Zürich

Maschinen führen am Bellevue Ballett auf

Innert weniger Stunden werden am Zürcher Bellevue 1,5 Kilometer Gleis herausgerissen.

Der Gleishobel, ein grosser Bagger, drückt seine tonnenschwere Schaufel auf den Asphalt. Und scheinbar mühelos hebt er ein Stück Tramgleis an. Mit ein paar Ruckelbewegungen biegt sich das Gleis etwas, dann krümmt es sich immer stärker. Schiene und Fundament ächzen, quietschen. Ein Knall. Etwas Staub. Und der Gleishobel hat ein dreieinhalb Meter langes Gleis abgebrochen. Zügig kommt der Gleishobel voran. Ein ums andere Mal quietscht, ächzt und knallt es.

Die Gleisbaustelle am Bellevue Zürich

Die Gleisbaustelle am Bellevue Zürich

Am Bellevue, an dem seit April gebaut wird, hat mit dem Beginn der langen Zürcher Schulferien – und damit zum Start von eher verkehrsarmen fünf Wochen – die grosse, intensive Bauphase eingesetzt: Freitagnacht, um 23 Uhr, ging der sogenannte Gleisschlag los.

Rund 1,5 Kilometer Gleise haben die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) am und um den Platz verlegt. Diese Schienen, von 1900 Tramfahrten am Tag abgenutzt, gilt es nun zu ersetzen. Gleichzeitig werden auch die Haltestellen behindertengerecht umgebaut. Zudem erhalten zwei Haltestellen am Bellevue (Theater- und Rämistrasse), an denen die Wartendenden bislang bei heftigem Regen kaum geschützt waren, neue Dächer, die sich im Baustil an das denkmalgeschützte Rondell anlehnen.

Am Samstagmorgen, gegen 6 Uhr, ist bereits ein grosser Teil der Gleise herausgebrochen. Arbeiter in Hilfsbaggern reissen die Strassen derweil weiter auf, schichten Steine und Strassenreste auf, verfrachten sämtliches Material laufend an mehreren Punkten auf Lastwagen. Kaum ist die Ladefläche eines Lw voll, rollt dieser davon. Und die entstandene Lücke füllt sogleich eines jener unbeladenen Fahrzeuge, die zu Dutzenden in der Nähe am Utoquai und in der Theaterstrasse bereitstehen.

«Alles muss passen und stimmen»

Stadtrat Andres Türler (FDP), der Vorsteher des Departements der Industriellen Betriebe, spricht am frühen Samstagvormittag von einer Art «Ballett von Maschinen und Menschen», das auf dem Bellevue im Gang sei. Verschiedene Verantwortliche schätzen, dass über das Wochenende mehr als 400 Arbeiter am Verkehrsknotenpunkt im Einsatz stehen. «Da muss alles passen und stimmen», sagt Türler, der – wie dies zahlreiche Passanten rund um das Bellevue tun – den Maschinen und Arbeitern zuschaut. Denn ein Gleisschlag gilt, wie es im aktuellen Infoschreiben an die Anwohner heisst, als «die spektakulärsten Arbeiten» (es sind aber leider auch die Lärmigsten).

Das Bellevue ist die frequenzstärkste VBZ-Haltestelle. An einem Werktag steigen hier 76 000 Personen in die sieben Tram- und zwei Buslinien ein oder aus, was in etwa der Einwohnerzahl der Stadt St. Gallen entspricht. Rund um das Rondell verkehrt auch noch der motorisierte Individualverkehr auf mehreren Spuren.

Gleisarbeiten am Bellevue Zürich

Gleisarbeiten am Bellevue Zürich

Seit April steht auf der Quaibrücke eine Spur weniger zur Verfügung. Das Verkehrskonzept hat sich laut den Verantwortlichen bislang aber grundsätzlich bewährt; so konnten etwa – dank zwei Fussgängerpasserellen – Fussgängerstreifen vorübergehend aufgehoben und so der Verkehr verflüssigt werden. Mit der nun intensiven Bauphase, während derer im 24-Stunden-Betrieb vorwärtsgemacht wird, werden sich weitere Einschränkungen ergeben. Dank Ferienzeit erhofft sich die Stadt, dass es bei vergleichsweise kleinen Behinderungen bleibt.

Albisriederplatz ist auf Kurs

An einem anderen Ort in der Stadt, gilt es derzeit ähnliches zu vermelden: Der Albisriederplatz wird ebenfalls grundlegend umgestaltet und umgebaut. Auto- und Velofahrer kommen dort bis zum Ende der Sommerferien gar nicht durch; der Verkehr wird umgeleitet. Laut Türler sind auch dort die Arbeiten auf Kurs.

Am Bellevue sind bis heute Montagmorgen die neuen Gleise weitgehend verlegt. Am kommenden Wochenende werden sie auch auf der Quaibrücke herausgerissen und ersetzt. Zudem müssen in den kommenden Wochen Werkleitungen erneuert sowie die Strassen und die Quaibrücke saniert werden. Während der ganzen Sommerferien bleibt das Bellevue deshalb für den Tramverkehr gesperrt. Verschiedene Tramlinien werden umgeleitet. Und am Limmatquai verkehrt ein Ersatz-Shuttle-Bus ans Central.

Die Arbeiten am Bellevue dauern bis Ende November. Es wird mit Kosten von 32 Millionen Franken gerechnet. Die Sanierung der Quaibrücke kostet weitere 20 Millionen.

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