Vollenwyder-Nachfolge
Marco Camin: «Ich bin unverbraucht und bringe frischen Wind»

Der FDP-Stadtratskandidat und Zahntechniker spricht im Interview über seine politischen Ziele und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei ihm zu Hause.

Matthias Scharrer
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Der FDP-Stadtratskandidat Marco Camin sieht sich als «Mensch des Gewerbes».

Der FDP-Stadtratskandidat Marco Camin sieht sich als «Mensch des Gewerbes».

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Herr Camin, sie wurden bei Ihrer Nomination zum Zürcher Stadtratskandidaten in der FDP-Versammlung am Montagabend als «Mann der Wirtschaft» bezeichnet. Trifft dieses Etikett auf Sie zu?

Marco Camin: Ich bin in erster Linie ein Mensch des Gewerbes, der mit Bodenständigkeit und Offenheit den Karren weiterbringt, Schritt für Schritt vorwärts. Stillstand würde für mich Rückschritt bedeuten.

Den Karren vorwärtsbringen – was heisst das konkret für Zürich?

Ich bin es gewohnt, dass aus meiner Arbeit ein Resultat, ein Produkt entstehen muss, damit ich überleben kann. Auch das gilt es, in die Politik einzubringen. Ich bin bekannt dafür, dass ich Lösungen schmieden kann, von links bis rechts, mit allen Politikern, die sich für die Sache einsetzen. Mit denen schliesse ich einen Kompromiss und komme einen Schritt vorwärts.

Gibt es auch ein sachpolitisches Hauptanliegen, das Sie im Zürcher Stadtrat verfolgen wollen?

Meiner Meinung nach gibts auf allen Ebenen der Sachpolitik Facetten, bei denen man vorankommen muss. Eine Herausforderung, die wir diskutieren müssen, ist die Zuwanderung. Ich stehe für qualitatives Wachstum ein. Das brauchen wir für unseren Werk- und Finanzplatz. Ich bin offen gegenüber ausländischen qualifizierten Arbeitskräften aus dem EU-Raum oder aus Drittstaaten. Die brauchen wir unbedingt, damit wir weiterhin prosperieren können. Beispiele dafür gibt es viele, zum Beispiel in der Industrie oder in der Pflege. Ich stehe damit ein für Kontinuität und eine Fortsetzung der Politik Martin Vollenwyders.

Der scheidende FDP-Stadtrat Vollenwyder ist ein scharfzüngiger SVP-Kritiker. Für Ihre Wahl sind Sie auch auf Stimmen aus der SVP-Wählerschaft angewiesen. Wie schaffen Sie diesen Spagat?

Wie gesagt, ich konzentriere mich auf die Sache, bin lösungsorientiert und respektiere von links bis rechts alle Politiker, die sich für die Sache einsetzen. Das habe ich auch als FDP-Wahlkampfleiter bewiesen. Als Beispiel nenne ich die Unterstützung der SVP-Regierungsräte Markus Kägi und Ernst Stocker ohne jegliches Gegenrecht.

In der Ausländerpolitik, die Sie skizzieren, gibt es Differenzen zur SVP. Ist das ein Problem im Hinblick auf Ihre Mehrheitsfähigkeit?

Ich stehe dafür gerade, dass man sich integrieren und unsere Werte und Gesetze kennen und schätzen lernen kann. Mit meinen italienischen Wurzeln bin ich ja Beispiel genug für erfolgreiche Integration, auch wenn ich in Zürich geboren und aufgewachsen bin.

Ausserhalb der FDP sind Sie noch relativ unbekannt. Ist das ein Nachteil?

Ich bin unverbraucht und werde frischen Wind in die Stadtpolitik bringen. Das ist ein Vorteil. Ich bin aber auch nicht so unbekannt, wie man mir nachsagt. Nach fünf Jahren als FDP-Wahlkampfleiter kennt man mich durch unsere Erfolge bei den Regierungs-, National- und Ständeratswahlen.

Als Wahlkampfleiter waren Sie der Strippenzieher im Hintergrund. Jetzt stehen Sie als Stadtratskandidat im Vordergrund. Wie wollen Sie die Leute von Ihrer Person überzeugen?

Ich möchte in Martin Vollenwyders Fusstapfen treten und die Vorwärtsstrategie nachleben, bin bodenständig und lösungsorientiert. Das beweise ich mit meiner Familie und meinem Geschäft tagtäglich. Und ich habe die Offenheit, die nötig ist, damit es weitergehen kann. Wir dürfen den Motor nicht abstellen. Andere Städte haben bewiesen: Sich einzuigeln ist nicht die richtige Methode. Zürich hat Mut bewiesen und ist vorwärts gekommen. Natürlich gibt es immer wieder Probleme. Die sind zu lösen. Ich bin ein Macher.

Sie haben Ihre Familie angesprochen und haben drei schulpflichtige Kinder. Wie ist das mit einem Stadtrats-Arbeitspensum von 70 bis 80 Stunden pro Woche vereinbar?

Sehen Sie, bislang habe ich dieses Pensum schon in meinem Geschäft vollbracht. Wir haben ein lässiges Miteinander in der Familie und über diese Situation diskutiert. Die Familie steht voll hinter mir, meine Kinder und meine Frau.

Es wäre spannend zu erfahren, wie Sie das konkret schaukeln ...

Meine Frau ist mit mir in der Geschäftsleitung. Sie ist auch Zahntechnikerin und würde im Fall meiner Wahl das Geschäft ganz übernehmen und weiterführen. Wir haben super Mitarbeiter, die uns tragen. Auch in der Familie haben wir ausgiebig diskutiert, was das für Entbehrungen mit sich brächte. Wir sind uns dessen vollauf bewusst. Meine Kinder sind unterdessen 12, 16 und 17 Jahre alt. Eine gewisse Selbstständigkeit haben sie natürlich. Aber es ist auch so, dass wir zum Glück unser Geschäft gleich über die Strasse haben. Gemeinsames Mittagessen, zumindest mit meiner Frau, liegt also nach wie vor drin.