Eishockeyhalle
Matchpuck für die Hockeyaner: Chancen für Stadion in Altstetten stehen gut

Weshalb das neue ZSC-Heim besser ankommt als ein neues Fussballstadion.

Philipp Lenherr
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Der Entscheid des Zürcher Gemeinderates für ein neues Stadion sorgte bei den Junioren der ZSC Lions am Mittwoch für Jubel vor dem Rathaus. key

Der Entscheid des Zürcher Gemeinderates für ein neues Stadion sorgte bei den Junioren der ZSC Lions am Mittwoch für Jubel vor dem Rathaus. key

KEYSTONE

Die Pläne der ZSC Lions für ein neues Stadion haben die Unterstützung der meisten Stadtzürcher Parteien. Die Chancen stehen gut, dass auch die Stimmbürger die Beiträge der Stadt an das Stadion gutheissen werden. Im Vergleich zum abgelehnten Fussballstadion schneidet die Hockeyarena in einigen Punkten besser ab.

Nachdem der Gemeinderat der Stadt Zürich am Mittwochabend mit grosser Mehrheit Ja gesagt hat zu einem neuen Hockeystadion für die ZSC Lions, muss das Projekt noch die Hürde der Volksabstimmung meistern. Diese wird am 25. September stattfinden.

Eine vergleichbare Ausgangslage hatte 2013 das neue Fussballstadion für den FC Zürich und den Grasshopper Club. Die Stadtzürcher Stimmberechtigten entschieden jedoch anders als das Parlament und versenkten das Projekt an der Urne mit 50,8 Prozent Nein-Stimmen. Dass dem ZSC das selbe Schicksal widerfahren wird, kann zwar nicht ausgeschlossen werden. Mit Blick auf die Unterschiede zwischen den Projekten ist ein Scheitern jedoch weniger wahrscheinlich.

Eishockey hat im Gegensatz zu Fussball in der breiten Bevölkerung kein Imageproblem. Dass gewaltbereite Chaoten in- und ausserhalb der Fussballstadien immer wieder für wüste Szenen sorgen, dürfte dem über 200 Millionen Franken teuren Fussballstadion damals sicher die eine oder andere Nein-Stimme beschert haben. Fussballanhänger mögen das zwar differenzierter sehen und als unfaire Bestrafung der grossen Mehrheit der anständigen Fans empfinden, an den Machtverhältnissen an der Urne ändert das aber nichts. Ein grosser Teil der Stimmbevölkerung ist weder Fussball- noch Hockeyfan. Um ein teures Stadionprojekt an der Urne durchzubringen, braucht es auch deren Wohlwollen.

Private als Vorteil

Der ZSC kann mit diesem Wohlwollen rechnen: Obwohl der Zuschauerschnitt beim ZSC höher liegt als beim FCZ oder bei GC, kommt es im Umfeld der Hockeyspiele kaum zu nennenswerten Ausschreitungen. Auch im Vergleich der beiden Stadionprojekte fallen Unterschiede auf, welche die Chancen auf ein Ja in der Volksabstimmung erhöhen. Im Gegensatz zum Fussballstadion würde das Hockeystadion privat gebaut und betrieben. Während beim Fussballstadion der Eindruck entstand, die beiden Klubs würden ein weitgehend mit Steuergeldern finanziertes Stadion geradezu als ihr gutes Recht betrachten und einfordern, sind die Initiatoren der
«Theatre of Dreams» genannten Eishockeyarena wesentlich geschickter vorgegangen: Sie legten erst mal selber ordentlich Geld auf den Tisch, bevor sie bei der Stadt die hohle Hand machten. 36 Millionen Franken des 169 Millionen Franken Baus werden privat finanziert. Die 120 Millionen Franken von der Stadt gibt es nicht a fonds perdu, sondern in Form eines zu Selbstkosten verzinsten, rückzahlbaren Darlehens. Weitere Beiträge kommen aus nationalen und kantonalen Fördertöpfen.

Der Betriebsbeitrag, den die Eishockeyarena von der Stadt erhalten soll, beträgt 2 Millionen Franken jährlich. Für das Fussballstadion hätte die Stadt eine Defizitgarantie von bis zu 8,3 Millionen Franken jährlich abgegeben.

Unter dem Strich würde die Stadt Zürich für einen vertretbaren Beitrag ein modernes Hockeystadion erhalten. Damit verbundene Risiken sind überschaubar. Geht der Businessplan des Stadions nicht auf, könnte eine Erhöhung des Betriebsbeitrags zum Thema werden. Im Falle eines aus heutiger Sicht wenig wahrscheinlichen Konkurses würde die Stadt Eigentümerin der Eishockeyarena.

Die Grundsatzdiskussion, ob es überhaupt Aufgabe einer Stadt ist, die millionenteure Infrastruktur für Spitzensport wesentlich mitzufinanzieren, wird auch vor der Abstimmung über das Hockeystadion wieder aufflammen. Die Argumente dagegen sind bekannt: Spitzensport ist ein Geschäft, erfolgreiche Klubs haben reiche Gönner im Rücken und die Top-Spieler verdienen gutes Geld mit ihrem Job. Also sollen die Klubs auch ihre Stadien selber bezahlen.

Gleichzeitig engagieren sich Spitzenklubs aber auch stark in der Nachwuchsförderung und sind Aushängeschilder ihrer Heimatstadt. Davon profitiert die Allgemeinheit. Eine messerscharfe Abgrenzung zwischen dem quasi kommerziellen Spitzensport und den Tätigkeiten mit gesellschaftlichem Nutzen ist kaum möglich. Klar brauchen die Junioren kein Stadion der Extraklasse, um zu trainieren und ihre Matches auszutragen. Aber ein Club braucht die nötige Infrastruktur, um erfolgreich zu sein, und damit viele Kinder und Jugendliche für den Sport begeistern zu können. In angemessener Höhe und im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten kann sich eine Stadt deshalb durchaus am Bau von Stadien beteiligen.