Schulabschluss
Matura-Streich artet aus und endet in einem Chaos

An der Kantonsschule Zürich Nord haben offenbar Maturanden ein Chaos und Sachschaden angerichtet. Der Schulbetrieb fiel für den gesamten Dienstag aus. 60 Jugendliche trafen sich am Nachmittag mit dem Rektor zu einer Aussprache.

Thomas Schraner
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Kantonsschule Zürich Nord in Oerlikon

Kantonsschule Zürich Nord in Oerlikon

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Unter Gymnasiallehrern sind die Matura-Streiche berüchtigt. Die traditionellen Events von Abschlussklassen am Ende der Gymnasialzeit drohen immer häufiger aus dem Ruder zu laufen. An der Kantonsschule Zürich Nord ist nun ein Streich in der Nacht auf den Dienstag offensichtlich ausgeartet. «So etwas haben wir noch nie erlebt», sagt Rektor Felix Angst.

Die Schulzimmer und Gänge waren mit Mobiliar verbarrikadiert. Überall lag Papier herum und die Böden waren mit obszönen Zeichnungen verschmiert. Ähnlich, wenn auch weniger krass, hat es laut Angst nach dem letztjährigen Streich ausgesehen. Neu sei es diesmal aber auch zu Sachschäden gekommen. Im Polizeiprotokoll ist von herabgerissenen Deckenplatten, kaputtem Mobiliar und beschädigten Wänden die Rede. Marco Bisa, Sprecher der Stadtpolizei, beziffert den Schaden auf mehrere 1000 Franken.

1850 Schüler hatten frei

Weil der Schulleitung in diesem Chaos ein normaler Unterricht unmöglich schien, informierte sie per Lautsprecher die 1850 Schülerinnen und Schüler, dass die Schule den ganzen Tag ausfalle. Ausserdem reichte sie Anzeige gegen unbekannt ein. Auch zur Abschreckung, wie Angst sagt: «Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir das nicht tolerieren.» Wenige Stunden später war das Chaos aufgeräumt, sodass schon gestern feststand, dass der Schulbetrieb heute Mittwoch wieder wie gewohnt stattfindet. Ein Teil der 180 Maturanden in Abschlussklassen wollte sich am frühen Nachmittag mit dem Rektor zu einer Aussprache treffen. Sie gehören zum Kreis der möglichen Täter. Rund 60 Jugendliche im Alter zwischen 18 und 20 seien um 13 Uhr erschienen, berichtet Angst.

Einige hätten die Schäden bedauert und sich davon distanziert, andere hätten erklärt, die finanziellen Folgen tragen zu wollen. Betont worden sei, der Streich sei schlecht organisiert gewesen und deshalb aus dem Ruder gelaufen. Ob auch die Haupttäter unter den Versammelten waren, weiss Angst nicht. Er hofft auf Ergebnisse der Ermittlungen. Allerdings bestehe die Gefahr, dass sich die Rädelsführer in der Masse verstecken könnten.

Was bringt angeblich reife Mittelschüler dazu, am Ende ihrer Gymnasialzeit derart auszurasten? «Ich weiss es nicht», beteuert Angst, der jahrelange Erfahrungen mit solchen Jugendlichen hat. Gedankenlosigkeit, Gruppendynamik, Frustration oder Alkohol könnten mit im Spiel gewesen sein, mutmasst er.

Angst rechnete nicht mit einem Matura-Streich. Ganz einfach deswegen nicht, weil bereits im Mai eine solche Aktion stattgefunden habe. Wie üblich hätten die Schüler versucht, den Unterrichtsbeginn irgendwie zu verzögern. «Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger», bilanziert Angst. «Aber was jetzt stattgefunden hat, ist jenseits.» Maturastreiche sind für ihn in Ordnung, solange sie auch Witz haben. «Das aber war nicht witzig.» Er will die Sache mit den Schülern pädagogisch aufarbeiten. Ob er nächstes Jahr den Matura-Streich vorsorglich verbietet, sei noch offen.

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