unterschreiben müssen. Die Einzelrichterin stellte das Verfahren ein.

Indizien zerpflückt

Zur Sache sagte sie an der Urteilseröffnung dann doch noch: «Es wäre schwierig geworden mit einer Verurteilung.» Die Verteidiger hätten gute Arbeit geleistet. Sie hatten die Indizien der Staatsanwaltschaft in ihren Plädoyers regelrecht zerpflückt. Es begann damit, dass lediglich Polizeirapporte vorlagen. Einvernahmen von Polizisten oder vom Nachbarn fehlten dagegen gänzlich. So war es für die Verteidigerseite nicht möglich, an Befragungen dabei zu sein. Die blossen Informationen aus den Rapporten seien nicht verwertbar. «Es handelt sich bestenfalls um Hörensagen vom Hörensagen», sagte ein Verteidiger.

Die Polizeirapporte seien ungenau. So finde sich kein Hinweis, dass die Farbe der Graffitis nass war. Sie könnten also eine Stunde oder ein Jahr alt gewesen sein. Forensiker hätten die Spraydosen in einem in der Nähe gefundenen Rucksack untersucht. Bei der schwarzen Farbe liess sich eine Übereinstimmung feststellen. Allerdings handle es sich um ein Massenprodukt. Man könne nicht sagen, ob die Farbe aus ebendieser Spraydose stamme. Bei der weissen und der hellblauen Farbe ergab sich keine Übereinstimmung.

Sechs unterschiedliche DNA

Im Rucksack fand sich eine Sturmhaube mit DNA des einen Beschuldigten. Allerdings entdeckten die Forensiker in der Tasche DNA von fünf weiteren Personen. Somit lasse sich nicht beweisen, dass der Rucksack seinem Mandanten gehöre. Schliesslich hätten die Forensiker im Gutachten festgehalten: «Es gibt keine Spuren, ob sich einer der Beschuldigten am Tatort befunden hat oder nicht.» Die Beschuldigten erhalten vom Staat zusammen rund 15 000 Franken Prozessentschädigung – vorwiegend zur Deckung der Anwaltskosten.