Mordprozess Uster
Mann erschiesst Freundin - und verneint Tötungsabsicht

Vor drei Jahren hat er seine fast 17-jährige Freundin mit einem aufgesetzten Schuss getötet. Ab kommendem Montag, 6. Februar, steht der heute 23-jähriger Mann deswegen vor dem Bezirksgericht Uster.

Elisabeth Hausmann
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Vor drei Jahren hat ein junger Mann seine fast 17-jährige Freundin mit einem aufgesetzten Schuss getötet. (Symbolbild)

Vor drei Jahren hat ein junger Mann seine fast 17-jährige Freundin mit einem aufgesetzten Schuss getötet. (Symbolbild)

Keystone

Die Tat ereignete sich am 7. März 2009: Am späten Samstagabend sass das junge Paar im Auto des Beschuldigten auf dem Parkplatz beim Einkaufszentrum Volkiland in Volketswil ZH. Soeben hatte sich die junge Frau darüber beschwert, dass ihr Freund offenbar noch eine Beziehung neben ihr pflegte.

Davon genervt, hielt ihr der damals 20-Jährige einen Revolver an die linke Halsseite und drückte ab, wie Staatsanwalt Adrian Kaegi das Geschehen in der Anklageschrift schildert. Die Kugel drang durch den Kopf, ein paar Minuten später war das Mädchen tot. Der Schütze wurde noch in der gleichen Nacht festgenommen und sitzt seither in Haft.

Der Beschuldigte hatte drei Freundinnen gleichzeitig

Für Kaegi ein klarer Fall von Mord. Der Beschuldigte habe das Opfer «aus absolut nichtigen Beweggründen (...) kaltblütig regelrecht hingerichtet». Er habe mit seiner Tat eine «Geringschätzung des menschlichen Lebens in höchstem Masse» bewiesen.

Die junge Frau sei ihm lästig gewesen, weil sie sich über seine Parallelbeziehung beklagte. Tatsächlich hatte der Beschuldigte damals laut Anklage nicht weniger als drei Freundinnen gleichzeitig.

Verteidiger: Eher Fahrlässigkeit

Bereits zwei Tage nach seiner Festnahme habe sein Mandant gestanden, den tödlichen Schuss abgegeben zu haben, betonte Verteidiger Mario Bortoluzzi gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Der Beschuldigte verneine jedoch jegliche Tötungsabsicht.

Der Anwalt wollte nicht verraten, auf welche Tatqualifizierung er zu plädieren gedenke. Es gehe «in Richtung Fahrlässigkeit». Immerhin habe es schon viele Unfälle mit Waffen gegeben, die vermeintlich nicht geladen waren. Einen Freispruch werde er aber nicht fordern, der Schuss sei ja gefallen.

Schon früher gewalttätig

Die Ermittler stiessen bei dem Kosovaren auf ein umfangreiches Waffenarsenal: Vier Pistolen und zwei Gewehre, ein Butterfly-Messer und eine Machete, drei Baseballschläger, einen Schlagring und ein Paar Sand-Handschuhe - sie verleihen Faustschlägen mehr Nachdruck - listet die Anlage auf.

Schon früher war der junge Mann als gewalttätig und impulsiv aufgefallen. Staatsanwalt Kaegi klagt ihn denn auch zusätzlich der Gefährdung des Lebens in mehreren Fällen an. Seine Strafanträge werden Ankläge und Verteidiger erst vor Gericht stellen.

Rund eine Woche vor dem Tötungsdelikt hatte das spätere Opfer dem jungen Mann eine Ohrfeige versetzt, wie es in der Anklageschrift heisst - ein Grund ist nicht genannt. Daraufhin habe er dem Mädchen die Spitze seines Butterfly-Messers an den Hals gesetzt.

Er fügte ihr einen rund zwei Zentimeter langen Kratzer zu - exakt an der Stelle, an der er ein paar Tage später den aufgesetzten Schuss abfeuerte. Schon Jahre früher hatte er eine junge Frau und deren Freund mit einem Messer schwer bedroht. Die beiden erheben - neben den Eltern des getöteten Mädchens - Ansprüche als Privatkläger.