Zürich
Manifesta übertrifft Erwartungen - Publikumsmagnet war eine stinkende Kot-Arbeit

In drei Tagen schliesst die Kunst-Biennale Manifesta 11 in Zürich. Für eine endgültige Bilanz ist es noch zu früh, doch die Veranstalter sind sehr zufrieden: Mit mehr als 171'000 Besucherinnen und Besuchern wurden die Erwartungen übertroffen.

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Peter Haerle, Direktor Kultur Stadt Zuerich, Corine Mauch, Stadtpraesidentin, Hedwig Fijen, Direktorin der Manifesta, und Yana Klichuk, Leiterin Vermittlungsabteilung sprechen an der Abschlussmedienkonferenz.
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Die Manifesta ist zu Ende
Doch der Pavillon of Reflections wird weiterhin genutzt.
Peter Haerle, Direktor Kultur Stadt Zuerich, Corine Mauch, Stadtpraesidentin, und Hedwig Fijen, Direktorin der Manifesta, von links, an der Abschlussmedienkonferenz der Manifesta in Zuerich
Blick auf den Pavillon of Reflections vom Zürichseeufer aus.
Manifesta 11: Pavillon of Reflections
Tagsüber ist der Pavillon Badi mit Bar, abends Kino.
What People Do For Money lautet der Titel der Manifesta. Es geht um Arbeit und Geld
Für den Pavillon verbauten ETH-Studenten Holz aus Zürcher Wäldern.
Der Turm macht den Pavillon weitum sichtbar.
Das Holzkonstrukt soll zur Ikone der Manifesta 11 werden, sagen die Veranstalter.

Peter Haerle, Direktor Kultur Stadt Zuerich, Corine Mauch, Stadtpraesidentin, Hedwig Fijen, Direktorin der Manifesta, und Yana Klichuk, Leiterin Vermittlungsabteilung sprechen an der Abschlussmedienkonferenz.

Keystone

Das aussergewöhnliche kuratorische Konzept habe sich bewährt, sagte Hedwig Fijen, die Direktorin der Manifesta, am Donnerstag in Zürich. Kuratiert wurde die Kunst-Biennale, die die ganze Stadt als Experimentierraum nutzte, zum ersten Mal von einem einzelnen Künstler, dem in Berlin lebenden Video- und Konzeptkünstler Christian Jankowski.

Interaktionen und Vermittlung

Unter dem Motto "What People Do for Money? Some Joint Ventures" setzten sich die Kunstschaffenden mit den heutigen Arbeitsbedingungen auseinander. Gut besucht waren beispielsweise Ausstellungen im Helmhaus und in der Löwenbraukunst, wo Mike Bouchet mit seiner übelriechenden Klärschlamm-Skulptur aus den Ausscheidungen der Zürcher Bevölkerung für kontroverse Diskussionen sorgte.

Im Cabaret Voltaire, das während der Manifesta zur Künstlerzunft wurde, fanden mehr als 500 Performances statt. Ausserdem gab es über 200 Begleitveranstaltungen und 38 Parallel-Event-Projekte der lokalen Kunstszene.

Die übelriechende Kot-Arbeit von Mike Bouchet in der Löwenbraukunst im Kreis 5
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Die übelriechende Kot-Arbeit von Mike Bouchet in der Löwenbraukunst im Kreis 5
Die übelriechende Kot-Arbeit von Mike Bouchet in der Löwenbraukunst im Kreis 5
Die übelriechende Kot-Arbeit von Mike Bouchet in der Löwenbraukunst im Kreis 5
Die übelriechende Kot-Arbeit von Mike Bouchet in der Löwenbraukunst im Kreis 5

Die übelriechende Kot-Arbeit von Mike Bouchet in der Löwenbraukunst im Kreis 5

Zur Verfügung gestellt

Ein besonders wichtiges Thema war die Vermittlung. 17'850 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen ein entsprechendes Angebot wahr. 7300 Personen besuchten eine Führung. Junge Menschen waren als Kunstvermittler aktiv und unter den Besuchern waren auffallend viele Schüler und Studierende. Mit diesem Konzept habe man auch viele "Nichtprofessionelle" erreicht, sagte Fijen.

Lieblingsort: Pavillon im See

Besonders beliebt bei den Besucherinnen und Besuchern war eine im See schwimmende Plattform, der "Pavillon of Reflections", der als Ausstellungsort, Badeanstalt und Bar genutzt wurde. "Alle haben ihn lieb gewonnen", sagte Peter Haerle, Kulturdirektor der Stadt. Nach der Manifesta wird der Treffpunkt während des Zurich Film Festivals (ZFF) weiter genutzt.

Der Erfolg lasse sich jedoch nicht nur in Zahlen messen, sagte Stadtpräsidentin Corine Mauch. Kritisches Nachdenken bringe die Stadt und die Gesellschaft weiter und die Manifesta habe vieles angeregt, was die Stadt weiter beschäftigen werde. "Das Experiment ist gelungen", sagte sie. Die künstlerische Auseinandersetzung mit der Erwerbsarbeit sei das richtige Thema gewesen.

Die Diskussion geht weiter

Fragen zu Arbeitsbedingungen musste sich auch die Manifesta selbst stellen lassen. So hatten Studierende und lokale Kunstschaffende den Manifesta-Machern Lohndumping vorgeworfen und dagegen protestiert, dass festangestelltes Aufsichtspersonal durch billige Freiwillige ersetzt wurden.

Die Diskussion um gerechten Lohn für Kunst höre nicht auf, sagte Mauch. Dies sei eine wichtige Frage für die Kulturpolitik und sie werde sich dafür einsetzen, gute Antworten zu finden.

Die durch Europa wandernde Kunst-Biennale Manifesta ist alle zwei Jahre in einer anderen Stadt zu Gast. Nach dem Auftritt in Zürich wird sie Halt in Palermo und Marseille machen.