Das Centro Cultural Hispanoamericano in Höngg verkörpert eine Vision der Mexikanerin Marta Elizondo: Seit 19 Jahren finden hier Kulturanlässe statt, die die spanisch-lateinamerikanische Kultur und Sprache fördern sowie verbreiten sollen. In der zweistöckigen Galerie, wo ihr Zentrum untergebracht ist, können Besucher Kunstausstellungen von internationalen Malern und Bildhauern bestaunen, spanischsprachige Vorlesungen geniessen und sogar Theateraufführungen in spanischer Sprache lauschen. Eine Galerie in ein Theater zu verwandeln, ist gar keine leichte Aufgabe.

Elizondo interessiert sich allerdings nicht für das Einfache. Sie will Dinge ermöglichen. «Ich will Künstlern aus aller Welt eine Plattform bieten und den Austausch zwischen Personen und Kulturen anregen. Denn was verbindet schon mehr als Kunst?», sagt die Gründerin des Zentrums. Sie wohnt seit mehreren Jahrzehnten im aargauischen Villmergen.

Dichten aus Leidenschaft

Elizondo wuchs auf in Monterrey, einer Stadt im Nordosten Mexikos. Nach dem Studium der Informationswissenschaften ging sie nach England, um ihr Englisch aufzupolieren. Der Liebe wegen kam sie in die Schweiz. Und blieb «Ich glaube, unser Weg im Leben steht schon fest. Man kann vieles versuchen zu verändern, aber das Schicksal ist etwas Unvermeidbares.» So erklärt die zweifache Mutter auch ihren Karrierewechsel. Die Informationswissenschaftlerin unterrichtet seit 36 Jahren Spanisch. Die geschriebene und gesprochene Sprache hat sie bereits als Kind fasziniert: «Ich habe immer versucht, meine Gedanken und Gefühle niederzuschreiben. Schreiben ist meine Leidenschaft», sagt Elizondo, die auch als Autorin tätig ist. Sie hat bisher acht Werke publiziert, die von Lyrik bis Prosa reichen. Einige davon enthalten eine spanische und eine deutsche Version.

«Kunst ist eine Bereicherung für die Seele. Bilder sind weit mehr als ein Stück Dekoration, sie sollen Gefühle und Gedanken auslösen», sagt Elizondo. Durch Kunst will sie nicht nur eine Sprache, sondern auch verschiedene Kulturen vermitteln. Ihre ganze Familie besässe eine künstlerische Ader, und ihr Bruder Jorge sei ein bekannter Bildhauer in Mexiko. Auch dank seinen Kontakten gelingt es Elizondo, neue Talente für Projekte in ihrem Zentrum zu gewinnen. Andere Einladungen ergeben sich auf spontanere Weise. Malerin Rossana Durán hat sie beispielsweise zufällig in der mexikanischen Botschaft kennen gelernt.

Seit bald 20 Jahren tätig

In einem Katalog registriert Elizondo jeden einzelnen Kulturanlass, der im Centro Cultural Hispanoamericano stattgefunden hat. Sie kann noch immer viele Einzelheiten dazu erzählen – von Anfang an hat sie alle Veranstaltungen selbst organisiert. Diese haben meist im Zentrum stattgefunden. Einmal wollte sie etwas Neues ausprobieren und organisierte eine Kunstausstellung im Zürcher Stadtkern. «Doch das lief nicht wie erwünscht», sagt Elizondo. Das mache sie nicht mehr. «Das Centro Cultural ist mein Zuhause.»

Durch den Verkauf von Kunststücken lässt sich der Kulturort nur teilweise finanzieren. Für den Rest muss Elizondo selbst aufkommen. So erledigt sie im gleichen Gebäude nicht nur Organisatorisches, sondern gibt auch private Spanisch-Lektionen in ihrem Büro.

Aus den letzten 19 Jahren stechen für sie besonders die Jubiläumsfeste heraus. Etwa als das Zentrum sein zehnjähriges Bestehen feierte: Künstler Francesco Mariotti, bekannt für seine Weihnachtsbeleuchtung aus PET-Flaschen an der Löwenstrasse, hielt damals einen Vortrag über seine Installationen.

Aktuell läuft eine Ausstellung vom Künstler Peter Dobler. Er hat bereits 2012 im Centro Cultural ausgestellt. «Ich konnte die Entwicklung seines Stils erleben», sagt Elizondo. «Seine Bilder haben tiefgründigen Bedeutungen, sie sagen dem Publikum etwas.» Seine bunten, abstrakten Werke kann man bis zum 28. September anschauen.

Centro Cultural Hispanoamericano:

Riedhofstrasse 354 8049 Zürich

Montag bis Freitag, 09-18 Uhr . Ausstellung bis 28. September. Freier Eintritt.