Es war ein Tag, den wohl beide Beteiligten nie mehr vergessen werden. Nachdem sie sich am 13. August 2014 bei der Autobahneinfahrt beim Flughafen in die Quere gekommen waren, bremste ein türkischstämmiger Autofahrer mit deutscher Staatsbürgerschaft einen tschechischen Taxifahrer auf der A51 aus, stieg aus seinem Fahrzeug und machte sich vor dem Taxi breit.

Der heute 68-jährige Taxifahrer lud den Deutschen in der Folge auf die Motorhaube auf und beschleunigte sein Fahrzeug auf am Ende über 130 km/h – aus Angst, wie er später angab. Indem er Schlangenlinien über alle Spuren fuhr und auf die Leitplanken zuhielt, versuchte er, den ungebetenen Fahrgast loszuwerden.

Der 33-jährige Deutsche rettete sich durch einen Sprung auf die Fahrbahn, überschlug sich mehrmals und kroch auf den Pannenstreifen. Er hatte sich während einer Fahrt von über 1,4 Kilometern auf der Motorhaube befunden, riss dabei die Scheibenwischer ab und schlug damit in die Frontscheibe des Taxis. Schwerere Verletzungen zog er sich bei der Aktion nicht zu. Er kam mit leichtem Schädel-Hirn-Trauma, Schürfungen, Prellungen und einem Knöchelbruch davon.

Der Fall wurde im Juni 2016 vor dem Obergericht verhandelt. Gestern erst gab das Gericht sein Urteil bekannt. Die Richter sprachen wegen versuchter vorsätzlicher Tötung eine bedingte Gefängnisstrafe von zwei Jahren und eine Busse von 800 Franken aus. Damit milderten sie das Urteil des Bülacher Bezirksgerichtes. Dieses hatte eine unbedingte Freiheitsstrafe von fünf Jahren gesprochen.

Von Angst getrieben

Ein an der Verhandlung am Obergericht vorgelegtes Gutachten kam aber zum Schluss, dass der Taxifahrer nur vermindert schuldfähig war. Laut der psychiatrischen Einschätzung handelte es sich beim Aufladen auf die Motorhaube und dem Beschleunigen um eine akute Belastungsreaktion. Der Taxifahrer sei von Angst, nicht von Wut getrieben gewesen und habe seine Reaktionen nur reduziert wahrgenommen.

Das Gutachten und der tadellose Leumund des Taxifahrers veranlassten die Oberrichter am Ende dazu, den 68-Jährigen nicht ins Gefängnis zu schicken, auch wenn dieser den Tod des 33-Jährigen zumindest in Kauf genommen habe. «Es war blosser Zufall, dass der Sturz nicht zum Tod geführt hat», erklärte der vorsitzende Richter. In einem Artikel des «Magazins» hatte der Taxifahrer ausgesagt, er werde sich bei der Sterbehilfe-Organisation Exit anmelden, müsse er in den Bau.

Seinen Lebensabend wolle er nicht im Gefängnis verbringen. Der Deutsche wollte auch nicht, dass sein damaliger Widersacher hinter Gitter muss, wie er im gleichen Artikel ausführte. Gestern war vor Gericht auch keine Feindseligkeit zu spüren. Immerhin: 7000 Franken Genugtuung und 2194 Franken Schadenersatz muss der Taxifahrer bezahlen. Diesen Entscheid des Bezirksgerichts Bülach hatte der 68-Jährige nicht vor Obergericht gebracht.