Stadion-Diskussion

Mario Fehr spricht sich für die Idee «Stadionzutritt nur mit ID» aus

Mario Fehr (SP)

Mario Fehr (SP)

Für Mario Fehr ist nicht nur die Stehplatzfrage wichtig: «Viel wichtiger ist die Gewaltprävention.» Dazu gehöre auch, dass die Wege der Fangruppierung bei der Anfahrt und auch nach dem Spiel getrennt sind.

Die Fifa hat ihre 20-Millionen-Beteiligung am Stadion zurückgezogen, weil Stehplätze vorgesehen sind. Der Kanton zahlt nun 8 Millionen. Wo stehen Sie in der Stehplatzfrage?

Mario Fehr: Meiner Ansicht nach ist es Sache der Stadt Zürich als Stadionbauerin, ob sie neben Sitz- auch Stehplätze anbieten will. Stehplätze sind bei Spielen der nationalen Liga zugelassen.

Ist ein reines Sitzplatzstadion nicht sicherer?

Auch ein Stadion mit Stehplätzen kann sicher gestaltet werden. Polizeitaktisch und aus Sicht der Gewaltprävention ist viel wichtiger, dass die Wege der Fangruppierungen der verschiedenen Teams bei der Anfahrt und nach dem Spiel getrennt werden. England hat damit gute Erfahrungen gemacht.

Wie will der Kanton dies sicherstellen? Beim Stadion hat die Stadt das Sagen.

Wir haben uns ausbedungen, bei der Projektorganisation für den Stadionbau dabei zu sein. So können wir auch in Sicherheitsfragen Einfluss nehmen. Im Übrigen praktizieren wir dieses Prinzip – gemeinsam mit der Stadt – bereits. Etwa, wenn der FC Basel in Zürich zu Gast ist. Die FCB-Fans werden zwischen Altstetten und dem Letzigrund kanalisiert.

Glauben Sie, dass die Stadionvorlage aufgrund der Pyros zündenden Fans gefährdet ist?

Ich bin sicher, dass nach den Fackelwürfen beim Derby und dem Unfall mit Pyros beim Spiel des FCZürich in Rom ein Ruck durch die Fanszene gegangen ist. Fanarbeit ist uns sehr wichtig. Deshalb arbeiten wir im Verein Fanarbeit Zürich mit, den wir mit 360000 Franken aus dem Lotteriefonds für drei Jahre unterstützt haben. Wir werden diese Fanarbeit auch weiterhin finanziell und personell unterstützen. Wenn alle mithelfen, die Gewalt rund um Sportveranstaltungen in Zürich einzudämmen, hat das Stadion gute Chancen.

Sollen Spiele – wie von der Stadt Zürich und vom Grasshopper Club gefordert – sofort abgebrochen werden, wenn Pyros im Stadion gezündet werden?

Das halte ich für unrealistisch. Es stellte sich die Frage der Spielverfälschung. Zudem wäre ein Matchbesuch angesichts des drohenden Spielabbruchs kaum mehr attraktiv. Wir empfehlen deshalb, dreistufig vorzugehen: Matchunterbruch, Androhung des Abbruchs und – wenn nichts fruchtet – Abbruch.

Sollte die Polizei auch innerhalb des Stadions präsent sein?

Nein, Fussballspiele sind private Veranstaltungen. Zudem hätten wir die Kapazitäten gar nicht. Die Polizei ist für die Sicherheit ausserhalb des Stadions verantwortlich. Sie soll aber bei schweren Straftaten und, wenn das Sicherheitspersonal des Veranstalters überfordert ist, auch im Stadion eingreifen können.

Und Schnellrichter?

Wir begrüssen rasche Verfahren. Aber eine schnelle Bestrafung darf nicht zulasten einer sauberen Ermittlungsarbeit gehen. Neben Polizeikräften ist bei Risikospielen in Zürich regelmässig auch die Staatsanwaltschaft vor Ort.

Wie stehen Sie zu einer Bewilligungspflicht für Fussballspiele?

Eine zentrale Massnahme, die wir unterstützen. Sie gibt den Behörden ein Mittel in die Hand, um die Vereine in die Pflicht zu nehmen.

Und was halten Sie vom Zutrittsrecht nur mit Pass oder ID?

Im Eishockeystadion in Bern läuft derzeit ein Pilotprojekt des Bundesamts für Polizei. Wenn die Erfahrungen positiv sind, sehe ich diese Möglichkeit als taugliches Mittel, Stadion- und Rayonverbote besser durchzusetzen.

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