Sechseläuten
Markus Notter tritt sein neues Amt an: «Über die vielen Einladungen habe ich mich erschrocken»

Markus Notter ist der neue Chef des Frühlingsfest – und ein geborener Vermittler.

Florian Niedermann
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Markus Notter ist der neue Präsident des Zentralkomitees der Zünfte Zürichs und damit Chef des Sechseläutens 2016.

Markus Notter ist der neue Präsident des Zentralkomitees der Zünfte Zürichs und damit Chef des Sechseläutens 2016.

Florian Niedermann

Markus Notter selbst war von der Klarheit des Entscheids überrascht: Neben ihm hatten sich zwei weitere «Zoifter» um die Nachfolge von Jürg C. Scherz als Präsident des Zentralkomitees der Zünfte Zürichs (ZZZ) und Sechseläuten-Chef beworben. Doch an der Versammlung vom letzten September wählten die Zunftmeister ihn, den Kandidaten der Zunft zur Letzi, bereits im ersten Wahlgang. «Das stärkt mich in meiner Position», sagt Notter, um gleich nachzuschieben: abheben dürfe man deswegen nicht.

Der gebürtige Altstetter wirkt nicht wie ein Mann der grossen Töne. Er ist vielmehr ein Vermittler, der zuhört. Es wird wohl kein Zufall sein, dass er seit letztem Juni an seinem Wohnort Dällikon auch als Friedensrichter amtet. Für seine Arbeit im Zentralkomitee ist dies keine schlechte Voraussetzung.

Als Sechseläuten-Chef steht Notter nämlich nicht nur zwischen den Zunftmeistern und dem Zentralkomitee, sondern er verhandelt auch mit der Stadt über die Rahmenbedingungen des Umzugs oder – in Zürich allgegenwärtig – Umgehungsmöglichkeiten bei Baustellen. Letztere sollten, wenn der Festzug in einem Monat durch die Innenstadt marschiert, kein Problem darstellen. Dafür musste die Marschroute am Bellevue wegen der Sicherheitsbedenken leicht verschoben werden. Zu eng war dem beigezogenen «Crowd-Manager» die Situation vor Coop und Sternengrill.

Selbstständigkeit als Vorteil

Bis jetzt habe man sich mit der Stadt und der Polizei aber immer gefunden, sagt Notter. Und dies ist denn auch sein Hauptziel als neuer Präsident des ZZZ: «Die reibungslose Zusammenarbeit mit allen Beteiligten fortsetzen zu können.» Eine Herausforderung stellen für ihn jedoch die zusätzlichen Verpflichtungen in seinem neuen Amt dar.

«Ich bin erst schon etwas erschrocken, als ich feststellte, wie viele Einladungen mich erwarten», so Notter. Das ZZZ-Präsidium ist, wie die meisten Ämter in den Zünften, ein Milizamt. Ihm komme daher entgegen, dass er sich als Mitinhaber einer IT-Firma aus dem Tagesgeschäft notfalls auch einmal ausklinken könne, sagt Notter.

Von Vorteil ist sicher auch, dass er längst zum inneren Zirkel der «Zoifter» gehört. Sein Grossvater war Gründungsmitglied der Zunft zur Letzi, die 1934 nach der Eingemeindung Altstettens und Albisriedens entstand. Auch der Vater engagierte sich in der Zunft und nahm seinen Sohn Markus bereits in der Kindheit mit ans Sechseläuten. Notter amtete bereits als Delegierter im ZZZ und zuletzt als Statthalter.

Gäste überboten sich gegenseitig

Als solcher erlebte er die turbulente Vorbereitung der letztjährigen Ausgabe aus nächster Nähe mit. Kurz hintereinander sagten erst der Kanton Luzern und dann das Fürstentum Liechtenstein als Sechseläuten-Gäste zu – und wieder ab. Der Grund: Die Kosten für den Auftritt, rund eine halbe Million Franken, waren in den politischen Gremien der Gast-Kandidaten auf Widerstand gestossen.

Kosten, die laut Notter keineswegs auf Vorgaben des Zentralkomitees basierten: «Unsere Gäste versuchten sich über Jahre mit ihrem Programm gegenseitig zu überbieten. Auch wir halten 500 000 Franken für übertrieben», sagt er. Die diesjährigen Gäste, die einzige historische Luzerner Zunft zu Safran und Luzern Tourismus, operieren denn auch «mit weit tieferen Zahlen», wie der Präsident des ZZZ sagt.

Doch was ist es denn, das einen Auftritt am Sechseläuten so prestigeträchtig macht; was zieht jedes Jahr unzählige Vertreter der Sport-, Polit- und Kulturprominenz an diesen Anlass? Es sei einfach ein wunderschönes Fest, sagt Notter: «Ich bekomme noch heute SMS von Bekannten, die ich vor Jahren persönlich eingeladen habe. Sie wünschen mir jeweils ein schönes Sechseläuten, weil auch sie es noch in guter Erinnerung haben.»

Dass auch das politische und wirtschaftliche Netzwerk der Zünfte eine gewisse Anziehungskraft ausübt, streitet Notter nicht ab. Doch seien die freundschaftlichen Beziehungen wichtiger. «Wer etwa nur in eine Zunft eintritt, um neue Geschäftsbeziehungen zu knüpfen, stösst schnell auf Widerstand. Das ist verpönt», sagt er.