Welches war für Sie überraschender: Ihre Wahl vor vier Jahren oder nun die Abwahl?

Martin Graf: Die Wahl vor vier Jahren war für mich die grössere Überraschung. Sie war ein Erfolg, mit dem wir Grünen im bürgerlichen Kanton nicht wirklich rechnen konnten, wir haben bis zum Schluss gekämpft und gezittert. Mit einem Ausscheiden aus der Regierung habe ich nun angesichts der Ausgangslage als Option rechnen müssen. Ich wusste, dass dieser Wahlgang kein Spaziergang wird. Das war er auch vor vier Jahren nicht gewesen.

Was haben Sie falsch gemacht?

Ich habe wohl bei der Kommunikation verschiedentlich Fehler gemacht. Beim Fall Carlos etwa, das habe ich schon mehrmals gesagt, hätte ich die Öffentlichkeit früher informieren müssen. Ich war auf einen solchen Fall, der in den Medien derart breit ausgeschlachtet wird, nicht optimal vorbereitet. Aber dieser Fall ist nicht alleine schuld, es gibt noch weitere Faktoren.

Der Einbruch ihrer Partei?

Ja, das generell schlechtere Abschneiden meiner Partei, das ich sehr bedauere, hat sich natürlich auch auf mein persönliches Wahlresultat ausgewirkt. Grün hat es derzeit schwer. Und schliesslich war in den vergangenen vier Jahren auch eine spezielle Zusammensetzung der Regierung vorhanden mit gleich drei Vertretern von Linksparteien. Das war eine eher aussergewöhnliche Situation. Traditionell besteht die Zürcher Regierung ja aus fünf Bürgerlichen und nur zwei Linken. Jetzt ist wieder der Regelfall eingetreten.

Verlierer des Wahlsonntags: Wie vor vier Jahren Hans Hollenstein hiess es am Sonntag Aus für den Grüne-Politiker Martin Graf. Gründe dafür liegen auch im schwachen Abschneiden seiner Partei.

Verlierer des Wahlsonntags: Wie vor vier Jahren Hans Hollenstein hiess es am Sonntag Aus für den Grüne-Politiker Martin Graf. Gründe dafür liegen auch im schwachen Abschneiden seiner Partei.

Grüne Anliegen ziehen nicht mehr.

Die Grosswetterlage hat sich geändert. Derzeit haben die Bürgerlichen stark zugelegt. Das ist wohl eine Folge der Frankenstärke, welche den Fokus auf Wirtschaftsthemen richtete und von anderen Problemen ablenkte. Energie- oder Migrationsthemen waren auf keiner Podiumsdiskussion ein Thema. Das ist aber nur eine Momentaufnahme.

Was macht Sie zuversichtlich, dass grün wieder aufblüht?

Die Wetterlage kann sich rasch wieder ändern. Wer hätte vor einem halben Jahr beispielsweise wirklich gedacht, dass das Thema Frankenstärke die Debatte derart beherrscht? Das kam plötzlich, unerwartet. Und ebenso schnell kann es auch wieder verschwinden. In drei, vier Monaten kann dann ein anderes Thema die Bevölkerung beschäftigen. Ich bin zuversichtlich, dass die Grünen wieder zulegen werden. Unsere Anliegen sind aktuell und wichtig.

Sie haben für den Fall einer Abwahl bereits einen «Plan B» erarbeitet. Wie sieht dieser aus?

Ich muss mich jetzt neu orientieren, das ist klar. Etwa einen anderen Job suchen. Ich habe wirklich gewisse Vorstellungen. Aber die verrate ich jetzt noch nicht.

Sieht man Martin Graf weiter auf der politischen Bühne? Sind die Nationalratswahlen etwa ein Thema?

Ich lasse alles noch offen. Jetzt steht am Sechseläuten-Montag erst einmal noch eine Kantonsratsdebatte an. Da gilt es noch ein paar Dossiers zu vertreten.