Stadt Zürich
Martin Vollenwyder:«Koalition der Vernunft ist nun definitiv zu Ende»

Der scheidende Finanzvorsteher Martin Vollenwyder befürchtet, dass das Wahlergebnis in Zürich alte Politgräben aufreisst. Die Koalition der Vernunft sei mit der Wahl von Wolff definitiv am Ende.

Thomas Schraner
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Der scheidende Finanzvorstand Martin Vollenwyder (Archiv)

Der scheidende Finanzvorstand Martin Vollenwyder (Archiv)

Keystone

Herr Vollenwyder, was löst die Nichtwahl von Marco Camin bei Ihnen emotional aus?

Martin Vollenwyder: Ärger und Enttäuschung. Ja, ich bin «hässig».

Was hat die FDP falsch gemacht, dass es zu dieser peinlichen Niederlage gekommen ist?

Es lag weder an der Partei noch am Kandidaten. Erstens hat die Mobilisierung bei der SVP nicht richtig funktioniert. Ihre Wähler blieben zum Teil zu Hause. Zweitens hat der «Tages-Anzeiger» eine Neidkampagne gegen Camin losgetreten. Drittens fand sogar die «NZZ» einen Kandidaten Wolff offenbar lustiger als Camin. Und viertens haben es die Stadtzürcher Wolff offenbar abgenommen, rasch zusätzliche Wohnungen aus dem Hut zaubern zu können. Bei diesem konkreten Thema, das tatsächlich ein Problem in Zürich ist, konnte Wolff die Leute packen.

Welche Folgen hat das Resultat für die Stadtzürcher Politik?

Ich befürchte einen Rückfall in frühere Zeiten. Es werden nun alte Gräben wieder aufgerissen. Die Koalition der Vernunft ist mit diesem Wahlergebnis definitiv am Ende.

Die FDP hat es in der Hand, Grabenkämpfe zu vermeiden.

Nach so einem Ergebnis kann man es der FDP nicht verargen, wenn sie einen Schulterschluss mit der SVP sucht. Mir selber ging und geht dies aber gegen den Strich.

Vermissten Sie bei Camin nicht auch die pointierte Rhetorik?

Marco Camin kommt aus einer anderen beruflichen Umgebung. Ihm fehlte noch die Routine des Wahlkämpfers.