Die Rollen im Kampf ums Zürcher Stadtpräsidium sind klar: Da die Amtsinhaberin Corine Mauch (SP), die eine komfortable Mehrheit im links-grün dominierten Zürich hinter sich hat. Dort der Herausforderer Filippo Leutenegger (FDP), der wenig Chancen hat, Mauch zu verdrängen, aber für Stimmung im Wahlkampf sorgen soll. Der dritte im Bunde ist Andreas Hauri (GLP). Er ist Aussenseiter, will aber für seine Partei möglichst viel herausholen. Im Regionaljournal Zürich-Schaffhausen stritt das Trio gestern Abend erstmals miteinander. Eine Beurteilung:

Wie hat Leutenegger seine Sache gemacht?

Er hielt links-grün vor, sich in der Hängematte des Erreichten auszuruhen, statt sich für die Zukunft zu wappnen. Er plädierte für eine Verwaltungsreform und für sieben statt neun Stadträte. Mit ihren Spitälern und Werken trage die Stadt grosse finanzielle Klumpenrisiken. Die rot-grüne Velo-gegen-Auto-Politik sei für das Gewerbe tödlich. Leutenegger gab sich recht angriffig und adressierte mit seiner Kritik das «rot-grüne Lager». So vermied er es, Mauch frontal anzugreifen. Leutenegger verhielt sich so, wie es zu erwarten war. Er muss etwas auf die Pauke hauen, um als glaubwürdiger Angreifer zu erscheinen. Zugleich darf er aber das Verhältnis zur Stadtratskollegin im Hinblick auf die weitere Zusammenarbeit nicht allzu sehr belasten.

Wie spielte Mauch ihre Rolle als Amtsinhaberin?

Sie wirkte zwar eloquent und kompetent, hielt sich aber zurück und konterte die Angriffe auf das links-grüne Lager nicht. Sie widersprach Leutenegger auch nicht, als dieser die finanziellen Risiken der Stadt beschwor. Kein Wort verlor sie auch über die Stadtzürcher Spitalpolitik, die Leutenegger ansprach. Gut parierte sie aber einen Angriff von Hauri: Als dieser digitale Parkuhren für Zürich forderte, erinnerte sie ihn daran, dass die Stadt genau dies im kommenden Jahr einführen will. Hie und da gelang es ihr auch, sich als Stadtpräsidentin für alle zu präsentieren. Als Hauri eine umfassende Digitalisierungsoffensive forderte, entgegnete Mauch: «Es gibt viele Leute in Zürich, die nicht online sind, aber auch sie müssen wir mitnehmen.»

Was machte Hauri aus seiner Aussenseiterrolle?

Der GLP-Kandidat ist in der komfortablen Situation, keine Rücksicht auf Amtskollegen nehmen zu müssen. Würde er sich eher auf die links-grüne Seite schlagen oder auf die bürgerliche? Hauri blieb vage. Sein dominantes Thema war die Digitalisierung. Die Stadt müsste da viel mehr machen, findet er. Damit vermochte er aber kein griffiges Thema zu setzen, sondern wirkte technokratisch.

Wer bekannte am meisten Farbe?

Eindeutig Leutenegger. Dass die Stadtpolizei die Nationalitäten von Kriminellen nicht mehr nennt, findet er falsch. Mauch gab keine klare Auskunft dazu. Hauri ebenfalls nicht. Als es darum ging, die geplante Beschaffung von Kampfflugzeugen zu bewerten, lavierten Mauch und Hauri. Sie seien zu weit weg, um dies zu beurteilen. Leutenegger rang sich zu einer positiven Bewertung durch.

Wer geht als Sieger vom Platz?

Nach der 20-minütigen Diskussion lässt sich diese Frage nicht beantworten. Leutenegger steckte aber das Feld am klarsten ab und zeigte, wo und wie er angreifen will. Sein Problem: Die Angriffe wirken etwas gesucht und floskelhaft. Mauch könnte noch deutlich zulegen beim Kontern. Ein bisschen Emotion zeigen würde auch nicht schaden. Hauri hinterlässt den Eindruck, kein anderes Thema als die Digitalisierung zu haben. Damit wirkt er etwas blutleer.