Zürich
Maturanden meinen: In der Informatik müssen die Gymis noch zulegen

Am häufigsten wählen die Maturanden ein Studium in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Ausgerechnet in der Informatik fühlen sie sich schlecht vorbereitet.

Heinz Zürcher
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Zürcher Maturanden bemängeln den Informatikunterricht. (Symbolbild)

Zürcher Maturanden bemängeln den Informatikunterricht. (Symbolbild)

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Grundsätzlich fühlen sich die Maturandinnen und Maturanden im Kanton Zürich gut auf ein Studium vorbereitet. Das zeigen zwei neue Berichte der Zürcher Bildungsdirektion. 92 Prozent der Absolventinnen und Absolventen beginnen innerhalb von zwei Jahren ein Studium, die grosse Mehrheit von 86 Prozent an einer Zürcher Hochschule. Am häufigsten wählen die Maturandinnen und Maturanden einen Studiengang im Mint-Bereich, also in den Fachrichtungen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. 35 Prozent entscheiden sich dafür.

Die Mint-Kompetenzen zu fördern, wird seitens Wirtschaft seit langem gewünscht. «Es ist schon möglich, dass sich diese Bestrebungen mittlerweile auf die Studienwahl ausgewirkt haben», sagt Sybille Bayard, stellvertretende Leiterin Bildungsplanung. «Es kann aber auch damit zu tun haben, dass wir im Kanton Zürich mit der ETH und anderen Fachhochschulen ein grosses Angebot auf diesem Gebiet haben.»

Gerade im Bereich Informatik fühlen sich die Maturanden aber ungenügend auf ihr Studium vorbereitet. Am kritisch­sten bewerten sie den Ausbildungsstand in Information and Communication Technology (ICT) – und zwar mit einer 2,9 auf einer Skala von 1 bis 6. Das zeigt der Bericht zu den Übergängen an die Hochschulen.

Gemäss Bayard hat das auch mit dem aktuellen Stellenwert des Fachs zu tun. Nicht in allen Kantonsschulen wird es gleichermassen angeboten. Doch das wird sich ändern. Die Eidgenössische Erziehungsdirektorenkonferenz hat beschlossen, dass Informatik an allen Obergymnasien obligatorisch werden soll. Diese Vorgabe und weitere Neuerungen im Lehrplan will die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) in den nächsten Jahren im Reformpaket «Gymnasium 2022» umsetzen.

Gut stufen die Maturandinnen und Maturanden ihren Ausbildungsstand im Fach Deutsch ein (5,1). Kritischer sehen sie ihn dagegen im Fach Wirtschaft und Recht (3,1). Berücksichtigt wurden hier allerdings nur Schülerinnen und Schüler, die das Fach nicht als Schwerpunkt gewählt hatten.

Eltern und Alter haben grossen Einfluss

Zu verbessern ist nach Ansicht der Maturandinnen und Maturanden auch die Laufbahnberatung während des Gymnasiums. Sowohl an den Kantonsschulen als auch an den Hochschulen werden gemäss Bayard Anstrengungen unternommen, Schüler und Studierende besser zu begleiten. Denn rund ein Fünftel wechselt nach Studienbeginn das Studienfach. Sechs Prozent brechen das Studium ganz ab. Welche Kantonsschule sie besucht haben, spielt laut den Berichten keine Rolle.

Grossen Einfluss haben gemäss Bayard die Eltern und das Alter. «Ältere Studierende wechseln eher vorzeitig in die Erwerbstätigkeit – und auch die Familiengründung kann ein Faktor sein.» Mitentscheidend sei aber auch die finanzielle Unterstützung des Elternhauses. Wer sich mit mehreren Nebenjobs über Wasser halten muss, bricht das Studium eher wieder ab.