Dietikon
«Massive Defizite»: Schulhaus-Wolfsmatt soll für 70 Millionen saniert und ausgebaut werden

Die Instandsetzung der Wolfsmatt-Schule soll 70 Millionen Franken kosten. Doch bereits der Zwei-Millionen-Kredit für das Vorprojekt und den Wettbewerb werden kritisch beäugt.

Leo Eiholzer
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Die Schule Wolfsmatt muss bald saniert werden. Wenn es nach dem Stadtrat geht, werden bald das Vorprojekt und der Projektwettbewerb lanciert.

Die Schule Wolfsmatt muss bald saniert werden. Wenn es nach dem Stadtrat geht, werden bald das Vorprojekt und der Projektwettbewerb lanciert.

Matthias Scharrer

Seit 55 Jahren gehen Schulkinder in die Dietiker Wolfsmatt. Jetzt ist das Schulhaus marode und sanierungsbedürftig. Deshalb beantragt der Stadtrat dem Parlament einen Kredit in der Höhe von 1,97 Millionen Franken. Damit sollen für 750'000 Franken ein Wettbewerb ausgeschrieben und mit 1,22 Millionen Franken das Vorprojekt finanziert werden.

Neben der Sanierung des Schulhauses, das laut Stadtrat in diversen Bereichen wie etwa der Erdbebensicherheit «massive Defizite» aufweise, soll das Projekt auch einen Ausbau beinhalten.

Dies, weil der Schulraum in Dietikon ohnehin knapp wird. Bis 2026 geht der Stadtrat von einem Zusatzbedarf von 39 Klassenzimmern für die ganze Stadt aus. Im Schulhaus-Wolfsmatt, wo heute 24 Primarklassen unterrichtet werden, sollen künftig zwölf mehr, also 36 Klassen, Platz haben.

Dazu sollen Gruppenräume, zusätzliche Horträume, eine Turnhalle und ein Mehrzweckraum gebaut werden. Damit würde sich die Nutzungsfläche gegenüber heute etwa verdoppeln. Kosten soll das gesamte Bauprojekt laut einer Kostenschätzung des Stadtrates insgesamt zwischen 70 und 76 Millionen Franken.

Droht Widerstand im Parlament?

Als Erstes müsste der Gemeinderat aber den 1,97-Millionen-Kredit für den Wettbewerb und das Vorprojekt bewilligen Dabei hat das Parlament seiner letzten Sitzung gerade eine Motion von SVP-Gemeinderat Jörg Dätwyler angenommen, die solch hohe Vorkredite bei Bauprojekten verhindern und bereits vor dem Ausschreiben eines Wettbewerbs eine Kostenobergrenze festlegen wollte. Diese ist aber noch nicht umgesetzt. Ausgerechnet kurz nach Annahme der Motion kommt jetzt dieser Zwei-Millionen-Kredit ohne Kostendach in den Gemeinderat.

Motionär Dätwyler ist darüber nicht erfreut. «Das ist eine sehr hohe Summe. Ich habe mit meiner Motion genau auf solche Projekte abgezielt», sagt er. «Wenn man einem Kredit zustimmt, dient das Geld, dass man bei Abbruch des Projektes in den Sand gesetzt hätte, immer als Argument, allen weiteren Ausgaben zuzustimmen.» Dätwyler hätte es begrüsst, wenn man mit dem Kreditantrag noch gewartet hätte, bis seine Motion umgesetzt gewesen wäre.

Er sagt: «Mit dem geplanten Baustart 2023 hätte man ja noch genügend Zeit gehabt.» Der Stadtrat hält sein zweistufiges Vorgehen dagegen für zielführend. In seinem Antrag schreibt er, damit könne die notwendige Sicherheit erarbeitet werden, um dem Volk das vollständige Bauprojekt zu unterbreiten.

Diese Volksabstimmung soll nach Plan der Exekutive im Sommer 2020 erfolgen. Vollständig in Betrieb genommen werden könnte die Schule dann im Schuljahr 2027/2028.

Sanierung «unumgänglich»

In seinem Antrag schreibt der Stadtrat, eine «umfassende Erneuerung» der Schule sei «unumgänglich». Die in Auftrag gegebene Studie habe «massive Defizite» in diversen Bereichen aufgezeigt. So etwa beim Brandschutz, bei der Erdbebensicherheit, den Schadstoffen und der Behindertengerechtigkeit. Das mache erhebliche Veränderungen notwendig.

Sie sollten aber etappiert erfolgen, damit der Schulbetrieb währenddessen weiter laufen kann. Die Schule solle deshalb zuerst erweitert werden, bevor der Rest saniert wird. Noch nicht vom Tisch ist die Lösung eines Ersatzneubaus. Zunächst muss aber der definitive Entscheid der kantonalen Denkmalpflege abgewartet werden, der in diesem Frühjahr erwartet wird.

An Interessenten für den Wettbewerb dürfte es kaum mangeln. Gemäss aktuellem Stand dürfte das Planerhonorar zwischen 13 und 15 Millionen Franken betragen.

Vorbereitung auf den Umbau

In Vorbereitung auf die bevorstehende Sanierung der Schule Wolfsmatt wurden im Mai 2016 zusätzliche Schulräume in Mietprovisorien auf dem Gelände der Schule gebaut. Der Gemeinderat bewilligte dafür 1,261 Millionen Franken. Die Bauabrechnung, die der Stadtrat dem Gemeinderat zur Genehmigung vorlegt, zeigt: Das Erstellen der Provisorien war günstiger als erwartet. 80'183 Franken und 83 Rappen gab die Stadt weniger aus, als der Kredit vorsah. Das ist eine Verminderung um 6,4 Prozent, was innerhalb der Voranschlagsungenauigkeit liegt.

Grund für die tieferen Kosten ist vor allem, dass man bei der Einrichtung der Schulräume viel Geld gespart hat. 146 369 Franken weniger wurden für den Posten «Mobiliar und Einrichtung» ausgegeben, als geplant war. In seinem Antrag schreibt der Stadtrat, dass Einsparungen bei Einbauschränken und Fensterarbeitsplätzen vorgenommen worden seien. Ausserdem hat man auf die Vorhänge verzichtet. Mehrkosten von 43'981 Franken gab es beim Honorar. Man ging davon aus, dass der Hauptanteil der Planung vom Lieferanten der Provisorien geleistet wird. Diese Annahme erwies sich als falsch. (LEI)