Der aktuell wohl bekannteste Pfeifenraucher der Schweiz sitzt Wochenende für Wochenende in der VIP-Loge des Letzigrundstadions und schaut sich die Spiele seines FC Zürichs an. Ancillo Canepas Tabakkonsum ist legendär – doch der offiziell beste Pfeifenraucher der Schweiz ist nicht etwa der FCZ-Präsident, sondern der Ustermer Marco Vesti, der am letzten Montag in Biel Schweizer Meister im Pfeifenrauchen wurde.

Beim Wettkampf geht es darum, wer mit den drei Gramm Tabak, die jeder Teilnehmer erhält, am längsten rauchen kann, ohne dass die Glut erlischt. Dabei sei entscheidend, wie man seine Pfeife stopfe und dass man nicht zu fest daran ziehe. «Wenn der Tabak feucht ist, darf man ihn nicht zu dicht zusammenpressen, sonst bekommt die Glut zu wenig Sauerstoff und erlischt», so Vesti.

Beim trockenen Tabak sei das weniger ein Problem. Dafür müsse man dann darauf achten, dass man den Tabak nicht zu schnell verheize, in dem man zu viel an der Pfeife ziehe. «Eigentlich paradox: um Schweizer Meister im Pfeifenrauchen zu werden, muss man möglichst wenig rauchen», sagt Vesti.

Man müsse ein Gefühl für die Glut und die Pfeife entwickeln und das richtige Mass beim Ziehen finden. Wenn am Wettkampf trotzdem alle Stricke reissen sollten, hat Vesti immer noch einen Notfallplan parat.

«Wenn man auf die Öffnung einen Deckel legt, die Pfeife um 180 Grad dreht und im richtigen Rhythmus abwechslungsweise zieht und bläst, kann man die Glut noch retten», erklärt der Schweizer Meister. Dieser Trick sei allerdings extrem anspruchsvoll, vergleichbar mit einem Fallrückzieher im Fussball. Bis heute sei er ihm noch nie vollends gelungen.

Rauchen zur Entspannung

In Biel hat es Vesti geschafft die Glut in der Pfeife eine Stunde und 38 Minuten lang am Leben zu halten. Das sei kein schlechtes Resultat. Zur absoluten Weltspitze fehlt allerdings noch ein Stück. Mit dem Schweizer-Meister-Titel hätte er sich theoretisch für die diesjährige Weltmeisterschaft in Japan qualifiziert. Doch zeitlich sei das leider nicht drin gelegen.

So ging der Weltmeistertitel in Tokyo an den Japaner Satoshi Naito, der zwei Stunden und 27 Minuten lang an seiner Pfeife zog. Gemäss Vesti war die Schweiz in den 70er und 80er-Jahren noch das Mass aller Dinge im Pfeifenrauchen. Die goldigen Zeiten seien aber vorbei. «Heute haben wir immer mehr Mühe, neue Clubmitglieder zu finden», so Vesti.

Er selbst trat dem Pfeifenclub Uster vor 13 Jahren bei, nachdem ihn ein Freund einmal mit ans monatliche Treffen in die Zigarren-Lounge «La Corona» mitgenommen hatte. Dass man beim Pfeifenrauchen lediglich pafft und den Rauch nicht in die Lunge zieht, kam dem 51-jährigen Ustermer entgegen: er ist eigentlich Nichtraucher.

Pfeife rauchen sei etwas sehr gemütliches. «Ich kann dabei wunderbar entspannen und in meine eigene Welt eintauchen», so Vesti. Gesundheitliche Nebenwirkungen habe er bis jetzt keine festgestellt. «Es ist ein bisschen wie beim Fitness. Wenn du das erste Mal gehst, hast du am nächsten Tag Muskelkater und Krämpfe. Mit der Zeit gewöhnt sich der Körper aber daran», sagt Vesti. Er rauche zudem nicht jeden Tag. Nach einem Wettkampf mache er auch mal zwei, drei Wochen Pause. Ohnehin seien die Wettkämpfe nicht der Hauptgrund, weshalb er Pfeife rauche. Vielmehr schätze er die Geselligkeit in der Gemeinschaft und die guten Gespräche, die in der Raucherrunde entstünden.