Asyl
Mario Fehr freut sich, wenn Private Asylsuchende zu Hause aufnehmen

Regierungsrat Mario Fehr rechtfertigt die Zurückhaltung des Kantons Zürich bei privaten Unterbringungen.

Matthias Scharrer
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Flüchtlinge Unterkunft.JPG

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Keystone

Eine formelle Zusammenarbeit zwischen dem Kanton Zürich und der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) beim SFH-Projekt für private Unterbringung von Flüchtlingen ist bisher nicht zustande gekommen. Zwar betont Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP): «Wir sind froh um jeden Beitrag, der für die Unterbringung und Betreuung im Asylbereich geleistet wird.» Doch der Kanton stelle nur in einer ersten Phase Asyl-Unterkünfte zur Verfügung. Und dabei setze er auf professionell betreute Durchgangszentren mit Kapazitäten von 80 Personen und mehr.

Danach seien in einer zweiten Phase die Gemeinden für die Flüchtlingsunterbringung zuständig, die dafür auch privaten Wohnraum anmieten. Eine Unterbringung bei Privatpersonen komme daher nur in der zweiten Phase infrage. Und dabei leisteten die Gemeinden gute Arbeit.

«Privatpersonen, die Wohnraum für Asylsuchende zur Verfügung stellen wollen, sind darum gebeten, sich mit den dafür zuständigen Behörden vor Ort in Verbindung zu setzen», erklärt Fehrs Sprecher Urs Grob weiter. Und: «Mit Blick auf das Projekt der SFH ist festzuhalten, dass es nicht effektiv wäre, wenn der Kanton hier quasi als ‹Makler› und an den Gemeinden vorbei zwischen SFH und Privatpersonen vermitteln würde.»

Das Beispiel aus Sins (AG)

Anders sieht es im Aargau aus: Dort arbeitet der Kanton mit der SFH bei deren Projekt «Private Unterbringung» zusammen. Anfang April konnte so eine dreiköpfige syrische Flüchtlingsfamilie bei einem älteren Ehepaar in Sins eine Bleibe finden. Seither teilen sie sich das Doppelfamilienhaus des Schweizer Ehepaars, dessen vier Söhne längst ausgezogen sind.

«Die Zusammenarbeit mit der Flüchtlingshilfe funktioniert gut und pragmatisch», sagt Balz Bruder, Sprecher des Departements Gesundheit und Soziales von Regierungsrätin Susanne Hochuli (Grüne). «Die SFH klärt Möglichkeiten privater Unterbringungen im Kanton ab, der kantonale Sozialdienst klärt die Verhältnisse vor Ort und leistet die notwendige administrative Unterstützung.» Die private Unterbringung sei willkommen, aber nicht zu unterschätzen – insbesondere von jenen nicht, die sie anböten. Entsprechend wichtig seien die Vorabklärungen.

Alois Kaufmann, Gastgeber der syrischen Familie im aargauischen Sins, zieht nach den ersten fünf Monaten eine positive Bilanz: Der Mann aus Syrien habe inzwischen dank der Vermittlung durch die Kaufmanns bei einem lokalen Goldschmied Beschäftigung gefunden: Er stelle im Rahmen eines Kulturaustauschprogramms Schmuckstücke her. Zudem besuche er an fünf Tagen in der Woche nachmittags Deutschkurse. Die Frau spreche bereits besser Deutsch. Anfänglich sei noch eine Dolmetscherin gekommen. «Inzwischen ist die Familie gut vernetzt», so Kaufmann.

Die Beschäftigung beim Goldschmied und im Sprachunterricht hebt er speziell hervor: «Wenn sie nur herumhängen und nichts zu tun haben, ist das für die jungen Männer besonders schwierig», sagt Kaufmann. Sein Fazit: «Das Leben spielt sich gleich ab, wie es sich mit einer Schweizer Familie abspielen würde.»

Schweizweit haben nach Angaben der Flüchtlingshilfe aktuell rund 500 Personen angeboten, Asylsuchende bei sich zu Hause unterzubringen. Bislang seien aber erst vereinzelt Platzierungen durchgeführt worden. Neben dem Aargau ist das SFH-Projekt auch in der Waadt angelaufen, zudem haben die Kantone Bern und Genf grünes Licht gegeben.

Die Zahl der Asylgesuche in der Schweiz belief sich im Jahr 2014 auf 23 765; davon war in 2638 Fällen der Kanton Zürich zuständig. Die mit Abstand meisten Asylsuchenden stammten 2014 aus Eritrea und Syrien. Auch wenn die Zahl der Asylsuchenden in den letzten vier Jahren deutlich über dem langjährigen Durchschnitt lag: Vom Höchststand aus der Zeit der Balkankriege ist sie weit entfernt. Dieser war 1999 erreicht, als 46 068 Menschen in der Schweiz Asyl suchten.