Wirtschaft

Massnahmen von Exportunternehmen: Nicht überall wird mehr gearbeitet

Mit längeren Arbeitszeiten versuchen derzeit viele exportorientierte Industriebetriebe ihre Kosten zu senken (Symbolbild)

Mit längeren Arbeitszeiten versuchen derzeit viele exportorientierte Industriebetriebe ihre Kosten zu senken (Symbolbild)

Pfäffikon: Mit Huber + Suhner hat gestern ein weiteres Unternehmen bekannt gegeben, dass seine Angestellten wegen des starken Frankens länger arbeiten müssen.

Die Aufhebung des Mindestkurses des Schweizer Frankens zum Euro durch die Nationalbank Mitte Januar hat Exportbetriebe in helle Aufregung versetzt. Ihre Produkte haben sich – aus Sicht der ausländischen Kunden – auf einen Schlag um rund 20 Prozent verteuert.

Die betroffenen Firmen müssen sich also schnell etwas einfallen lassen, andernfalls verlieren sie Aufträge von Kunden, die auf günstigere Lieferanten ausweichen. Rund sechs Wochen nach dem Währungsschock haben bereits etliche Firmen Massnahmen ergriffen. Die einen lassen ihre Mitarbeiter länger, die anderen kürzer arbeiten.

Zum Instrument der Arbeitszeiterhöhung gegriffen hat unter anderem der Verbindungstechnik-Hersteller Huber+Suhner mit Sitz in Pfäffikon ZH und Herisau. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, wird die Wochenarbeitszeit ab dem 1. März für voraussichtlich 12 Monate von 40 auf 43 Stunden erhöht – bei gleichbleibendem Lohn.

Der geltende Gesamtarbeitsvertrag der Branche lässt einen solchen Schritt zu. Auch die Arbeitnehmervertretung hat der Massnahme laut dem Unternehmen zugestimmt. Negative Folgen wird der Schritt aber für die temporär Angestellten des Unternehmens haben: Ihre Zahl soll reduziert werden, kündigt Huber+Suhner an.

Lohnkürzung für Kader

Auch die Manager und Kaderangestellten von Huber+Suhner sollen ihren Beitrag leisten: Statt eine Erhöhung der Arbeitszeit gibt es eine Lohnkürzung, für die Konzernleitung 10 Prozent, für Kadermitglieder 5 Prozent. Auch die Verwaltungsräte verzichten auf 10 Prozent ihrer Vergütung.

In den vergangenen Tagen und Wochen haben bereits etliche, vor allem grössere Unternehmen ähnliche Massnahmen bekannt gegeben wie Huber+Suhner. Bei Bucher Municipal in Niederweningen müssen die Angestellten ab März statt der bisherigen 40 Stunden pro Woche 43,75 Stunden arbeiten, ohne eine Lohnerhöhung dafür zu erhalten.

«Das ist die Massnahme, die den Mitarbeitern am wenigsten wehtut», rechtfertigt CEO Philip Mosimann den Schritt. Eine andere Variante wäre gewesen, den Lohn um zehn Prozent zu senken.

Einen Vorteil in der aktuellen Situation haben Industriebetriebe, die nicht nur in der Schweiz, sondern auch direkt in den Ländern wo ihre Kunden sind, produzieren. Für solche Unternehmen fallen die Währungsschwankungen insgesamt etwas weniger ins Gewicht. Der in Winterthur ansässige Textilmaschinenhersteller Rieter beispielsweise hat seine Abhängigkeit vom Schweizer Franken durch den Ausbau von Produktionskapazitäten im Ausland reduziert. Während 2011 noch 53 Prozent des Umsatzes in Schweizer Franken verrechnet wurden, waren es 2014 noch 40 Prozent.

Mehr Kurzarbeit

Nicht auf längere, sondern auf kürzere Arbeitszeiten scheinen zahlreiche kleinere produzierende Betriebe zu setzen: Bereits bis Ende Januar – also relativ kurz nach dem Fall des Mindestkurses – haben die ersten neun Unternehmen im Kanton Zürich wegen der Frankenstärke Voranmeldungen für Kurzarbeit eingereicht.

340 Mitarbeitende wären davon betroffen. Diesen Monat dürften es deutlich mehr werden, wie Can Arikan vom Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) des Kantons Zürich auf Anfrage sagt: Von 63 bisher im Februar eingereichten Gesuchen werden 41 mit der Frankenstärke begründet.

«Bis auf ganz wenige Ausnahmen handelt es sich dabei um kleinere produzierende Betriebe», sagt Arikan. Von der Kurzarbeit infolge Frankenstärke könnten bis zu 659 Mitarbeitende betroffen sein. Ob es aber so weit kommt, wird man erst in zwei bis drei Monaten wissen: Dann nämlich, wenn die Unternehmen die entsprechenden Abrechnungen einreichen müssen.

Für den Ausfall der Arbeitszeit werden die Betroffenen aus der Arbeitslosenkasse entschädigt. Die Entschädigung für Kurzarbeit beträgt dabei 80 Prozent des Verdienstausfalls. Wer also beispielsweise 80 statt 100 Prozent arbeitet, erhält so insgesamt 96 Prozent seines üblichen Lohns ausbezahlt.

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