Zürich
Markus Notter: Als jüngstes Mitglied in Regierung ein- und ausgetreten

Mit dem «silbernen Löwen des Kantons Zürich» samt Gravur hat Markus Notter gestern das Zürcher Rathaus verlassen. Vor 15 Jahren sei Notter als damals deutlich jüngstes Mitglied in die Regierung eingezogen.

Daniel Winter
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In einer musikalisch umrahmten Legislaturschlussfeier wurde der scheidende Dietiker SP-Regierungsrat zusammen mit seinem etwas weniger freiwillig von der politischen Bühne abtretenden Amtskollegen Hans Hollenstein (CVP) und 48 Mitgliedern des Kantonsrates an der letzten Sitzung des Zürcher Kantonsparlaments verabschiedet.

Am kommenden Montag konstituieren sich der Kantonsrat und der Regierungsrat in neuer Zusammensetzung für die Amtszeit 2011–2015. Dann endet auch offiziell die Regierungsratszeit Markus Notters. Seit 1996 im Amt, war der Dietiker Vollblutpolitiker zu den Wahlen vom 3. April nicht mehr angetreten.

Sprint durch die Institutionen

Vor 15 Jahren sei Notter als damals deutlich jüngstes Mitglied in die Regierung eingezogen, sagte der abtretende Kantonsratspräsident Gerhard Fischer (EVP) gestern in seiner Würdigung des Justizdirektors. Und jetzt gelinge dem inzwischen 50-Jährigen das Kunststück, dieses Gremium wieder als jüngster zu verlassen. Fischer sprach beim Rückblick auf die biografisch-politischen Stationen Notters denn auch von einem «veritablen Sprint durch die Institutionen des bekennenden Nichtsportlers»: 1987, mit 27, Wahl in den Kantonsrat (bis 1996), 1990 Wahl zum vollamtlichen Stadtpräsidenten von Dietikon, 1996 Sprung in der Regierungsrat als Nachfolger des in den Bundesrat gewählten Parteikollegen Moritz Leuenberger.

Debattierfreude und profunde Detailkenntnisse zeichneten den scheidenden Regierungsrat aus, so Fischer weiter. Verlässlichkeit, Gradlinigkeit und Volkstümlichkeit führten zur natürlichen Autorität Notters. Dazu komme dessen feinsinniger Humor, wobei der Kantonsratspräsident mit einem zu parteiübergreifendem Amüsement führenden Versprecher vom «freisinnigen Humor» des Limmattaler Sozialdemokraten sprach.

«Werde diesen Saal vermissen»

Markus Notter bestätige diese Einschätzung – unabhängig von jeder parteipolitischen Konnotation – in der Folge höchstpersönlich und erwiderte den Dank und die löwenmässige Auszeichnung durch den Kantonsrat mit launigen Worten. 24 Jahre lang habe er Gelegenheit gehabt, «in diesem Saal zu sprechen», so Notter: «Da wäre es doch seltsam, wenn es etwas gäbe, das ich noch nicht gesagt habe.» Er habe immer gerne debattiert und argumentiert und sich für die Vorlagen des Regierungsrats leidenschaftlich eingesetzt: «Unter diesem Gesichtspunkt werde ich diesen Saal vermissen.»

In seinem Amt habe er sich stets bemüht, erklärte Notter weiter, und dabei versucht, «nie gegen das elfte Gebot zu verstossen» – das von Billy Wilder geprägte Diktum lautet: «Du sollst nicht langweilen.» Und was kommt danach? Auch nach dem Ausscheiden aus dem Regierungsrat werde er wohl «ab und zu einen Zwischenruf machen», wandte sich Notter ans Parlament: «Nehmen Sie es nicht allzu tragisch.»